In Werbevideos zeigt sich Thailand von seinen schönsten Seiten: weite Reisfelder, grüne Dschungellandschaften, goldene buddhistische Tempel und in den Nachthimmel steigende Himmelslaternen. Die Tourismusbehörden haben ein neues Konzept lanciert: «Blooming and Bright Amazing Thailand». Die Zielgruppe sind unter anderem hitzegeplagte Europäerinnen und Europäer.
Nithee Seeprae, stellvertretender Marketingdirektor der thailändischen Tourismusbehörde TAT, erklärt schriftlich: «Da immer mehr Teile Europas von intensiveren Hitzewellen heimgesucht werden, sehen wir darin eine Gelegenheit, eine andere Seite Thailands zu präsentieren.»
Die aktuelle Regenzeit, die sonst als Nebensaison gilt, wird von den Tourismusbehörden lieber als «grüne Jahreszeit» bezeichnet. Europäer kühlen sich ab, und die lokale Tourismusindustrie profitiert. Eine Win-win-Situation?
Kritik von Nachhaltigkeitsexpertin
Nicht alle sind von dieser Idee begeistert. Kannapa Pongponrat Chieochan, Tourismus- und Nachhaltigkeitsexpertin an der Thammasat-Universität in Bangkok, äussert sich skeptisch. «Die Hitzewelle ist für die Gesundheit aller Menschen ein grosses Problem, nicht nur für Europäer.» Kannapa findet, die Branche sollte solche gesundheitsschädlichen Themen nicht dazu nutzen, für den Tourismus zu werben.
Zudem stellt sich die Frage, wie kühl es in Thailand wirklich ist. Auch während der Regenzeit klettern die Temperaturen tagsüber meist über dreissig Grad, bei hoher Luftfeuchtigkeit. Die versprochene Abkühlung findet hauptsächlich in klimatisierten Innenräumen statt – in Hotels, Restaurants und Einkaufszentren. Dies steht im Widerspruch zu den eigenen Nachhaltigkeitsbemühungen des Landes.
Statt sonniger Strandurlaube erleben wir sintflutartige Regenfälle und Stürme.
«Tatsächlich gibt es in Thailand ein Programm namens ‹Low Carbon Destination›, mit dem wir versuchen, den Einsatz von Klimaanlagen zu reduzieren», erklärt Kannapa. Im tropischen Klima bleibe die Klimaanlage jedoch eine oft genutzte Option.
Ferien vom Klimawandel betroffen
Ausserdem ist Thailand selbst massiv von den Folgen des Klimawandels betroffen. «Wir spüren die Auswirkungen bereits», bestätigt Kannapa. «Statt sonniger Strandurlaube erleben wir sintflutartige Regenfälle und Stürme.» Diese Extreme beeinträchtigen auch den Tourismus direkt. Ein weiteres grosses Problem ist die Korallenbleiche. «Aufgrund steigender Wassertemperaturen sterben Korallen ab – was sich wiederum auch auf die Taucherinnen und Taucher auswirkt.»
Auf die Frage, wie erfolgreich die Kampagne bisher sei, antwortet die Tourismusbehörde, man habe noch keine konkreten Zahlen. Expertin Kannapa glaubt ohnehin nicht an einen langfristigen Erfolg und vermutet, dass die Kampagne bald von einer neuen abgelöst wird. Ihrer Meinung nach sollte die Branche vor allem mit positiven Argumenten für Thailand werben. Ferien seien schliesslich etwas Schönes und keine Flucht vor der Hitze.