Worum geht es? Ein Segelboot zweier britischer Rentner, das im Ärmelkanal von Grossbritannien nach Frankreich unterwegs war, traf am Dienstag auf ein russisches Kriegsschiff. Das Kriegsschiff gab erst akustische Warnsignale ab und danach Warnschüsse.
Warum war das russische Kriegsschiff dort unterwegs? Wie die britische Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf ungenannte Quellen meldete, soll es sich bei dem Schiff um die Fregatte «Admiral Grigorowitsch» handeln. Das Kriegsschiff soll zu dem Zeitpunkt zwischen der britischen Isle of Wight und der Küste der französischen Normandie unterwegs gewesen sein.
Es soll sich laut der Nachrichtenagentur um ein Begleitschiff der russischen Schattenflotte handeln. Mit Schiffen der sogenannten Schattenflotte versucht Russland, die Sanktionen von westlichen Unterstützern der Ukraine zu umgehen. Nach britischen Angaben sind es mehr als 700 Schiffe, die unter der Flagge verschiedener Staaten fahren und russische Ölexporte transportieren.
Hindert die britische Marine die Öltanker der Schattenflotte an der Durchfahrt? Ja. Erst vor einigen Tagen stoppte die britische Marine einen Öltanker im Ärmelkanal, der der russischen Schattenflotte zugerechnet wird. Experten zufolge soll die Präsenz russischer Kriegsschiffe von einem derartigen Vorgehen abschrecken.
Was sagt Russland zum Vorfall mit der Jacht? Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums habe die Jacht auf mehrere Kontaktversuche nicht reagiert und die Distanz immer weiter verringert. Bei einer Entfernung von 150 Metern habe der Kapitän der Fregatte dann den Befehl zum Eröffnen der Warnschüsse gegeben. «Die Besatzung der Fregatte ‹Admiral Grigorowitsch› hat in strenger Übereinkunft mit den international geltenden Schifffahrtsregeln gehandelt und alles getan, um den Vorfall zu verhindern», betonte das Ministerium in Moskau. Die Besatzung des Kriegsschiffs habe nicht auf das Segelschiff gezielt.
Wie sieht es das Ehepaar, das auf der Segeljacht war? Das britische Rentnerpaar widerspricht der Darstellung Moskaus zum Hergang des Vorfalls. Demnach reagierten die Rentner sofort auf die Warnungen per Schiffshorn, als sie sich dem Kriegsschiff auf etwa 500 Meter genähert hatten. Die Warnungen seien in kurzer Abfolge erfolgt und unmittelbar von Schüssen aus Handfeuerwaffen begleitet gewesen, sagte Skipperin Jane Kelvey der BBC. Die Schüsse seien «vollkommen unnötig» gewesen, so die 68 Jahre alte Rentnerin. Sie fügte hinzu: «Es ist einfach nicht wahr. Sie machen uns verantwortlich, aber in unseren Augen haben wir nichts falsch gemacht.» Die Warnschüsse seien aus einer Kleinwaffe, vermutlich einem Gewehr, abgegeben worden.
Was meint die britische Regierung dazu? Ein Schiff der britischen Marine habe das russische Kriegsschiff aus sicherer Distanz beobachtet, habe die britische Regierung später erläutert, sagt SRF-4-Redaktor Tobias Bühlmann. «Den Zwischenfall mit der Segeljacht will man offenbar nicht überbewerten. Das britische Verteidigungsministerium spricht von einem isolierten ‹Zwischenfall›», so der Redaktor.