«Verängstigte Menschen verstecken sich im Busch»

In Bossangoa, einer Stadt in der Zentralafrikanischen Republik, ist vor allem die sanitäre Situation prekär, sagt Wiebke Kessler. Die Pflegefachfrau arbeitet für Médecins sans frontières und spricht mit SRF über die Herausforderungen für ihr Spital, während in dem Land ein schwerer Konflikt schwelt.

Zwei Kinder in einem Spitalbett in Bossangoa. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Durchfall, Malaria und nun auch Schussverletzungen: Patienten im Spital von Bossangoa. Keystone

SRF: Welches sind für Ihr Krankenhaus derzeit die grössten Herausforderungen?

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Humanitäre Krise droht

In der Zentralafrikanischen Republik hält die Gewalt an. Auch am vergangenen Wochenende kam es zu Massakern und Menschenrechtsverletzungen durch christliche und muslimische Milizen. Seit Ausbruch der Gewaltwelle Anfang dieses Monats wurden über 1000 Menschen getötet. Dem ganzen Land droht eine humanitäre Krise.

Wiebke Kessler: Im Krankenhaus in Bossangoa sind die grössten Probleme, die wir sehen, die Versorgung von Personen der letzten bewaffneten Konflikte. Das ist eine grosse Herausforderung, aber das ist nur «on top» auf andere Probleme. Denn natürlich ist auch die grundlegende Gesundheitslage in der Bevölkerung sehr schlecht. Die generellen Probleme, die wir haben, sind chronische Malaria und schwere Unterernährung – gerade bei Kindern unter fünf Jahren. Und diese werden sich jetzt natürlich durch die verschlechterte Sicherheitslage noch verschärfen.

Seit Anfang Dezember sind in der Zentralafrikanischen Republik über 1000 Menschen getötet worden. Wie erleben Sie die Menschen im Krankenhaus: Sind sie verängstigt?

Generell kann man eine grosse Verängstigung unter der ganzen Bevölkerung feststellen. Das macht sich dadurch bemerkbar, dass sich viele Menschen in sicher erwähnte Orte geflüchtet haben – wie zum Beispiel hier vor Ort. Andere verängstigte Menschen bleiben aber ausserhalb der Zentren im Busch, wo sie sich sicherer fühlen. Das sind die augenscheinlichsten Veränderungen, die wir miterleben.

«  Wir arbeiten daran, genügend Latrinen, Trinkwasser und Duschen zur Verfügung zu stellen.  »

Wiebke Kessler
Pflegefachfrau bei Médecins sans frontières

Bei Ihnen auf dem Krankenhausgelände haben sich etwa 500 bis 600 vertriebene Menschen angesammelt. Wie ist die humanitäre Situation dort: Haben die Menschen zu essen – und wie sieht die sanitäre Situation aus?

Vorwiegend die sanitäre Situation ist prekär. Wir arbeiten daran, genügend Latrinen, Trinkwasser und Duschen zur Verfügung zu stellen. Was die Ernährungssituation angeht: Diese ist ebenfalls sehr eingeschränkt. Viele Menschen, die ihre Felder bewirtschaften, haben das vorübergehend oder ganz eingestellt. Das aus Angst, sich frei zu bewegen und zu ihren Feldern zu gehen. Man findet kleinere Märkte, auf denen Nahrung angeboten wird. Zudem stellen wir eben gerade bei den Kindern schwere Mangelernährung fest. Das ist ein Schwerpunkt.

Die Nothilfeorganisation Médecins sans frontières betreut auch Personen in zwei Flüchtlingslagern in Bossangoa mit gut 30‘000 Menschen. Was sind dort die grössten humanitären Herausforderungen?

Die grössten Herausforderungen sind Mangel an ausreichend sauberem Trinkwasser und Mangel an Latrinen. Hinzu kommen Krankheiten – vorwiegend Durchfallkrankheiten – die wir momentan auch verstärkt beobachten.

Das Gespräch führte SRF-Redaktorin Anna Lemmenmeier.