Zum Inhalt springen

International Weshalb streiten sich China und Japan um ein paar Felseninseln?

Gefährliche Besitzansprüche um eine Handvoll unbewohnter Inseln im Ostchinesischen Meer. China wirft Japan vor, die Inseln gestohlen zu haben. Der Streit dauert bereits mehrere Hundert Jahre an. Dass er ausgerechnet jetzt wieder aufflackert, hat einen bestimmten Grund.

Die Inseln liegen 200 Kilometer nordöstlich von Taiwan.
Legende: Die Inseln liegen 200 Kilometer nordöstlich von Taiwan. SRF

Die Inseln liegen von China und Japan praktisch gleich weit entfernt – die Japaner nennen die Inselgruppe Senkaku, in China heisst sie Diaoyu. Geographisch liegen sie am nächsten bei Taiwan.

Inselstreit nimmt in China militärpolitische Rolle ein

Weshalb der Inselstreit, der schon seit Jahrhunderten andauert, ausgerechnet jetzt wieder aufkeimt, hat laut einem japanischen Wirtschaftshistoriker, der sich «Professor X» nennt, folgenden Grund: «Er eignet sich bestens, um den Nationalismus in China voranzutreiben», erklärt der Wirtschaftshistoriker.

Der Nationalismus lenke von den innenpolitischen Problemen ab, mit denen China zu kämpfen habe. Laut «Professor X» darf der Kampf um die Inseln nie ganz einschlafen.

Die Angelegenheit dürfte aber noch eine ganz andere Rolle spielen. Wie der Wirtschaftshistoriker sagt, legitimiere sie die wachsenden Rüstungsausgaben und immer mächtig werdenden Streitmächte in China.

Seit Chinas Niederlage im chinesisch-japanischen Krieg 1895 standen die Inseln unter der Kontrolle Tokios. Nach dem Zweiten Weltkrieg von den USA verwaltet, gingen sie mit der Rückgabe der Souveränität Okinawas 1972 wieder an Japan.

Da China jedoch alte Ansprüche auf das Territorium geltend macht, kommt es immer wieder zum Streit. Denn aus Sicht Pekings waren die USA aus historischen Gründen gar nicht berechtigt, die Inselgruppe an Japan zurückzugeben.

Peking verweist auf Karten aus der Ming-Zeit (1368-1644), die nachwiesen, dass die Inselgruppe schon damals zu China gehöre.

Chinas Reaktion unterschätzt

Der Streit flammte 2012 neu auf, als Japans Regierung drei Inseln von privater Hand kaufte. Damit wollte Tokio nach eigenen Angaben verhindern, dass nationalistische Kräfte sie erwerben.

Die Heftigkeit der chinesischen Reaktion wurde unterschätzt. In China kam es zu grossen anti-japanischen Demonstrationen. Der Streit riss alte Wunden über die japanische Aggression im Zweiten Weltkrieg in China auf.

Auch Taiwan mischte sich ein und erhob Ansprüche auf die Inselgruppe: Im September 2012 sind taiwanesische Schiffe zur Inselgruppe vorgedrungen.

Wichtig für die Schifffahrt

Aber China erhebt nicht nur Ansprüche auf diese Inseln. Auch im Südchinesischen Meer, wo wichtige Schifffahrtswege verlaufen, gibt es Streit um Inseln fernab von Chinas Küste.

Teile des Seegebiets, vor allem die Spratly- sowie die Paracel-Inseln, werden aber ebenso von den Asean-Mitgliedern Vietnam, Brunei, Malaysia und den Philippinen beansprucht. Auch dort soll es reiche Öl- und Gasvorkommen geben.

Japan ignoriert Abwehrzone

Der Streit um die Senkaku-Inseln eskaliert weiter. Trotz eines Verbots haben japanische Kampfjets die chinesische Flugverbotszone überflogen. Wie lange schaut Peking noch zu? Mehr dazu hier.

Fische, Erdöl, Erdgas

Die Inseln liegen in fischreichen Gewässern auf einer strategisch wichtigen Schifffahrtsroute. In der Umgebung werden grössere Erdöl- und Erdgas-Vorkommen vermutet.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Milo Doric, Zürich
    Peking verweist auf Karten aus der Ming Zeit (17. Jahrhundert und vorher) Da können ja gleich die Indianer Nordamerikas verlangen dass alle Amerikaner die USA verlassen und ins Meer gehen sollen, weil das Land mal ihnen gehörte... Finde die Argumente Chinas teilweise sehr antipathisch - erinnert an die alte Sowjetunion das Gebaren.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Steven S., Essen
    Dauert sicher nicht mehr lange bis die Amis sich einmischen... Gruss :)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rudolf R. Blaser, Aeschi
    Gerechtigkeit wird sich der Ungerechtigkeit nicht unterwerfen. Deshalb können in diesem Fall die Davids den Goliath zum Glück nur reizen, damit sich dieser bei Gelegenheit daran erinnere, wo der Balzli den Most holen tut. Der Goliath ist keinesfalls ein wehrloser, erpressbarer Kameltreiber und kann sein Schwert auch verwenden, ohne dem sich offenbarenden Feind die Bomber zu dezimieren. Recht ist jedenfalls offensichtlich und wenn Recht nicht Macht ist, ist es Übel.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen