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Venezuela blutet aus Einfach so über die Grenze geht nicht mehr

Venezuelas Nachbarländer sind solidarisch mit den Flüchtlingen. Trotzdem haben sie die Einreisebestimmungen verschärft.

Legende: Audio Die Krise treibt viele Venezolaner in die Flucht abspielen. Laufzeit 04:32 Minuten.
04:32 min, aus SRF 4 News aktuell vom 21.08.2018.

Das ist in Venezuela los: Venezuela steckt seit dem Zerfall des Erdölpreises 2014 in einer Wirtschaftskrise. Es herrscht eine Hyperinflation und es gibt Versorgungsengpässe mit Lebensmitteln. Nach Angaben der UNO hat die Krise bereits mehr als zwei Millionen Menschen in die Flucht getrieben.

Legende:
Massenexodus aus Venezuela Von 2015 bis 2017 hat die Zahl der im Ausland lebenden Venezolaner um über 100 Prozent zugenommen. UNHCR

Reaktion der venezolanischen Regierung: Sie hat neue Geldscheine in Umlauf gebracht. Die Landeswährung, der Bolivar, hat nun fünf Nullen weniger.

Nachbarland Brasilien: In Brasilien wurde kürzlich ein Flüchtlingslager angezündet und die darin lebenden Venezolaner wurden über die Grenze zurückgejagt. Doch es sei vor allem die brasilianische Regierung, die versagt habe, sagt Ulrich Achermann, SRF-Lateinamerikakorrespondent. «Sie hat versprochen, rund 50’000 Menschen, die bereits auf brasilianischer Seite sind, aufs ganze Land zu verteilen, und das hat sie nicht getan.»

Nachbarland Kolumbien: Kolumbien hat bereits mehr als eine Million Flüchtlinge aufgenommen. Auch dort ist die Lage angespannt.

Legende:
Wichtigste Auswanderungsdestinationen In diese Länder reisten die meisten Venezolaner zwischen 2015 und 2017 aus (Schätzungen). International Organization for Migration

Die eigentlichen Ziele der Flüchtlinge: Sie wollen entweder nach Mexiko im Norden oder nach Argentinien und Chile im Süden. Doch es werde für die Menschen immer schwieriger, dorthin zu gelangen, sagt Achermann. «Die Meisten sind in der Hoffnung nach Kolumbien geflohen, dass sie Arbeit fänden und sich so die Weiterreise finanzieren könnten. Doch sie finden kaum Arbeit dort.»

Einreise in andere Länder: Die Venezolaner konnten bis vor kurzem die Grenzen frei passieren, der Zustrom von Menschen wurde nicht begrenzt. Doch jetzt haben Chile, Argentinien, Peru und Ecuador ihre Einreisebestimmungen verschärft. «Man braucht nun einen Pass, um über die Grenze zu gelangen», sagt der Korrespondent. Es sei schwierig, in Venezuela einen Pass zu erhalten. Man müsse gute Beziehungen zur Staatsverwaltung oder zur Regierung haben. Ansonsten würden Schmiergelder fällig.

Junge Männer liegen in der Kälte auf dem Boden, zugedeckt von einer Wolldecke. Sie tragen Handschuhe.
Legende: Venezolaner ohne Pässe warten an der Grenze zu Ecuador auf die Genehmigung zur Einreise. Keystone

Neue Einreisebestimmungen: «Es wurde vorher zu viel improvisiert», so Achermann. Man habe den Leuten quasi signalisiert, kommt, und dann schauen wir zusammen weiter. «Darum haben die Regierungen nun die Bestimmungen verschärft.» Die Nachbarländer hätten erkannt, dass es zu Konflikten mit der eigenen Bevölkerung kommen kann.

Ungebrochene Solidarität: In fast allen Ländern Südamerikas sind rechte Regierungen an der Macht, nur in Venezuela regiert eine linkspopulistische Regierung. «Von politischer Seite her gibt es daher die Bereitschaft trotz der Einreiseverschärfung, Venezolaner aufzunehmen», sagt Achermann.

Legende: Video Venezuelas Rezept gegen Hyperinflation abspielen. Laufzeit 01:57 Minuten.
Aus Tagesschau vom 21.08.2018.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Wieso flüchten die Menschen aus einem solch vorbildlichen Land? (diepresse-SPOeJugend_Herr-und-das-Vorbild-Venezuela)
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  • Kommentar von Oliver Schmid (O. Schmid)
    Was leider in diesem Artikel einfach weggelassen wurde: Es gibt auch viele Kriminelle Venzolaner die über die Grenze "ausgewandert". In Kolumbien wurden in den letzten Monaten mehrmals Venezolaner als Täter bei Überfällen festgenommen. Auch in Brasilien wurde das Flüchtlingslager angezündet, nachdem ein Brasilianer in diesem Dorf von einem Venezolaner angeschossen wurde. Da diese Kriminellen in Venezuela niemand registriert ist es wohl schwierig diese an der Grenze aufzuhalten.
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    1. Antwort von Stefan Huwiler (huwist)
      Menschen werden nicht durch ihre Nationalität kriminell. Genau so wenig wie wegen Geschlecht, Haut- oder Haarfarbe. Die Ursache fast immer eine grundlegende und unverschuldete Perspektiv- und Chancenlosigkeit. Daran muss man arbeiten und nicht dauernd Menschen in so unsinnige Schubladen wie Nationalität stecken. Gilt für Venezuela ebenso wie die Schweiz. Bei Geschlecht und Hautfarbe hat es sich ja zum Glück mittlerweile einigermassen durchgesetzt.
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  • Kommentar von A. Zuckermann (azu)
    Vielleicht sollte die Menschheit nochmals über Kapitalismus und faire Verteilung von Reichtum und Ressourcen nachdenken. Es wäre an der Zeit. Und der Westen, der grosse Wohlstands-Klaueber muss endlich etwas zurückfliessen lassen statt die Milliarden zu horten. Fair teilen ist übrigens ganz einfach: Eine Partei bestimmt den Anteil, die andere wählt aus…
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Sozialistische Vorstellungen wie Sie es da haben, führen eben leider zu Verhältnisse wie sie zB. Maduro in Venezuela herbei geführt hat. - Aber Schuld sind natürlich immer die Anderen....! - Nur glaubt das ja keiner, der bei Verstand ist.
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