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Italiens neue Regierung Rüstungsaffäre sorgt für Turbulenzen in Italien

50 Millionen Euro Schmiergeld, 12 Helikopter, 1 Verhaftung: Das sind die Zutaten von Italiens jüngstem Skandal. Er könnte sich auf die Wahlen in zwei Wochen auswirken.

Giuseppe Orsi ist Chef des italienischen Rüstungskonzerns Finmeccanica. Finmeccanica, das ist nicht irgendein Unternehmen. Der Staat hat einen Anteil von 30 Prozent, 70‘000 Menschen arbeiten dort. Mehr Angestellte beschäftigt in Italien nur der Autobauer Fiat.

Chef bei einem solchen Unternehmen: kein schlechter Posten. Doch jetzt sitzt Giuseppe Orsi in Haft. Und die Justiz interessiert sich vor allem für eines brennend – wie Orsi überhaupt Chef von Finmeccanica geworden ist.

Alles begann mit einem Rüstungsgeschäft im Jahr 2010. AgustaWestland – eine Tochter von Finmeccanica - verkaufte in jenem Jahr zwölf Helikopter nach Indien. Der Preis: 550 Millionen Euro. Der Chef von AgustaWestland hiess damals Giuseppe Orsi.

Empfänger: Die Lega Nord

Ein Rüstungsdeal wie viele andere auch? Möglicherweise nicht. Die Ermittler sagen: Finmeccanica zahlte rund 50 Millionen Euro an indische Politiker und Beamte, um den Auftrag überhaupt zu bekommen.

Damit nicht genug. 10 Millionen Euro sollen wieder zurückgeflossen sein – und landeten in den Taschen von zwei Vertrauten Giuseppe Orsis in der Schweiz. Sie wiederum transferierten die 10 Millionen Euro nach Italien. Empfänger der Millionen war eine erzkonservative katholische Organisation – und die Lega Nord.

 Giuseppe Orsi
Legende: Vom Chefbüro in die Gefängniszelle: Giuseppe Orsi muss sich erklären. Keystone

Spätestens an diesem Punkt wird der Rüstungs- zum Politskandal. Denn 2011 wurde Giuseppe Orsi befördert. Seither ist er Herr über das gesamte Unternehmen.

Zufall? Nein, sagt die Staatsanwaltschaft. Bei der Ernennung habe die Lega Nord ihre Finger im Spiel gehabt. Die Partei war damals Bündnispartner des damaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi.

Folgen auch für Berlusconi?

In zwei Wochen wählt Italien ein neues Parlament. Gleichzeitig finden Regionalwahlen statt – die Lega Nord hat sich zum Ziel gesetzt, die Lombardei zu gewinnen. Sie tritt mit dem ehemaligen Innenminister Roberto Maroni an.

Und hier schliesst sich offenbar der Kreis. Maroni ist ein guter Freund von Giuseppe Orsi. Bei der Beförderung Orsis zum Konzernchef soll er seinen Einfluss geltend gemacht haben.

Für die Lega Nord steht viel auf dem Spiel. Beobachter sagen: Ihr drohe die politische Bedeutungslosigkeit, wenn sie die Lombardei nicht gewinne.

Auch Silvio Berlusconi dürfte die Verhaftung von Giuseppe Orsi mit Sorge beobachten. Denn er hat mit der Lega Nord einen Pakt geschlossen. Verliert die Lega Nord, bekommt das der «Cavaliere» zu spüren.

Auch Finmeccanica hat den Schaden. Das Unternehmen ist hoch verschuldet. Einen Teil der Geschäftsfelder wollte der Konzern deshalb verkaufen. Da kommt die Verhaftung des Chefs äusserst ungelegen – vom Imageschaden ganz abgesehen.

1 Kommentar

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  • Kommentar von franz schleiniger, montecatini/italien
    Finmeccanica ist (wie sie schreiben)im Staatsbesitz. Die restlichen 70 sind nur scheinbar in Privathand. De Facto ist die überwiegende Mehrheit staatlich. Das gleiche Bild ergibt sich bei Telecom, bei Enel, usw. Ein Grund, warum in Italien Monopoldenken festgeschrieben ist. Um Finmeccanica sind immer wieder Skandale, Schein-Unterakkord Firmen, Bestechungen. Was die Siena Bank den Linken, wird Finmeccanica offensichtlich der rechten Lega. Der Verhaftungszeitpunkt ist nicht zufällig gewählt!
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