Donald Trump war einst Krypto-Skeptiker – heute verdient seine Familie daran. Der Finanzexperte Corey Frayer, früherer Berater der US-Börsenaufsicht, erklärt im Interview mit der SRF-Sendung Club, warum es dabei nicht nur um Geschäfte geht, sondern um Korruption.
SRF News: Nutzt Trump sein Amt, um sich privat zu bereichern?
Corey Frayer: Sobald Trump sein Amt angetreten hatte, wurde klar, dass er seine Macht und seinen Einfluss auf Behörden nutzen würde, um Geschäftspartner zu begünstigen – insbesondere im Zusammenhang mit seinen Krypto-Unternehmen. So wurde eine Untersuchung wegen mutmasslichen Wertpapierbetrugs gegen Justin Sun eingestellt.
Die Zahl solcher Begnadigungen und politischer Gefälligkeiten ist unglaublich.
Sun gehörte zu den grössten Käufern von Trumps Meme-Coins – einer spekulativen digitalen Trump-Währung. Auch Changpeng «CZ» Zhao, der frühere Chef von Binance, wurde von Trump begnadigt. Er hatte wegen Verstössen gegen Geldwäscheregeln im Gefängnis gesessen und Geschäfte mit Trumps Firma World Liberty Financial gemacht. Die Zahl solcher Begnadigungen und politischer Gefälligkeiten ist unglaublich.
Trump war früher kein grosser Fan von Krypto. Wieso hat sich das geändert?
Er bezeichnete Bitcoin in seiner ersten Amtszeit sogar als Betrug. Kurz vor der Wahl 2024 stieg Trumps Familie mit Steve Witkoff und dessen Söhnen ins Kryptogeschäft ein und gründete World Liberty Financial. Sobald Trumps Familie an Krypto verdiente, begann sie dafür zu werben.
Gleichzeitig wurde Trumps Politik krypto-freundlicher. Trump sah in Krypto eine Möglichkeit, durch sein Amt Geld zu verdienen und Krypto für Korruption zu nutzen.
Ein Wendepunkt war der Rücktritt von Gary Gensler, dem früheren Chef der Börsenaufsicht. Warum?
Als ich für Gary Gensler arbeitete, gingen wir hart gegen die Kryptobranche vor. Wir wollten, dass sie dieselben Gesetze einhält wie alle anderen. Die Branche reagierte wütend. Dann trat Trump auf einer Kryptokonferenz auf und sagte, er werde Gensler feuern, falls er Präsident werde. Die Krypto-Unterstützer feierten ihn dafür.
Wo sehen Sie bei World Liberty Financial problematische Verbindungen?
Eine der grössten Transaktionen betraf die Vereinigten Arabischen Emirate. Ein hoher Vertreter wollte Anteile an Binance kaufen, dem weltweit grössten Krypto-Unternehmen. Statt direkt Binance-Aktien zu kaufen, kaufte er Trump-Stablecoins im Wert von zwei Milliarden Dollar und kaufte damit Binance-Aktien. Es gibt keinen Grund für diesen Zwischenschritt. Einen Monat später wollte die Trump-Regierung den Emiraten den Kauf von KI-Chips erlauben. Für mich sieht das klar nach einem Gegengeschäft aus.
Sie haben oft Korruption erwähnt. Ab welchem Punkt kann man das beweisen?
Trump hat seinen Einfluss auf die Justiz ausgeweitet und teils versucht, Kontrolle auszuüben. Die letzte Kontrollinstanz wäre der Kongress. Er kann den Präsidenten anklagen und aus dem Amt entheben. Dieser Kongress ist aber voller Trump-Unterstützer und voller Leute, die von dieser Korruption profitieren. So wird es fast unmöglich, diesen letzten Rechenschaftsmechanismus zu nutzen.
Einige im Team erhielten glaubwürdige Morddrohungen.
Sie kritisieren das alles öffentlich. Hat das persönliche Konsequenzen für Sie?
Als ich bei der Börsenaufsicht war, erhielten wir Drohungen aus der Krypto-Industrie. Einige im Team erhielten glaubwürdige Morddrohungen. Die Branche ist aggressiv und konfrontativ. Und dann hat man einen Präsidenten, der öffentlich als rachsüchtig gilt. Das hat viele Menschen vorsichtig gemacht, in der Regierung wie auch im Kongress.
Das Interview führte Barbara Lüthi.