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International Vier Jahre nach Fukushima: So ist die Lage an der AKW-Ruine heute

Ein gewaltiges Erdbeben, ein zerstörerischer Tsunami – und eine Atomkatastrophe, deren Folgen bis heute nicht absehbar sind: Japan erlebte am 11. März 2011 den Super-GAU. Auch vier Jahre später sind jeden Tag noch etwa 6000 Arbeiter mit dem Aufräumen beschäftigt.

Legende: Video Fukushima: vier Jahre danach abspielen. Laufzeit 1:48 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 11.03.2015.

Auch vier Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima gestalten sich die Arbeiten an den zerstörten Reaktoren schwierig. Das sind die grössten Knackpunkte.

  • Die Brennstäbe in den Reaktoren 1, 2 und 3

Auch nach vier Jahren weiss niemand genau, wo sich die geschmolzenen Brennstäbe in diesen drei Reaktoren befinden. Die noch immer extrem hohe Strahlung verhindert den Zugang. Zwischenzeitlich wurden ferngesteuerte Geräte eingesetzt, um die Lage im Inneren zu erkunden. Vor kurzem haben Wissenschaftler nun mit einem Experiment begonnen: Sie versuchen, mit Hilfe kosmischer Strahlen durch die Reaktoren «hindurchzuschauen» und – ähnlich wie bei Röntgenaufnahmen – dem Brennstoff so auf die Spur zu kommen. Solche sogenannten Myonen werden auch in der Vulkanforschung und bei der Suche nach geheimen Kammern in Pyramiden eingesetzt. Der Atombetreiber Tepco und die Regierung hoffen, 2020 mit der Bergung des Brennstoffs beginnen zu können.

  • Die Abklingbecken
Abklingbecken im Reaktor 4 des AKW Fukushima
Legende: Abklingbecken im Reaktor 4: Lange Zeit galten die dort gelagerten Brennstäbe als grösste Gefahrenquelle. Reuters

Lange Zeit galt ein Abklingbecken im beschädigten Reaktorgebäude 4 als eine der grössten Gefahrenquellen auf dem AKW-Gelände. In dem Becken, in dem die abgebrannten Brennelemente zur Kühlung lagern, befinden sich 1500 Brennstäbe. Diese konnte Tepco aber inzwischen bergen. Doch auch im Reaktor 3 liegen noch 514 abgebrannte und 52 unbenutzte Brennstäbe. Deren Bergung ist wegen der grossen Schäden am Reaktorgebäude schwierig. Es liegen noch viele Trümmerteile in dem Becken, ausserdem ein 35 Tonnen schweres Gerät, das im April herausgeholt werden soll. Die hohe Strahlung erschwert die Arbeiten.

  • Verstrahltes Wasser

Die zerstörten Reaktoren müssen auch heute noch gekühlt werden. Dabei fallen gewaltige Mengen Wasser an. Zusätzlich dringt täglich Grundwasser in die beschädigten Fundamente ein und vermischt sich mit dem verstrahlten Kühlwasser. In 1000 Tanks lagern bereits rund 200'000 Tonnen kontaminiertes Wasser. Mit einem Filtersystem will der Betreiber bis Mai die Menge an radioaktivem Strontium in dem Wasser senken und in einem weiteren Jahr das Wasser dann von sämtlichen radioaktiven Partikeln säubern. Im Sommer 2016 hofft der Betreiber Tepco sagen zu können, dass von dem Wasser «fast kein Risiko» mehr ausgeht.

  • Der geplante Eisring

Als weitere Schutzmassnahme plant Tepco einen unterirdischen Eisring um die Reaktoren 1 bis 4, der das Gelände gegen eindringendes Grundwasser abdichten soll. Kühlflüssigkeit wird dazu durch Rohre im Boden unter den Reaktoren geleitet, bis das Grundwasser gefriert. Der Eisring soll zudem dafür sorgen, dass kein Wasser mehr nach aussen dringt. Die Arbeiten verzögern sich jedoch. Wann mit der Kühlung begonnen wird, steht laut Tepco noch nicht genau fest. Ob sich die aus dem Tiefbau bekannte Methode bewährt, ist noch unklar.

