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Raketenabwehr in Südkorea USA provozieren China mit Abwehrsystem

Die USA beginnen mit dem Aufbau eines Raketenabwehrsystems in Südkorea. Peking hat daran überhaupt keine Freude.

Legende: Audio Erste Abwehrbatterien aus den USA eingetroffen abspielen. Laufzeit 03:55 Minuten.
03:55 min, aus Rendez-vous vom 07.03.2017.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Nur einen Tag nach dem bisher letzten Raketenstart in Nordkorea haben die USA mit der Installation eines Raketenabwehrsystems in Südkorea begonnen.
  • China kritisiert dies scharf: Peking befürchtet, dass die USA durch das dazugehörende Radarsysten Einblick in die Tätigkeiten der Armee in China erhält.
  • Durch das US-Vorgehen könnten die Spannungen zwischen Peking und Washington weiter zunehmen, sagt SRF-Korrespondent Martin Aldrovandi in Schanghai.

SRF News: China kritisiert die Installation von US-Abwehrraketen in Südkorea. Welche Befürchtungen hegt Peking?

Martin Aldrovandi: Wenn man den USA und Südkorea glaubt, dann hat China eigentlich nichts zu befürchten. Beim THAAD-System handle es sich um ein defensives System, das nur für das Abfangen von Raketen aus Nordkorea bestimmt sei, sagen sie. China befürchtet aber, dass die USA mit dem Radar des Systems auch den chinesischen Luftraum ausspähen könnten.

Nun haben die USA begonnen, das Abwehrsystem in Südkorea aufzubauen – wie reagiert China darauf?

China protestiert schon länger gegen die Pläne. Die ersten, die den Unmut bereits zu spüren bekommen haben, sind südkoreanische Unternehmen. So wurden etwa 20 Filialen einer südkoreanischen Handelskette in China behördlich geschlossen. Auch gab es Boykottaufrufe, weil die Handelskette einen Golfplatz in Südkorea, der in ihrem Besitz ist, für das Raketenabwehrsystem zur Verfügung stellt. Auch die südkoreanische Tourismusindustrie ist betroffen, bereits wurden zahlreiche Reisen von Chinesen storniert.

Die transpazifischen Beziehungen werden sich weiter abkühlen.

China kündigt an, man werde «Schritte unternehmen, um die eigenen Interessen zu schützen». Könnten dies auch militärische Schritte sein?

Peking hat nicht konkret gesagt, was es unternehmen will. Es spricht von «Konsequenzen». Allerdings dürften die erwähnten und vielleicht weitere wirtschaftliche Massnahmen Südkorea mehr schaden als allfällige militärische.

Legende: Video Nordkorea könnte die Tests aus Protest ausgeführt haben abspielen. Laufzeit 02:01 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 06.03.2017.

Für Spannungen zwischen China und den USA sorgten bislang vor allem die chinesischen Machtansprüche im Südchinesischen Meer. Könnten sich die Spannungen mit dem Raketenabwehrsystem weiter verstärken?

Es gibt nun tatsächlich einen weiteren Streitpunkt zwischen den beiden Grossmächten China und USA. Beide haben sich dabei schon weit vorgewagt und können nicht einfach so zurückkrebsen, ohne das Gesicht zu verlieren. Sicher ist, dass sich die transpazifischen Beziehungen durch die Installierung des Abwersystems weiter abkühlen werden.

Südkoreaner demonstrieren, über ihre Schultern haben sie Transparente mit der Aufschrift «No THAAD» gehängt.
Legende: Gegen THAAD ist es in Südkorea auch schon zu Massendemonstrationen gekommen. Reuters

Auch in Südkorea selber ist das US-Raketenabwehrsystem umstritten. Wieso?

Laut einer Umfrage ist gut die Hälfte der Südkoreaner für das Abwehrsystem, rund ein Drittel ist dagegen. Die Gegner scheinen der eigenen Regierung nicht recht zu trauen, und sie befürchten, dass die Beziehungen zu China Schaden nehmen könnten. Auch glauben manche, dass tieffliegende Raketen aus Nordkorea durch das US-System gar nicht abgefangen werden könnten.

Das Gespräch führte Brigitte Kramer.

US-Armee beginnt mit Stationierung von Abwehrsystem

Die US-Streitkräfte haben nur einen Tag nach dem neusten Raketentest Nordkoreas mit der Installation des Raketenabwehrsystems THAAD in Südkorea begonnen. Ein von der US-Armee verbreitetes Video zeigte zwei grosse Lastwagen mit Abschussrampen, die aus einem Transportflugzeug geladen wurden. Nordkoreas beschleunigtes Programm von Atomwaffentests und Starts ballistischer Raketen sei eine «Bedrohung des internationalen Friedens und der internationalen Sicherheit» sowie eine Verletzung zahlreicher UNO-Resolutionen, erklärte das US-Pazifikkommando zur Begründung der raschen Stationierung. Es handle sich um ein «strikt defensives System», das lediglich Südkorea vor Angriffen aus dem Norden schützen soll.

US-System THAAD

US-System THAAD

Sogenannte THAAD-Raketen sollen feindliche Kurz- und Mittelstreckenraketen abfangen. Sie tragen keinen Sprengkopf, sondern zerstören die Rakete durch direkten Aufprall. Dies kann in einer Höhe von bis zu 150 km geschehen. Die 6 Meter langen Raketen werden von Lastwagen aus abgefeuert und sind daher sehr mobil.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Pia Müller (PiMu)
    Trump spielt (zu) stark mit anderen Grossmächten. Er hat es ja so nötig für sein miserables Selbstbewusstsein !!! Doch sein Spiel ist sehr gefährlich für die ganze Welt. Wo ist der Geheimdienst, der seinem gefährlichen, neurotischen Spiel ein Ende setzt ???
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    USA gut - China böse, da es sich vom Weltpolizisten Nichts vorschreiben lässt. Auf Augenhöhe zu verhandeln ist sich die USA schon lange nicht mehr gewohnt. Die beleidigte Leberwurst oder das arme Opfer spielen können sie hingegen perfekt.
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  • Kommentar von Michael Soller (msollermueller)
    Ein Journalist hat ein Buch mit dem Titel" Wer Wind sät, wird Sturm ernten" geschrieben. Wenn China Nordkorea die Technologie liefern, wie man Raketen baut und sich auf hoher See unglaublich arrogant verhält, dann dürften diese nicht verwundert sein, wenn andere Länder zu anderen Massnahmen greifen
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    1. Antwort von Dölf Meier (Meier Dölf)
      Trump ist anscheinend nicht zu dumm wie manche glauben.
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    2. Antwort von Christian Szabo (C. Szabo)
      Ähnliches könnte man über die USA und Israel sagen. Ein wesentlicher Teil der Nukleartechnik hat Israel freundlicherweise von der USA. Wer da genau wie uns weshalb geliefert hat ,ist noch unklar. Tippe auf die CIA. Natürlich ist die Bedrohungslage von Israel weit grösser als für Nordkorea, aber an Arroganz fehlt es gewissen Regierungen Israels sicher nicht. Und da liegt auch ein wesentlicher Grund für vielseitige Konflikte ohne Lösung.
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