Wahlverschiebung trotz erster Erfolge gegen Boko Haram

Nigeria hat sich im Kampf gegen die Terrormiliz Boko Haram mit den Nachbarländern zusammengeschlossen und erste Erfolge erzielt. Derweil sind die Wahlen aus Sicherheitsgründen verschoben worden. Afrikakorrespondent Wülser vermutet dahinter weniger eine Gefahr für die Menschen als politische Manöver.

Ein Mädchen läuft vor einer Wand mit Wahlplakaten vorbei. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Nigerias Präsident Jonathan Goodluck hat die Wahlen verschieben lassen – angeblich aus Sicherheitsgründen. Keystone

Die nigerianische Regierung hat jüngst eine Offensive gegen die Glaubenskrieger von Boko Haram gestartet. Seit Wochenbeginn seien dabei mehr als 300 Extremisten getötet worden. Die Soldaten hätten Waffen und Ausrüstung erbeutet und zum Teil zerstört, teilte die Armee mit. Ziel der Offensive sei es, elf Städte und Dörfer von Boko Haram zurückzuerobern.

«Wie erfolgreich diese militärische Offensive tatsächlich ist, kann niemand genau sagen», sagt Patrick Wülser, SRF-Afrikakorrespondent. Denn die Meldung stamme von der nigerianischen Armee selber und sei bisher nirgends bestätigt worden. «Allerdings gab es tatsächlich einige Erfolge der Allianz. Auf der anderen Seite gibt es aber auch wieder jeden Tag Anschläge und Selbstmordattentate von Boko Haram. Das hält sich in etwa die Waage», sagt Wülser.

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Patrik Wülser

Porträt Patrik Wüsler.

Patrik Wülser ist Afrikakorrespondent für SRF und lebt mit seiner Familie seit 2011 in Nairobi (Kenia).

Wahlverschiebung als politisches Manöver

Weil aber die Häufigkeit der Anschläge von Boko Haram in den letzten Wochen zugenommen hat, wurden die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen verschoben. Sie hätten eigentlich bereits am 14. Februar stattfinden sollen, sind nun aber auf Ende März verschoben worden.

Offizielle begründet die Regierung den Schritt damit, dass die Armee werde jetzt gebraucht werde, um gegen Boko Haram zu kämpfen. Sie könne die Sicherheit der Wähler nicht gewährleisten.

Wülser vermutet aber eher ein politisches Manöver dahinter. Denn die Sicherheitslage in Nigeria war in letzter Zeit nie gut. «Präsident Jonathan Goodluck erhofft sich wahrscheinlich, politisch profitieren zu können, wenn die Allianz Erfolge einfährt» und die Wahlen dann stattfinden würden, wenn die Wählergunst optimal für ihn sei, sagt Wülser.

Ob politisches Kalkül oder nicht – klar ist, dass Boko Haram angekündigt hat, die Wahlen mit allen Mitteln und Gewalt zu sabotieren. Denn Wahlen sind für Boko Haram ein Symbol für westliche Demokratie. Sie stehen genau für das, was die Terrormiliz bekämpft.

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Kampf gegen Boko Haram

Die Terrormiliz kämpft seit Mitte 2009 für einen islamistischen Staat im Norden Nigerias. Allein im vergangenen Jahr tötete sie rund 10'000 Menschen. Sie hat ihre Angriffe auf die Nachbarländer Kamerun, Niger und Tschad ausgeweitet. Die drei Staaten bereiten zusammen mit Nigeria und Benin eine Spezialtruppe vor, der 8700 Soldaten angehören sollen.

«Zusammenschluss wird eine Wende bringen»

Mittlerweile wütet Boko Haram nicht bloss in Nigeria. Sie verübte Anschläge auf Zivilisten in Tschad, Kamerun und Niger. Dass es deswegen zu einem Flächenbrand in der Region kommt, glaubt Afrika-Kenner Wülser jedoch nicht. Dafür seien diese Armeen stark genug. «Man rechnet damit, dass Boko Haram, etwa 6000 – 7000 aktive Kämpfer hat.» Die könnten zwar viel Zerstörung und Unruhe bringen und auch Terror verbreiten, «aber ich glaube nicht, dass deswegen die Stabilität einer ganzen geostrategischen Region bedroht ist.»

Zudem haben sich diese Länder gegen Boko Haram zusammengeschlossen. «Die Armee in Tschad ist eine Rebellenarmee, gewohnt zu kämpfen und gut ausgerüstet. Ich denke, das wird eine Wende bringen», sagt Wülser. Das sei wahrscheinlich auch der Grund, warum in den letzten Tagen erste Erfolge im Kampf gegen Boko Haram erzielt worden seien.