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International Wechsel an Taiwans Spitze: Droht jetzt Krise mit China?

Die Opposition hat die Präsidentenwahl gewonnen. Nun droht Ungemach. Denn viele Taiwaner wollen mehr Distanz zu Peking.

Legende: Video «Machtwechsel in Taiwan» abspielen. Laufzeit 1:04 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.01.2016.

Nach acht Jahren der Annäherung an China erlebt Taiwan eine Wende. Die Kandidatin der oppositionellen Fortschrittspartei (DPP), Tsai Ing-wen, gewann die Präsidentenwahl mit deutlichem Vorsprung.

Ihr Gegner Eric Chu von der bisher regierenden Kuomintang gestand seine Niederlage ein, während die Oppositionsführerin in der Auszählung mit mehr als 50 Prozent führte.

Spannungen mit China zu erwarten?

Die 59-jährige Juraprofessorin wird damit die erste Präsidentin der demokratischen Inselrepublik. Die bislang regierende Kuomintang, deren Politik als «china-freundlich» kritisiert worden war, erlitt eine verheerende Niederlage. In seiner Rede kündigte Chu seinen Rücktritt als Vorsitzender der Kuomintang an. Abgeschlagen lag auch der dritte Kandidat James Soong von der kleinen Volkspartei (PFP).

Tsai Ing-wen
Legende: Erste Frau an der Spitze Taiwans: Tsai Ing-wen. Keystone

Der Wahlsieg der Vorsitzenden der Fortschrittspartei, die ihre Wurzeln in der Unabhängigkeitsbewegung hat, könnte Spannungen mit der Führung in Peking auslösen. Die Kommunisten betrachten Taiwan nur als abtrünnige Provinz und drohen mit einer gewaltsamen Rückeroberung.

Anders als ihr Vorgänger Ma Ying-jeou, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten durfte, will die künftige Präsidentin eher auf Distanz zu Peking gehen und die Eigenständigkeit Taiwans betonen. Ihre Fortschrittspartei führte auch bei der Auszählung der Stimmen für das Parlament vor der Kuomintang, die bisher immer die Mehrheit der Sitze inne gehabt hatte. Endgültige Ergebnisse lagen noch nicht vor.

Verjüngte Politik im Land

Der Wahlsieg von Tsai Ing-wen ist ein Votum des Misstrauens gegen Peking. Es ist auch Ergebnis eines Generationenwechsels: Junge Taiwaner haben mit China nichts am Hut.

Legende: Video «Einschätzung von Korrespondent Pascal Nufer» abspielen. Laufzeit 1:14 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.01.2016.

Die Verjüngung von Taiwans Politik hatte grossen Einfluss auf die Wahl. Mit der «Sonnenblumenbewegung» im Jahr 2014 organisierten sich Studenten gegen die intransparente Handelspolitik der Regierung gegen China. Im Laufe der Proteste hatten sie sogar das Parlament besetzt. Aus der Bewegung ist die «Partei der neuen Kraft» (NPP) entstanden, die bei der Wahl ebenfalls grossen Zulauf fand.

«Die Jugend kann sich nicht mit der Kuomintang identifizieren, die aus dem Anfang des vergangenen Jahrhunderts stammt», sagt Freddy Lim, Sänger der berühmten Death-Metal-Band Chthonic. «Sie ist wie ein Dinosaurier und hat keine Vorstellung von der Internet-Ära und kein Verständnis für die heutige Gesellschaft.» Der 39-Jährige ist Mitbegründer NPP und erhielt einen Sitz im Parlament.

10 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Guggisberg (gugmar)
    Natürlich wurde auch die sogenannte "Opposition" in Taiwan von den USA aufgewiegelt. Korea, Vietnam, Japan, Iran, Afghanistan, Irak, Kosovo, Tunesien, Libyen, Ägypten, Ukraine, Syrien und Millionen von amerikanischen Opfern. Gerade eröffnen die USA auf den Philippinen 6 weitere Stützpunkte. Wozu wohl, frage ich Sie und mit welchem Recht? Auch diesen letzten Krieg wird die USA verlieren !
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    1. Antwort von Nikolas Wirz (Libertär)
      Es tut mir leid, aber man kann es mit diesem Anti-USA Unsinn auch übertreiben. In Taiwan hat sich das Volk in demokratischen Wahlen dafür entschieden, sich von China, einer Diktatur welche die Menschenrechte mit Füssen tritt und einen Genozid an der eigen Bevölkerung zu verantworten hat(Falun Gon), zu distanzieren. Die Stützpunkte auf den Philippinen bauen die USA übrigens mit Einwilligung der dortigen Regierung, da auch diese sich vor China fürchtet.
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    2. Antwort von Markus Guggisberg (gugmar)
      @Nikolas Wirz: Ja ich habe noch die Studentenaufstände in Hong Kong vergessen. Die Philippinen sollen Angst vor China haben? Das glauben Sie ja selber nicht und selbstverständlich gehört Taiwan zum Einflussbereich von China und nicht den USA. Von welchen Menschenrechten sprechen Sie. Von den US Drohnen die unschuldige Menschen treffen oder den US Lügen Bin Laden sei "erfolgreich" von Seals überfallen worden? Bin Laden wurde durch die USA in pakistanischer Gefangenschaft hingerichtet !
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Wenn die beiden Chinas sich akzeptieren und die Dinge entspannt laufen lassen, können sie viel Geld und Propaganda einsparen. Und sie werden sich weiter annähern, schliesslich sind Chinesen kluge Leute. Die weitere Annäherung zwischen Taiwan und China ist auch als Gruss an die EU zu verstehen. Dort wird die zunehmende Annäherung der beiden Länder bestimmt für schlechte Laune sorgen. Taiwan und China könnten für die Spratly-Inseln auch ein Joint-venture starten. Was dazu die EU wohl sagen würde?
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  • Kommentar von Stephan Mueller (Shi Mile)
    Schlagzeile:"Droht jetzt Krise mit China?" Leserkommentar:"...sollte sich aus dieser Krise ein Krieg entwickeln?" Und morgen berichtet der Sonntagsblick von der chinesischen Invasion? Hier in Taiwan scheint weniger Aufregung zu herrschen, als in der fernen Schweiz.
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