Wegen Kriegen: 13 Millionen Kinder können nicht zur Schule gehen

Laut einem Unicef-Bericht bleibt im Nahen Osten und in Nordafrika Millionen Kindern der Unterricht verwehrt. Dass die Kinder nicht zur Schule können, hat, je nach Land, verschiedene Gründe. Deren gemeinsamer Nenner sind aber hier wie da bewaffnete Konflikte.

Mehr als 13 Millionen Kinder können nach UN-Angaben wegen der Konflikte im Nahen Osten und in Nordafrika nicht zur Schule gehen. Damit würden sie ihrer Hoffnung und ihrer Zukunft beraubt, heisst es in einem Bericht des Kinderhilfswerkes Unicef.

«  Wir stehen kurz davor, eine gesamte Generation von Kindern im Nahen Osten und in Nordafrika zu verlieren. »

Peter Salama
Unicef-Regionaldirektor

Syrische Schülerinnen im Jahr 2013. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Syrische Schülerinnen im Jahr 2013. Ob sie nach wie vor zum Unterricht können, ist ungewiss. Keystone

Unicef-Regionaldirektor Peter Salama rief zu einem schnellen Handeln auf. Angriffe auf die Schulen seien der Hauptgrund, warum viele Kinder nicht zum Unterricht gehen könnten, heisst es in dem Unicef-Bericht mit dem Titel «Bildung unter Beschuss». Häufig würden die Schulgebäude als Obdach für vertriebene Familien oder als Unterschlupf für Kämpfer genutzt.

Allein in Syrien, im Irak, im Jemen und in Libyen könnten fast 9000 Schulen nicht für den Unterricht genutzt werden. Tausende Lehrer in der Region hätten aus Angst vor den Kämpfen ihre Arbeit aufgegeben. Eltern liessen ihre Kinder aus demselben Grund nicht mehr aus dem Haus.

Auch Libanon, Türkei und Jordanien betroffen

Aber auch Länder wie der Libanon, die Türkei und Jordanien, die zahlreiche syrische Flüchtlinge aufgenommen haben, hätten mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen, sagte Salama. Ihr Bildungssystem sei der großen Menge an Flüchtlingskindern schlicht nicht gewachsen. Der Unicef-Bericht widmet sich auch der Lage im Sudan und in den Palästinensergebieten.

Schüler in Libyen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Sie haben Glück. Die libyschen Knaben lernen Rechnen, statt dass sie als Soldaten erzogen würden. Keystone

Kinder, die nicht zur Schule gingen, seien oft die Geldverdiener für ihre Familien, erklärte Salama. Sie seien der Gefahr der Ausbeutung als billige Arbeitskräfte ebenso ausgeliefert wie der Rekrutierung als Kindersoldaten. Untersuchungen von Unicef zeigten, dass immer mehr und immer jüngere Kinder von bewaffneten Gruppen herangezogen würden. Studenten und Lehrer würden häufig verschleppt, gefangengenommen und getötet.

«Wir müssen rasch handeln», forderte Salama. «Anderenfalls wird der Schaden, den wir alle den Kindern dieser Region zufügen, langfristig und unumkehrbar sein.»