  • Die Arbeiter

Rund 6000 Arbeitskräfte sind im Schnitt tagtäglich unter schwierigsten und gefährlichen Bedingungen in der Atomruine beschäftigt. Ein Teil von ihnen ist beim Betreiber Tepco angestellt, die übrigen wurden über Subunternehmen angeheuert. Wiederholt gab es Berichte über Missstände wie unzureichende Anweisungen oder unterschlagene Lohnzahlungen.

  • Die Lebensmittelsicherheit

Lebensmittel, die in Japan in den Handel kommen, sind nach Angaben der Behörden sicher. Nicht nur in der Region Fukushima werden Lebensmittel regelmässig auf Radioaktivität hin untersucht. Das japanische Gesundheitsministerium veröffentlicht die Daten jede Woche. Werden die Grenzwerte für radioaktive Partikel wie Cäsium überschritten, dürfen die betroffenen Lebensmittel nicht verkauft werden. Die Provinzverwaltung von Fukushima veröffentlicht dabei die Einzelheiten zu Lebensmitteln, die nicht verkauft werden dürfen.

Die Katastrophe in Zahlen

  • 9,0
    ... erreichte das Beben auf der Richterskala.
  • 30 Meter
    ... hoch war der Tsunami mancherorts.
  • 40 Jahre
    ... kann es nach Angaben des Betreibers dauern, bis die Ruine gesichert ist.
  • 11'500 Tonnen
    ... verseuchtes Wasser wurden ins Meer geleitet.
  • 19'000 Menschen
    .... kamen um oder werden noch vermisst.
  • 1 Million Häuser
    ... wurden zerstört oder beschädigt.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Jens-Ingo Lehminger, Schaffhausen
    Und die Formulierung ".. unter schwierigsten und gefährlichen Bedingungen in der Atomruine beschäftigt." lässt durchaus auch fragen, warum "schwierig", nicht aber "gefährlich" gesteigert werden soll/ darf...
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  • Kommentar von Jens-Ingo Lehminger, Schaffhausen
    Die Worte "Kühlflüssigkeit wird dazu durch Rohre im Boden unter den Reaktoren geleitet, bis das Grundwasser gefriert. Der Eisring soll zudem dafür sorgen, dass kein Wasser mehr nach aussen dringt." bringen mich aber noch auf eine andere Idee: Man hat ja offenbar das Umland der Reaktoren in nicht ohne Gesundheitsschäden bewohnbares Gebiet verwandelt; möchte man jetzt auch eine "Wüste"? Grundwasser wird gebunden, das dann seinerseits keinerlei Pflanzen mehr so schnell zur Verfügung stehen wird.
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  • Kommentar von Peter L., Nd. Gösgen
    Sehr geehrte Damen und Herren Ich, bin vor 34 Jahren mit meinem Zwillingsbruder zur Welt gekommen. Bin mit dem Kernkraftwerk Gösgen gross geworden! Habe es jeden Morgen gesehn, wenn ich aufgestanden bin… Ich, selbst arbeite heute im KKG und bin von der Technik und der Sicherheit begeistert. Liebe Leute, bevor ihr alle über die Kernenergie herzieht… besucht ein Kernkraftwerk und lasst euch zeigen was Sicherheit bei solchen Anlagen heisst! Jeder Bürger ist ja in solchen Foren allwissend…?!
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    1. Antwort von C. Eugster, Bern
      Absolut sicher sagen sie. Etwa so sicher wie in Fukushima? Nehmen sie es mir nicht übel aber mir ist das Risiko immer noch zu hoch. Denn hier hat es absolut keinen Platz für Fehler oder Katastrophen. Und Fehler und Katastrophen passieren nun einmal. Ich glaube, wenn mehr Menschen wüssten wie diese Anlagen funktionieren, dann gäbe es sie schon lange nicht mehr... Das sie als Mitarbeiter eines AKW's so argumentieren kann ich nachvollziehen, aber das ändert überhaupt nichts an dem -Restrisiko-
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    2. Antwort von M.Müller, Zürich
      @Peter L, Sicherheit wird in einem Wert Namens Restrisiko beziffert. Das Restrisiko ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Gau ereignen kann. Eine Restrisikozahl größer 0 heißt nichts anderes, als dass mit 100% Sicherheit ein Gau eintreten wird. Der Wert des Restrisikos sagt nichts aus über das wann des Gaues auf der Zeitachse. Es ist ein Spiel mit der Zeit wie im Casino. Radioaktivität sollte kein Spielzeug sein und es gibt kein menschliches Produkt mit 0 Restrisiko.
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