Lawine in Mittelitalien Weitere Überlebende aus Hotel geborgen

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Bergungsaktion in den Abruzzen

2:50 min, aus 10vor10 vom 20.1.2017

Das Wichtigste in Kürze

  • In den italienischen Abruzzen wurden weitere drei Überlebende aus einem Hotel geborgen, das von einer riesigen Lawine verschüttert worden war.
  • Noch etwa 20 Personen werden vermisst.
  • Laut italienischen Medien wurden bisher zwei Todesopfer geborgen.
  • Die Schneemassen haben das Hotel «Rigopiano» verschüttet, in dem sich zur Unglückszeit 24 Gäste und elf Angestellte befanden.
  • Experten-Kommission spricht von einer Serie von Beben, die noch nicht beendet sein muss.

Aus dem von einer Lawine verschüttetem Hotel im italienischen Erdbebengebiet sind drei weitere Menschen gerettet worden.

Sie seien von Feuerwehrleuten aus dem Schutt geholt worden, meldete die Nachrichtenagentur Ansa am frühen Samstagmorgen. Die nun Geretteten zählten zu den insgesamt fünf Überlebenden, die am Vorabend zwar geortet, aber noch nicht befreit hätten werden können.

Noch etwa 20 Vermisste

Die Retter arbeiteten weiter unermüdlich daran, die beiden anderen Personen auch noch in Sicherheit zu bringen sowie die übrigen 20 Vermissten aufzuspüren. Am Freitagabend waren bereits vier Kinder und eine Frau ins Freie gebracht worden, die mehr als 40 Stunden in dem zerstörten Gebäude unter Schneemassen ausgeharrt hatten. Insgesamt haben mindestens zwölf Menschen das Unglück vom Mittwoch überlebt.

Die Lawine war am Tag einer schweren Erdbebenserie abgegangen, die die Region im Schneechaos traf. Zwei Leichen wurden aus dem Hotel Rigopiano in der Berggemeinde Farindola geborgen.

Dank der Gesundheitsministerin

Die italienische Gesundheitsministerin, Beatrice Lorenzin, dankte den «heldenhaften Rettern», die pausenlos am Unglücksort im Einsatz seien.

Die Rettungsarbeiten gingen weiter, sagte ein Feuerwehrsprecher. Mehrere weitere Überlebende werden unter den Schneemassen vermutet. Zunächst hatte von Dutzenden Gästen und Mitarbeitern noch jedes Lebenszeichen gefehlt.

Eine gewaltige Lawine hatte am Mittwoch das Vier-Sterne-Hotel «Rigopiano» nach einer schweren Erdbebenserie unter sich begraben. Die Wucht der Schneemassen riss einige Teile des Gebäudes mit.

Eine Schweizerin vermisst?

Nach Angaben des Hoteldirektors waren bis zu 35 Menschen in dem Gebäude auf 1200 Metern Höhe.

Nach dem Unglück meldeten italienische Medien, unter den Gästen im verschütteten Hotel befinde sich auch eine Schweizerin. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) teilte auf Anfrage aber mit, gemäss seinen Abklärungen handle es sich bei der in den Berichten erwähnten Person nicht um eine Schweizerin.

Schwieriger Einsatz

Die Bergungsarbeiten sind ausgesprochen schwierig: Rettungskräfte konnten am Donnerstag nach stundenlangem Kampf mit den Schneemassen auf Skis zwar bis zum Hotel vordringen, fanden aber nur noch die Trümmer des einst vierstöckigen Gebäudes vor.

Die Feuerwehr ihrerseits war mit einem Helikopter und einem Kettenfahrzeug zum Hotel gelangt. Im gesamten Erdbebengebiet stehen tausende Helfer im Einsatz – alleine rund 135 Mann beim Hotel. Die Arbeit der Retter wird durch die anhaltende Lawinengefahr erschwert. In der Gegend hat es in den letzten Tagen so viel geschneit wie seit 50 Jahren nicht mehr.

Bilder aus dem Inneren des Hotels zeigen, dass die Lawine das Gebäude wie eine Mauer umschliesst; sie ist auch in das Hotel mit 45 Zimmern eingedrungen.

Vieles deutet daraufhin, dass die Katastrophe im Hotel am Ende einer fatalen Verkettung von Umständen steht. Weil die Strassen blockiert gewesen seien, verspätete sich die Ankunft eines Schneepflugs. Gäste, die abreisen wollten, blieben darum im Hotel, sagte ein Angehöriger.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die zuständige Staatsanwaltschaft hat derweil Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung aufgenommen. Gegen wen sich die Untersuchung richtet, ist unklar.

Die Gemeinde Faindola liegt gut zwei Fahrstunden von Amatrice entfernt. Dort kamen bei einem Erdbeben im August 2016 fast 300 Menschen ums Leben. Auch im Oktober bebte dort die Erde mehrmals.

Eine Serie von Beben, die noch nicht beendet sein muss

Das verheerende Beben vom 24. August 2016, bei dem um die Stadt Amatrice rund 300 Menschen ums Leben kamen, die Erdstösse vom 26. und 30. Oktober sowie die Beben vom Mittwoch hängen alle zusammen: Eine italienische Experten-Kommission ordnet sie einer einzigen seismischen Sequenz zu, wie der Zivilschutz mitteilte.

Die Sequenz könnte weitergehen. «Bis heute gibt es keine Hinweise darauf, dass sich die seismische Sequenz erschöpft hat», hiess es. Doch wann, mit welcher Stärke und ob tatsächlich weitere Beben kommen, vermag niemand zu sagen.

Ob die Lawine am Mittwoch von den vier Erdstössen, die alle eine Stärke von mehr als 5 hatten, ausgelöst wurde, war weiter unklar. Wegen des vielen Schnees sind Tausende Haushalte seit Tagen ohne Strom, einige Orte sind von der Aussenwelt abgeschnitten. Allein am Freitag brachten Einsatzkräfte 120 Menschen in Sicherheit, wie die Feuerwehr auf Twitter mitteilte.

Bildlegende:Der Unglücksort in den Abruzzen srf

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