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Werbekampagne Thailand wirbt um hitzegeplagte Europäer

Thailand will hitzegeplagte Europäer anlocken. Doch die Strategie wirft Fragen auf.

In Werbevideos zeigt sich Thailand von seinen schönsten Seiten: weite Reisfelder, grüne Dschungellandschaften, goldene buddhistische Tempel und in den Nachthimmel steigende Himmelslaternen. Die Tourismusbehörden haben ein neues Konzept lanciert: «Blooming and Bright Amazing Thailand». Die Zielgruppe sind unter anderem hitzegeplagte Europäerinnen und Europäer.

Häuser auf Stelzen am Flussufer mit bewaldetem Hügel im Hintergrund.
Legende: Die Insel Koh Phitak liegt an der Ostküste des Golfs von Thailand in der Provinz Chumphon. REUTERS/Chalinee Thirasupa

Nithee Seeprae, stellvertretender Marketingdirektor der thailändischen Tourismusbehörde TAT, erklärt schriftlich: «Da immer mehr Teile Europas von intensiveren Hitzewellen heimgesucht werden, sehen wir darin eine Gelegenheit, eine andere Seite Thailands zu präsentieren.»

Die Bedeutung des Tourismus für Thailand

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Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Thailands. Vor der Covid-19-Pandemie trug der Sektor direkt und indirekt fast 20 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei und sicherte Millionen von Arbeitsplätzen. Der pandemiebedingte Einbruch traf die thailändische Wirtschaft hart. Seither versucht die Regierung mit verschiedenen Kampagnen, die Besucherzahlen wieder anzukurbeln und neue Touristenmärkte zu erschliessen, um die wirtschaftliche Erholung des Landes voranzutreiben.

Die aktuelle Regenzeit, die sonst als Nebensaison gilt, wird von den Tourismusbehörden lieber als «grüne Jahreszeit» bezeichnet. Europäer kühlen sich ab, und die lokale Tourismusindustrie profitiert. Eine Win-win-Situation?

Kritik von Nachhaltigkeitsexpertin

Nicht alle sind von dieser Idee begeistert. Kannapa Pongponrat Chieochan, Tourismus- und Nachhaltigkeitsexpertin an der Thammasat-Universität in Bangkok, äussert sich skeptisch. «Die Hitzewelle ist für die Gesundheit aller Menschen ein grosses Problem, nicht nur für Europäer.» Kannapa findet, die Branche sollte solche gesundheitsschädlichen Themen nicht dazu nutzen, für den Tourismus zu werben.

Person in schwarzem Hemd steht lächelnd in einem Büro.
Legende: Tourismus- und Nachhaltigkeitsexpertin Kannapa Pongponrat Chieochan von der Thammasat Universität in Bangkok ist skeptisch, ob das Konzept aufgeht. SRF

Zudem stellt sich die Frage, wie kühl es in Thailand wirklich ist. Auch während der Regenzeit klettern die Temperaturen tagsüber meist über dreissig Grad, bei hoher Luftfeuchtigkeit. Die versprochene Abkühlung findet hauptsächlich in klimatisierten Innenräumen statt – in Hotels, Restaurants und Einkaufszentren. Dies steht im Widerspruch zu den eigenen Nachhaltigkeitsbemühungen des Landes.

Statt sonniger Strandurlaube erleben wir sintflutartige Regenfälle und Stürme.
Autor: Kannapa Pongponrat Chieochan Tourismus- und Nachhaltigkeitsexpertin, Thammasat-Universität

«Tatsächlich gibt es in Thailand ein Programm namens ‹Low Carbon Destination›, mit dem wir versuchen, den Einsatz von Klimaanlagen zu reduzieren», erklärt Kannapa. Im tropischen Klima bleibe die Klimaanlage jedoch eine oft genutzte Option.

Ferien vom Klimawandel betroffen

Ausserdem ist Thailand selbst massiv von den Folgen des Klimawandels betroffen. «Wir spüren die Auswirkungen bereits», bestätigt Kannapa. «Statt sonniger Strandurlaube erleben wir sintflutartige Regenfälle und Stürme.» Diese Extreme beeinträchtigen auch den Tourismus direkt. Ein weiteres grosses Problem ist die Korallenbleiche. «Aufgrund steigender Wassertemperaturen sterben Korallen ab – was sich wiederum auch auf die Taucherinnen und Taucher auswirkt.»

Auf die Frage, wie erfolgreich die Kampagne bisher sei, antwortet die Tourismusbehörde, man habe noch keine konkreten Zahlen. Expertin Kannapa glaubt ohnehin nicht an einen langfristigen Erfolg und vermutet, dass die Kampagne bald von einer neuen abgelöst wird. Ihrer Meinung nach sollte die Branche vor allem mit positiven Argumenten für Thailand werben. Ferien seien schliesslich etwas Schönes und keine Flucht vor der Hitze.

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Rendez-vous, 27.07.2026, 14 Uhr;weds

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