Weitere türkische Panzer rücken nach Syrien vor

Die erste türkische Bodenoffensive in Syrien seit Beginn der Bürgerkriegs ist noch nicht zu Ende. Erst ging es gegen den IS, jetzt gegen die syrischen Kurden. Ankara will deren Einflussgebiet verkleinern.

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Bildlegende: Türkische Panzer haben sich an der Grenze zu Syrien positioniert. Reuters

Im Rahmen der Grossoffensive gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) sind nach türkischen Angaben inzwischen mehr als 20 türkische Panzer in den Norden Syriens vorgerückt.

Mindestens neun weitere Panzer überquerten am Donnerstag die Grenze. Ein hochrangiger Regierungsvertreter in Ankara sagte, zusätzliche Militärfahrzeuge würden entsandt, falls es nötig sei.

Der Einsatz ziele darauf ab, die Miliz aus der Stadt Dscharablus zu vertreiben. Zudem soll verhindert werden, dass das Gebiet in die Hände kurdischer Rebellen fällt.

Es gehe darum, die Kurdenmiliz YPG über den Euphrat zurückzudrängen, sagte Ministerpräsident Binali Yildirim in einem Fernsehinterview. «Bis das verwirklicht ist, werden unsere Operationen weitergehen.» Ankara will verhindern, dass die Kurden in Syrien ihr Herrschaftsgebiet weiter vergrössern und dort noch mehr Autonomie bekommen.

Rückzug der Kurden-Miliz

Die syrischen Kurden begannen nach unterschiedlichen Angaben mit einem Rückzug auf das Gebiet östlich des Euphrats. Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete, US-Aussenminister John Kerry habe seinem türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu in einem Telefongespräch versichert, die Verlegung sei im Gange.

Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, Teile der von den Kurden geführten Demokratischen Kräfte Syriens hätten sich östlich des Flusses zurückgezogen. Ein Sprecher der Kurden-Miliz YPG erklärte jedoch nach Angaben der kurdischen Nachrichtenagentur Firat, es gebe keine Pläne zum Rückzug.

Selbstverwaltetes Gebiet

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Oppositionelle Kämpfer

Am türkischen Militäreinsatz sind offenbar auch rund 3000 Kämpfer der syrischen Opposition beteiligt. Die Regimegegner gehören unterschiedlichen Gruppierungen an. Das Ziel der Rebellen sei es, den IS «aus der Gegend zu verdrängen» und ein zusammenhängendes Gebiet der Kurdenmiliz YPG zu verhindern.

Die YPG ist in Syrien im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) der wichtigste Partner der US-geführten internationalen Koalition. Die Kurden haben vom IS im Norden Syriens mit Luftunterstützung der Koalition grosse Gebiete erobert und dort eine Selbstverwaltung ausgerufen.

Zuletzt nahmen die Demokratischen Kräfte Syriens vom IS die Stadt Manbidsch ein, die westlich des Euphrats liegt. Zudem kontrollieren die Kurden den grössten Teil der Grenze zur Türkei.

Die YPG ist eng mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden, die von der Türkei als Terrororganisationen angesehen wird. Ankara will unter allen Umständen verhindern, dass an der türkischen Südgrenze ein zusammenhängendes Herrschaftsgebiet der Kurden entsteht.

«Unsere Abmachung mit den USA lautet, dass sich die Kurden aus Manbidsch und der Region auf die Ostseite des Euphrats zurückziehen müssen», sagte Regierungschef Yildirim. «Das ist die Garantie, die uns die USA gegeben haben.» US-Vizepräsident Joe Biden hatte die syrischen Kurden am Mittwoch bei einem Besuch in Ankara aufgefordert, sich östlich des Euphrats zurückzuziehen.