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International War der Terrorist in Kopenhagen wirklich ein Einzeltäter?

Arabischstämmig, polizeibekannt, von Hass auf Israel getrieben: Nach und nach wird das Bild des 22-Jährigen schärfer, der am Wochenende in Kopenhagen zwei Menschen erschoss. Aber war er ein Einzeltäter? Zwei Festnahmen sprechen dagegen.

Legende: Video Täter hatte Heimweh nach Palästina abspielen. Laufzeit 1:29 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.02.2015.

Nach den Terroranschlägen von Kopenhagen werden mögliche Motive des arabischstämmigen mutmasslichen Attentäters langsam klarer. Die Polizei hat bisher lediglich bestätigt, dass er 22 Jahre alt war, in Dänemark geboren wurde und einige Vorstrafen hatte. Er war der Polizei unter anderem wegen Gewaltdelikten und Verstössen gegen das Waffengesetz bekannt. Weitere Details publizierten dänische Medien.

Islamistisches Motiv?

Der 22-Jährige wollte sich einem Medienbericht zufolge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien anschliessen. Weil er diesen Wunsch während einer Gefängnisstrafe geäussert habe, hätten ihn die Behörden auf eine Liste radikalisierter Häftlinge gesetzt, berichtete die Zeitung «Berlingske». Dass er sich dem IS anschliessen wollte, bestätigten die Behörden jedoch nicht.

Bild einer Überwachungskamera zeigt einen jungen Mann mit Kaputzenpullover
Legende: Der 22-Jährige Mann soll in der Vergangenheit eine Messerattacke in einer S-Bahn verübt haben. Dafür sass er in Haft. Reuters

Die Eltern des Attentäters sind Medienberichten zufolge Palästinenser. Er soll sich mehrfach sehr wütend über Israel geäussert und gesagt haben, dass er Juden hasse. Nach Informationen des dänischen Rundfunks war er erst vor wenigen Wochen aus dem Gefängnis entlassen worden. Im November 2013 hatte er laut «Danmarks Radio» einen Messerangriff in einer S-Bahn verübt.

Der Vater des Täters reagiert bestürzt auf die Tat. «Ich bin genauso schockiert wie der Rest der Welt», sagte er der Zeitung «Jyllands Posten». Er habe erst durch einen Anruf der Polizei von den Anschlägen seines Sohnes erfahren.

Zwei Männer festgenommen

Die Polizei nahm zudem zwei mutmassliche Komplizen fest, die wegen Verdachts der Mithilfe in Untersuchungshaft kamen. Die Männer sollen dem Attentäter «mit Rat und Tat» geholfen haben, wie die Polizei erklärte. Sie wurden bereits am Sonntag festgenommen. Medienberichten zufolge haben die Männer dem Attentäter Waffen besorgt. Die Polizei bestätigte dies nicht.

Der Terrorist hatte am Samstag und in der Nacht zum Sonntag angegriffen. Bei Schüssen auf ein Kulturcafé starb ein dänischer Filmemacher. Vor einer Synagoge im Stadtzentrum tötete der Angreifer einen 37 Jahre alten jüdischen Wachmann. Die Polizei erschoss den Terroristen bei einer versuchten Festnahme, nachdem er das Feuer eröffnet habe. Die bei den Anschlägen verletzten fünf Polizisten sind auf Weg der Besserung.

Gedenkfeier in Kopenhagen

In Kopenhagen haben sich am Montagabend 30'000 Menschen zu einer Gedenkfeier für die beiden Opfer der Terroranschläge versammelt. Die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt sagte: «Wir bestehen auf unsere Freiheit. Wir passen aufeinander auf.»

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Hannes Bernthaler, Köniz
    So traurig wie diese Geschichte auch: wann wird man auch in Europa sagen dürfen dass die international geduldete und seit 60 Jahren immer noch andauernde Vertreibung der Palestinenser aus ihrem Land die eigentliche Ursache aller Probleme - von Al Kaida bis hin zu IS und anderen - ist mit denen sich die Welt heute konfrontiert sieht ?
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    1. Antwort von Ursula Schüpbach, Biel/Bienne
      "...- ist mit denen sich die Welt heute konfrontiert sieht ?" Stimmt. Nur stelle ich mir mitunter auch die Frage: Muss alles auf Israel-Palästina reduziert werden? Bin z.B. 1967 geboren. Und dann reagiere ich mitunter auch quasi narzisstisch u. finde: "Jetzt gebt doch mal Ruhe, Ihr Uralten aus den 1-Boss-Religionen!" (Judentum-Christentum-Islam meine ich damit.). Nun bin ich wirklich keine militante Atheistin oder Agnostikerin, aber mitunter hab ich dieses religiöse Getue einfach nur noch satt.
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    2. Antwort von Björn Christen, Bern
      @Bernthalder - es gibt keine "Vertreibung der Palestinenser aus ihrem Land" und der Judenhass der arabischen Moslems ist genauso alt wie der Islam selbst. Juden werden im Koran explizit als "Affen und Schweine" tituliert, weil sie sich Allah widersetzten und nicht zum Islam konvertieren wollten. Judenfeindliche Hassbilder werden Moslemkindern von klein auf eingetrichert und auch in der Schule gelehrt. Dass sich Israel gegen die islamische Vernichtung erfolgreich wehrt, macht sie noch wütender.
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    3. Antwort von Ursula Schüpbach, Biel/Bienne
      "Dass sich Israel..." Bemerkenswert immer wieder die israelischen Chauvinisten wie Netanjahu, aber er kriegte gerade wieder mal extreme Absagen, was seinen Populismus betrifft. Bald sind ja auch Wahlen in Israel. Also musste er sich schnell in Europa noch schnell etwas profilieren gehen und Attentate und Tote ausnutzen für sein extrem wichtiges Ego.
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  • Kommentar von Ursula Schüpbach, Biel/Bienne
    "War der Terrorist in Kopenhagen wirklich ein Einzeltäter?" Rechtlich gesehen wohl schon, was die tödlichen Schüsse betrifft. Die anderen Dinge, wie Beihilfe, indem andere ihm halfen, Waffen zu besorgen, würden manches zwar erweitern. Nur finde ich, in dem Fall sollte man ganz besonders genau berichten, was die div. rechtlichen Abstufungen sind. Oder welchen Rechtsstaat will man eigentlich in Europa "verteidigen"? Klar, frage mich auch, in welchen Fabriken wurden die Waffen produziert.
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