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Weniger sollen mehr ausgeben Thailands schwieriger Weg zu «besseren» Touristen

Thailand will weg vom billigen Massentourismus. Die neue Strategie zielt auf Reisende mit höherem Budget. Doch die Branche kämpft mit gestiegenen Preisen und Annullierungen.

Auf einem belebten Markt in Bangkok bahnt sich Saiyuud Diwong ihren Weg durch die Stände. Die Köchin, bekannt unter ihrem Spitznamen «Poo», zeigt auf die Auslagen: Wasserkäfer, kleine Frösche und lebende Kröten, die sich in einem grossen Sack bewegen. Am Boden winden sich Aale in Plastikbehältern.

Von den wenigen, die gebucht hatten, sagten viele ab – weil sie dann doch nicht nach Thailand kamen.
Autor: Saiyuud Diwong «Poo» Köchin in Bangkok, führt Kochkurse für Touristen durch

Seit über 15 Jahren führt sie unter dem Namen «Cooking with Poo» eine erfolgreiche Kochschule für ausländische Gäste. Der Marktbesuch ist Teil des Kurses. Ihr Kochbuch wurde zum Bestseller, sie war sogar Gast beim britischen Starkoch Jamie Oliver. Doch die goldenen Zeiten scheinen vorerst vorbei zu sein.

Kurzfristige Absagen

Heute läuft es nicht gut. Die einzigen zwei Gäste, die gebucht hatten, sagten kurzfristig ab. «Es gab in der Nebensaison noch weniger Buchungen als in den Vorjahren», erklärt Poo. «Und von den wenigen, die gebucht hatten, sagten viele ab und baten um eine Rückerstattung, weil sie dann doch nicht nach Thailand kamen.»

Frau in Geschäft mit Lebensmitteln und Getränken, trägt bedrucktes T-Shirt.
Legende: Saiyuud Diwong «Poo» auf dem Markt, wo sie die Zutaten für den Kochkurs einkauft. srf/Martin Aldrovandi

Sie vermutet, dass der Irankrieg und die damit verbundenen gestiegenen Preise viele abschrecken. Die nächste Buchung ist erst kommende Woche, drei Personen haben reserviert. Poo hofft, dass sie nicht wieder annullieren.

Touristen sollen mehr Geld ausgeben

Diese Situation steht im Kontrast zur neuen offiziellen Strategie der thailändischen Tourismusbehörde. Man will weg vom Massentourismus und hin zu mehr Qualität und Nachhaltigkeit. Das Ziel sind verantwortungsbewusste Reisende, die sich für die lokale Kultur interessieren – genau wie die Gäste in Poos Kochkurs – und pro Kopf mehr Geld ausgeben.

Bhummikitti Ruktaengam, Vizepräsident des Branchenverbandes Thailand Tourism Council, unterstützt diesen Kurs: «Das wird der Wirtschaft zugutekommen. Es kommen zwar weniger Menschen, aber diese leisten einen grösseren Beitrag. Die Infrastruktur wird weniger beansprucht, während das Wachstum dennoch anhält.»

Qualität statt Quantität

Für Aufsehen sorgte kürzlich der Entscheid, die visafreie Einreise für Touristen aus mehreren Ländern, darunter auch aus der Schweiz, von 60 auf 30 Tage zu verkürzen. Bhummikitti sieht darin keinen Widerspruch zur neuen Strategie. «Touristen bleiben in der Regel nicht länger als 30 Tage», argumentiert er. Wer länger im Land sei, sei häufig kein Tourist mehr. Zuletzt gab es vermehrt Razzien gegen Ausländer, die illegal in Thailand arbeiteten.

Menschen feiern nachts mit Wasserpistolen auf einer belebten Strasse.
Legende: Thailand möchte in Zukunft tendenziell eher weniger als mehr Touristen im Land. Jene aber, die kommen, sollen pro Kopf mehr Geld ausgeben. Reuters/Soe Zeya Tun

Ob die neue Strategie langfristig aufgeht, bleibt abzuwarten. Bhummikitti gibt sich diplomatisch: «Ich kann nicht vorhersagen, ob es mehr oder weniger Reisende geben wird. Das hängt nicht allein von Thailand ab, sondern auch von der weltweiten Lage.»

Es kommen zwar weniger Menschen, aber diese leisten einen grösseren Beitrag – und die Infrastruktur wird weniger beansprucht.
Autor: Bhummikitti Ruktaengam Vizepräsident des Branchenverbandes Thailand Tourism Council

In ihrer kleinen Küche zeigt Köchin Poo derweil, wie sie sich auf die Wünsche der Touristen einstellt. Sie zerkleinert Zutaten für eine Pomelo-Salat-Paste und erklärt, warum sie keine Erdnüsse verwendet – wegen möglicher Allergien bei westlichen Gästen.

Während es in der Pfanne zischt, bleibt die Hoffnung, dass bald wieder mehr Gäste den Weg in ihre Küche finden, um ein authentisches Stück Thailand zu erleben.

Echo der Zeit, 28.5.2026, 18 Uhr;liea

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