Obama lässt Gnade walten Whistleblowerin Chelsea Manning kommt frei

Der scheidende US-Präsident Barack Obama hat die 35-jährige Haftstrafe für die Whistleblowerin verkürzt.

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Manning kommt im Mai frei

  • Der scheidende US-Präsident Barack Obama hat die 35-jährige Haftstrafe von Chelsea Manning verkürzt.
  • Die Wikileaks-Whistleblowerin soll am 17. Mai 2017 das Gefängnis verlassen dürfen. Manning hatte bisher mehr als sechs Jahre ihrer Haftstrafe abgesessen.
  • Manning war zuvor als Bradley bekannt. Sie lebt nun als Frau.
  • Laut Angaben des Weissen Hauses ist Manning eine von 209 Gefängnisinsassen, deren Haftstrafe verkürzt wird.
  • Zudem will Obama insgesamt 64 Personen begnadigen. Wikileaks-Gründer Julian Assange und Whistleblower Edward Snowden sind nicht darunter.

Chelsea Manning hatte als Soldat Bradley Manning im Irak gedient und der Enthüllungsplattform Wikileaks Hunderttausende geheime Militärdokumente zugespielt. Die daraufhin verhängte 35-jährige Haftstrafe wegen Spionage und Verrats trat sie im Mai 2010 an.

Manning, die eine operative Geschlechtsangleichung will, hat in der Haft bereits zwei Mal versucht, sich das Leben zu nehmen. Einen Hungerstreik gab sie nach Angaben ihres Anwalts im September auf, nachdem ihr für die nähere Zukunft eine Operation zugesagt worden war. Die 29-Jährige sitzt im US-Militärgefängnis in Fort Leavenworth, in dem ansonsten nur Männer inhaftiert sind.

Wirbel um Botschafter

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Snowden bleibt in Russland

Russland hat die Aufenthaltsgenehmigung des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden um zwei Jahre verlängert. 2014 erhielt er eine dreijährige Aufenthaltsgenehmigung, die in diesem Jahr erloschen wäre.

Für die US-Regierung waren die von Manning ausgelösten Enthüllungen desaströs. Die Veröffentlichung der Papiere unter anderem über die Kriege im Irak und in Afghanistan sorgten weltweit für Wirbel. Die Preisgabe von Diplomaten-Depeschen blamierte US-Botschafter und Politiker in aller Welt.

Darunter waren auch Aufnahmen aus Bagdad, die den tödlichen Beschuss irakischer Zivilisten und Journalisten aus einem US-Kampfhelikopter zeigen.

Assanges Versprechen

Assange in der ecuadorianischen Botschaft. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kommt die Begnadigung Mannings neue Bewegung in den Fall Assange? Keystone

Wikileaks-Gründer Julian Assange hatte vor wenigen Tagen erklärt, er sei bereit, sich an die USA ausliefern zu lassen, falls Manning begnadigt würde. Der 45-jährige Australier war vor mehr als vier Jahren in die Botschaft Ecuadors in London geflüchtet, um einer Festnahme zu entgehen. Gegen Assange liegt ein Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden vor.

Er fürchtet eine Auslieferung an Skandinavien, weil er davon ausgeht, dass er von dort in die USA überstellt würde, wo ihm eine lange Haft droht. Assange nannte Mannings Vorgehen «heroisch». Wikileaks feierte die vorzeitige Haftentlassung Mannings als grossen Erfolg. «SIEG», hiess es in Grossbuchstaben in einer Botschaft der Enthüllungsplattform auf Twitter:

Edward Snowden in einer Live-Schaltung auf einer Videoleinwand. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auch Whistleblower Edward Snowden wird bis auf weiteres im russischen Exil bleiben. Keystone

Keine Gnade für Snowden

Manning ist der bekannteste Name auf einer Liste von 64 Begnadigungen und 209 Straferlassen, die Obama zu Ende seiner am Freitag ablaufenden Amtszeit gewährte.

Der im russischen Exil lebende Geheimdienstinformant Edward Snowden, über dessen Begnadigung spekuliert worden war, steht nicht darauf.