Washington beobachtet Verlegung russischer Kampfjets nach Syrien

Russland verstärkt offenbar seine militärische Präsenz in Syrien. Das US-Verteidigungsministerium soll die Stationierung von vier russischen Jagdflugzeugen in der Küstenstadt Latakia beobachtet habe – kurz vor einer gegenseitigen Konsultation zu den jeweiligen Plänen im Syrien-Konflikt.

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«Assad muss gehen»

1:11 min, aus Tagesschau vom 19.9.2015

Russland hat in der syrischen Küstenstadt Latakia vier Jagdflugzeuge vom Typ Sukhoi Su-27 stationiert. Dies berichten US-Medien unter Berufung auf das Pentagon. Beobachter spekulieren, dass Russland die Flugzeuge zur Unterstützung des Regimes des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad verlegt haben könnte. Bisher hatte Moskau lediglich die Präsenz von Beratern und Militärexperten in Syrien eingeräumt.

Erste direkte Gespräche zwischen Moskau und Washington

Die Stationierung der russischen Kampfjets in Syrien wurde laut CNN und dem Wall Street Journal wenige Stunden vor einem Telefonat zwischen US-Verteidigungsminister Ashton Carter und seinem russischen Amtskollegen Sergej Schoigu bemerkt. Bei diesem handelte es sich um die erste direkte Konsultation zum Syrienkonflikt seit mehr als einem Jahr.

Dabei vereinbarten Carter und Schoigu, Massnahmen zur Lösung des Konflikts sowie den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) näher zu erörtern. Das Telefonat habe rund 50 Minuten gedauert, teilte das Pentagon mit.

Schoigus Ministerium in Moskau erklärte laut der Nachrichtenagentur RIA, bei den meisten Themen hätten sich gemeinsame Interessen gezeigt.

Moskau schliesst Bodentruppen nicht aus

Unmittelbar vor dem Telefonat hatte Russland nicht ausgeschlossen, mit Bodentruppen auf der Seite von Präsident Baschar al-Assad in den syrischen Bürgerkrieg einzugreifen, sollte Damaskus darum ersuchen.

Dies hatten die USA bislang kategorisch abgelehnt. Ihr Ziel war der Sturz Assads. Nun scheint sich diesbezüglich ein Sinneswandel abzuzeichnen. US-Aussenminister John Kerry forderte jetzt zwar erneut den Abgang des syrischen Präsidenten – liess aber einen Zeitpunkt dafür offen. «Das muss nicht in einem Tag oder in einem Monat passieren», sagte er seinem britischen Kollegen Philip Hammond in London.

Kerry rief zudem Assads Verbündete Russland und Iran auf, ihren Einfluss auf den syrischen Präsidenten geltend zu machen, um ihn von Verhandlungen über eine politische Lösung des Konflikts zu überzeugen.