Waffenruhe im Südwesten Syriens – «Bis jetzt ist es ruhig»

Aufständische und Regierungstruppen stoppen ihre Kämpfe wenigstens für zwei Tage. Die Waffenruhe gilt für eine Ortschaft, in der Zivilisten eingekesselt sein sollen – bislang hält sie. In Damaskus ist die Situation hingegen unverändert: Es wird gekämpft.

Ein Aufständischer auf einem Panzer in Sabadani Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Aufständischer auf einem Panzer in Sabadani: Der Ort wurde massiv von Assads Luftwaffe und Artillerie beschossen Keystone

In dem schwer umkämpften Ort Sabadani an der Grenze zum Libanon riefen die Aufständischen und Regierungstruppen eine zweitägige Waffenruhe aus. Dort sind nach Einschätzung der Vereinten Nationen vermutlich Zivilisten durch die Kämpfe eingeschlossen. Die Feuerpause soll auch für die von Schiiten bewohnten Dörfer al-Fua und Kefraja in der nord-westlichen Provinz Idlib gelten.

TV-Sender berichtet über Waffenstillstand

Sabadani ist in der Hand der Aufständischen. Luftangriffe der Regierungstruppen hatten dort nach UNO-Angaben viele Menschen getötet und für massive Zerstörung gesorgt. Die Waffenruhe zwischen den Aufständischen, der Armee und der mit ihr verbündeten libanesischen Hisbollah-Miliz habe am frühen Morgen begonnen, berichtete der Fernsehsender al-Manar, der der Hisbollah nahesteht.

Zunächst schien die Feuerpause zu halten. «Bis jetzt ist es ruhig», sagte der Chef der Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdulrahman. Es werde nun weitere Gespräche über die Lieferung von Lebensmitteln nach Kefraja und al-Fua geben, wo Tausende Menschen von den Aufständischen belagert werden.

Syrien - ein Machthaber ohne Land

5:29 min, aus Echo der Zeit vom 11.08.2015

Sabadani liegt etwa 45 Kilometer nordwestlich von Damaskus. Die Rückeroberung des Ortes war Ziel einer wochenlangen Offensive der Regierungstruppen und der Hisbollah. Die beiden Schiiten-Dörfer in Idlib waren von einem sunnitischen Rebellen-Bündnis angegriffen worden, dem sowohl Ahrar al-Scham als auch die mit al-Kaida verbündete Nusra-Front angehören.

In Damaskus toben Kämpfe

Syrische Regierungstruppen und Aufständische haben sich in der Hauptstadt Damaskus unterdessen schwere Kämpfe geliefert. Bei Luftangriffen der Einheiten von Machthaber Baschar al-Assad auf Rebellengebiete in den östlichen Vororten wurden nach Oppositionsangaben mindestens 31 Menschen getötet und weitere 120 verletzt.

Die Rebellen nahmen vor dem Besuch des iranischen Aussenministers das Zentrum der Metropole mit Raketen unter Beschuss. Beim Einschlag Dutzender
Geschosse wurden nach Berichten von Medien und der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte
ein Mensch getötet und mehr als 20 verletzt.

Iranischen Medienberichten zufolge sollte am Mittwoch Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif nach Damaskus reisen, um dort über einen neuen Plan zur Beilegung des Bürgerkrieges zu beraten. Der Iran ist neben Russland der einzig verbliebene Verbündete von Assad in dem mittlerweile seit vier Jahren
andauernden Krieg gegen unterschiedliche Rebellengruppen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Ein Jahr nach der Vertreibung der Jesiden

    Aus Tagesschau vom 12.8.2015

    Vor einem Jahr begann im Irak die Vertreibung der Jesiden durch IS-Schergen. Hunderttausende Vertriebene dieser religiösen Minderheit leben seither in Flüchtlingslagern im Norden des Landes. Eine Reportage.