Amtseinführung in Washington Was machen eigentlich die ehemaligen US-Präsidenten?

Die einen sind weiterhin politisch sehr aktiv, andere ziehen sich fast vollständig aus der Öffentlichkeit zurück. Was tut der mächtigste Mann der Welt, nachdem er aus dem Amt geschieden ist? Journalist und USA-Kenner Martin Kilian gibt einen Überblick.

Die Aktiven

Jimmy Carter und Bill Clinton gehörten nach ihrer Amtszeit zu den aktivsten Ex-Präsidenten. USA-Kenner Martin Kilian sagt über sie:

«Ich glaube, dass Jimmy Carter vor allem von humanitären Motiven geleitet worden ist. Bill Clinton ebenfalls. Bei Carter kam dazu, dass er eine sehr erfolglose Präsidentschaft hatte und sich vielleicht rehabilitieren wollte. Es heisst über ihn, er sei der beste Ex-Präsident aller Zeiten.

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Bildlegende: Jimmy Carter – US-Präsident von 1977 bis 1981 | Carter 2015 mit seiner Frau Rosalynn beim sozialen Wohnungsbau im Memphis. Links: Sängerin Trisha Yearwood. Keystone

Schon während seiner Amtszeit war Carter sehr engagiert im Bereich der Menschenrechte. Das hat er dann mit der Jimmy-Carter-Bibliothek und -Museum in Atlanta weitergeführt. Er hat eine ziemlich erfolgreiche Spur hinterlassen in den Jahren seit Ende seiner Präsidentschaft.

Clinton hat die «Clinton Fondation» gegründet. Trotz aller Kritik, die im Wahlkampf seiner Frau Hillary geübt worden ist, hat er sehr viele guten Sachen bewerkstelligt: zum Beispiel in Afrika, in Lateinamerika oder in Asien.

Sowohl Carter als auch Clinton haben den Einfluss, welche sie als Ex-Präsidenten hatten, sehr gut verwendet.»

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Bildlegende: Bill Clinton – US-Präsident von 1993 bis 2001 | Clinton als UNO-Beauftragter mit Schauspieler Sean Penn im Jahr 2015 in Haiti. Keystone

Die Zurückhaltenden

Die Präsidenten Richard Nixon und George W. Bush waren eher das Gegenteil von Carter und Clinton. Martin Kilian zu den Gründen:

«Richard Nixon musste vom Amt zurücktreten. Er war verhasst. Um ihn herrschte vorerst mal Ruhe. Er war wie ein Aussätziger. Nixon machte dann aber ein bescheidenes Comeback, zum Beispiel mit dem Interview mit David Frost und er schrieb Bücher. Aber letztendlich hat Nixon keinen Einfluss mehr gehabt.

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Bildlegende: Richard Nixon – US-Präsident von 1969 bis 1974 | Nixon am 9. August 1974: Er verabschiedet sich mit Frau und Tochter vom Personal des Weissen Hauses. Reuters

George W. Bush hatte eine sehr problematische Präsidentschaft: der Krieg im Irak oder das Desaster um Hurrikan Katrina in New Orleans. Er zog sich einfach aus dem Rampenlicht zurück. Man hört erstaunlich wenig von ihm. Sogar Nixon stand in seinen letzten Lebensjahren mehr im Rampenlicht als George W. Bush bisher.»

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Bildlegende: George W. Bush – US-Präsident von 2001 bis 2009 | Eher selten: George W. Bush 2016 im Rampenlicht bei einer Wahlkampfveranstaltung für seinen Bruder Jeb. Reuters

Die Abwägenden

Die Ex-Präsidenten Gerald Ford und George Bush senior wählten den Mittelweg – sie waren weder sehr engagiert, noch waren sie als ehemalige Präsidenten nie ganz weg. Martin Kilian zum Mittelweg:

«Gerald Ford war ein Übergangspräsident. Er wirkte nicht für eine sehr lange Zeit im Weissen Haus – ausserdem hat er furchtbar gerne Golf gespielt.

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Bildlegende: Gerald Ford – US-Präsident von 1974 bis 1977 | Ford und seine Frau Betty im Jahr 2000 bei einer Parteiveranstaltung der Republikaner. Keystone

Bei Bush senior war es eher so, dass er aus der Haltung heraus «Noblesse oblige» sich nicht mehr in die Politik einmischen wollte. Aber zum Beispiel zusammen mit Bill Clinton hat er sehr viel Gutes geleistet wie etwa in Haiti. Die beiden sind sogar Freunde geworden durch ihre humanitäre Arbeit. Aber sowohl Ford und als auch Bush senior haben nach dem Ende ihrer Amtszeit keine grossen öffentlichen Auftritte mehr gehabt.»

Angela Merkel, Barbara Bush und George Bush sen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: George Bush senior – US-Präsident von 1989 bis 1993 | Feier zu 20 Jahre Mauerfall in Berlin: Bush senior und seine Frau Barbara (Mitte) 2009 mit Angela Merkel. Keystone

Und welche Art Ex-Präsident wird Barack Obama? Martin Kilian sagt dazu:

«Ich kann mir vorstellen, dass Barack Obama ebenfalls ein sehr aktiver Ex-Präsident sein wird. Und dass ihm Jimmy Carter ein Vorbild sein wird.»

Obama im Oval Office Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Barack Obama – US-Präsident von 2009 bis 2017 | Ab 20. Januar wird Obama nicht mehr Präsident sein. Zu seinen Plänen soll das Schreiben einer Autobiografie gehören. Keystone