Zum Inhalt springen

International Wer kann, der verlässt Venezuela

Die Wirtschaftslage Venezuelas ist katastrophal. Den Menschen fehlt es am Nötigsten, Perspektiven haben sie kaum. Deshalb suchen immer mehr Venezolaner ihr Glück im Ausland. Iadranska Sulentic zum Beispiel hat in Chile ein neues Leben gefunden.

Legende: Video Venezuela im Krisensumpf abspielen. Laufzeit 1:41 Minuten.
Aus Tagesschau vom 18.05.2016.

Iadranska Sulentic ist Venezolanerin durch und durch, trotz ihres kroatischen Vor- und Nachnamens. Sie redet spontan, hat viel zu erzählen. Vielleicht liege das Kommen und Gehen ja in ihrer Familie, sagt die kleingewachsene Marketing-Frau, die fünf Sprachen spricht.

In den 1950er Jahren sei Venezuela dank des Erdöls so etwas wie das gelobte Land gewesen. Ihr Grossvater sei damals aus Kroatien eingewandert und Venezolaner geworden. Und sie habe beschlossen, ein inzwischen dramatisch verarmtes Land zu verlassen. Hier schliesse sich ein Kreis.

Venezuela bietet Jungen kaum Perspektiven

Iadranska ist enttäuscht, dass Venezuela vielen Jungen kaum mehr Perspektiven bietet, sich beruflich zu entfalten. Die Wirtschaft liegt am Boden, die hohe Kriminalität macht Caracas zur gefährlichsten Hauptstadt der Welt. Wer kann, der geht.

Letztes Jahr lebten 2000 Venezolaner in Chile, dieses Jahr schon siebentausend, sagt Iadranska. Fast alle Länder Lateinamerikas verzeichnen eine starke Zuwanderung von Venezolanern. Begehrt sind auch die Vereinigten Staaten. Doch im Gegensatz zu den USA sind die Einwanderungsgesetze in Lateinamerika sehr liberal.

Endlich wieder Pläne schmieden

Zu Hause in Maracaibo lebten die junge Frau und ihr Bruder bei den Eltern. Die Geschwister konnten sich trotz guter Ausbildung kein eigenständiges Leben leisten. Besonders schwer zu ertragen sei der Mangel an lebensnotwendigen Produkten, erklärt Iadranska: Zahncreme, Seife und Toilettenpapier gebe es meist nur auf dem Schwarzmarkt zu kaufen, zu vielfach übersetzten Preisen. Windeln und viele Lebensmitteln seien nur gelegentlich verfügbar.

In Chile fühle sie sich wohl und wolle nicht mehr weg, betont Iadranska. Ihre Arbeit bei einem internationalen Konzern mache Spass, und sie verdiene gut. Iadranska beginnt wieder, Pläne zu schmieden: Heiraten und Kinder kriegen, zum Beispiel. Wünsche, die sie im chaotischen Venezuela unterdrückte.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Um die Kontrolle über das globale Ölgeschäft zu erlangen, nutzen die USA alle ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Für unkooperative Staaten kann das einschneidende Folgen haben. Aktuell sind Nigeria, Venezuela und Brasilien vom inneren Chaos bedroht. Bei näherer Betrachtung zeigt sich: die Ursache sind nur zT innenpolitischer Natur. Oft zeigt sich ein Muster: Die Staaten haben versucht, eigene Wege zu gehen oder mit Partnern zu kooperieren, die Mitbewerber der USA auf dem Ölmarkt sind.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Pavol Vojtyla (freedomainradio.com)
    Beraten Sie mir bitte. Wohin aus Europa?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Urs Graf (U.Graf)
    Der Sozialismus schafft es, jedes Land in den Boden zu wirtschaften. Da helfen selbst eigene Ölquellen nicht..
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Margot Helmers (Margot Helmers)
      Genau dieses Links / Rechts Denken hilft dem kalten Neoliberlismus! Sich tiefer zu informieren erfodert Zeit und Aufwand, dazu sind die meisten zu bequem. Gerade wurde über Venezuela, Brasilien und Nigeria berichtet: http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/05/16/neue-kriege-usa-streben-globale-kontrolle-ueber-oel-industrie-an/ Wo Unruhen, Aufstände sind ist i.d.R. die USA nicht weit entfernt.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Bruno Vogt (b.vogt)
      Frau Helmers, mag sein das die USA mehr Kontrolle wollen. (Ich wage zu behaupten gerade in Lateinamerika hatten sie diese gar nie verloren). Jedoch zu behaupten die aktuelle Misere sei nicht auf 18 Jahre karibischen Neokommunismus zurückzuführen ist ziemlich naiv. Wer die eigene Industrie verstaatlicht und dann nichts mehr produziert und nur vom Ölexport abhängt wird zwangsweise Probleme erhalten. Die USA können jetzt warten und zusehen wie Venezuela dank Maduro und Chavez im Chaos versinken.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      @Vogt. Lesen Sie die Geschichte zur "Operation Ajax". Sie können heute nachlesen, dass MI6 und CIA ab 1950 im Iran Unruhen geschürt hatten, die 1953 zum Sturz Mossadeghs führten. Auch Beschlussfasser und Financiers sind bekannt. Für mich liegt es auf der Hand, dass dieselben Mächte, die damals Erfolg hatten es heute in anderen Ländern, wie in den von M.Helmers genannten, wieder durchführen könnten. Es ist zwar heute (noch) nichts bewiesen - aber das "Täterprofil" deutet auf dieselben Täter hin..
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von James Klausner (Harder11)
      @m.mitulla: Es gibt direkte Beispiele für Interventionen der USA in Venezuela in unmittelbarer Vergangenheit. Wikileaks hatte da einiges zu bieten. Insbesondere die G.W.Bush-Administration hatte im ersten Jahrzehnt des 21. Jarhunderts einige schmutzige Dinger am Laufen. Andererseits sollte man auch die "Governing-by-Chaos-Methoden" von Hugo Chavez bei der Gesamtbetrachtung nicht aus den Augen verlieren.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen