Nordkoreas Geldquelle Wie finanziert Kim Jong Un seine Atombomben?

Nordkorea ist arm, wirtschaftlich isoliert und vom Kapitalmarkt abgeschnitten. Und trotzdem rüstet es auf.

Kim Jong Un versetzt die Welt mit seinen Atomwaffen in Angst und Schrecken. Wie er sein Atomprogramm und die ganze Aufrüstung finanziert, ist eine offene Frage, denn erhärtete Zahlen zur Wirtschaft Nordkoreas gibt es kaum.

Die Schätzungen liegen aber nahe beisammen. Die 24 Millionen Nordkoreaner erwirtschaften laut der UBS 1300 Dollar pro Kopf. Da ist gerade mal fünf Prozent dessen, was die Südkoreaner erzielen - und achtmal weniger als die Chinesen.

Trotzdem gibt Nordkorea jährlich geschätzte fünf bis zehn Milliarden Dollar für Rüstung, Waffen und Militär aus. Und das schon seit längerem.

Die Frage, wie die teure Aufrüstung finanziert werde, sei die zentrale Frage, die sich alle stellten, sagt der Südkoreaner John Park. Er lehrt an der Harvard-Universität in den USA und leitet dort die Arbeitsgruppe Nordkorea. Park sagt, es sei hauptsächlich der Handel mit Kohle. Nordkorea sitze auf riesigen Lagern von Bodenschätzen, darunter viel Kohle.

Kohle gefördert und an China verkauft

Das Geld für den Rüstungssektor kommt aber weniger aus dem aktuellen Verkauf von Kohle, sondern vor allem aus der Zeit nach 2005, als man unter Kims Vater sehr hohe Gewinne aus dem Kohlehandel zur Seite gelegt habe, sagt Park.

China half Nordkorea damals, Kohle abzubauen. Sie wurde in China verkauft und die Erlöse flossen auf Konten des nordkoreanischen Regimes bei chinesischen Banken. Kohle sei damals zu historischen Höchstpreisen gehandelt worden.

Diese riesigen Ersparnisse seien ein Grund dafür, wieso die Wirtschaftssanktionen Nordkorea bis jetzt nicht wirklich in die Knie gezwungen hätten. Das Geld werde in chinesischen Banken gebunkert, sagt Park. Das mache es auch für die USA schwierig, sie aufzuspüren.

Wären sie anderswo in der Welt gehortet worden, wäre es für die USA einfacher, weil man sich wegen der Terrorbedrohung austausche. Im Fall von China passiere das nicht. Wie viele Milliarden dieses Kohle-Geldes aus der Vergangenheit noch vorhanden sind, weiss auch Park nicht.

Leiharbeiter müssen Geld abgeben

Doch auch Nordkorea lebt nicht nur vom Ersparten. Leiharbeiter sind eine andere oft genannte Einkommensquelle des Regimes. Eine Milliarde Dollar jährlich sollen von ihnen stammen. Ökonom und Korea-Spezialist Ulrich Blum von der Universität Halle spricht von Sklavenarbeit: «Das Ganze ist ein Sklavensystem und genauso ist es organisiert. Die Löhne fliessen ans Regieme.»

Laut Blum sind die Leiharbeiter über die ganze Welt verteilt. Gemäss einem Bericht der UNO arbeiten sie aber vor allem in China, Russland und im Nahen Osten. Sie werden gezwungen, auf Baustellen, in der Wald- und Textilindustrie und in Minen zu arbeiten.

«  Das Ganze ist ein Sklavensystem und genauso ist es organisiert. Die Löhne fliessen ans Regime. »

Ulrich Blum
Ökonom und Nordkorea-Spezialist der Universität Halle (D)

Wie viel Geld Schmuggel, illegaler Waffenhandel und Cyberkriminalität dem Land zusätzlich einbringen, weiss niemand. Bekannt ist, dass Nordkorea heute bereits erfolgreich Banken hackt. Laut dem Harvard-Experten Park ist Hacking eine wachsende Geldquelle.

Auch im Export tätig

Letztlich exportiert Nordkorea, trotz Sanktionen, auch immer noch Güter. Es handelt sich um Bodenschätze, Textilien und Landwirtschaftsprodukte. Die Exporte gehen aber praktisch nur noch nach China. Im Gegenzug liefern die Chinesen Öl, Bier, Elektrogeräte, Autoteile, Kühlgeräte nach Nordkorea. Drei Milliarden Dollar zahlte China dieses Jahr für die nordkoreanischen Importe bis jetzt. Das ist deutlich weniger als vor einem Jahr.

Für Park ist aber klar, welche Geldquelle die wichtigste ist: Der Löwenanteil des Geldes, das Nordkorea für sein Rüstungsprogramm ausgebe, stamme aus dem Kohlehandel nach 2005.

Nordkoreas Wirtschaft wächst

Das leicht Absurde daran ist, dass Nordkorea dank den hohen Rüstungsausgaben wirtschaftlich wieder wächst. Heuer mit mehr als 3 Prozent und stärker als je seit 1999. Volkswirtschaftler Ulrich Blum erklärt: «Wenn diese Gelder in einem Hochtechnologiebereich ausgegeben werden, dann sind die nicht verloren. Sie gehen durch die klassische Wertschöpfungskette und bereichern den Rest.» Dabei hilft, dass Nordkorea fast alles selber macht.

Blum vergleicht: «Wenn Sie heute ein Forschungszentrum in der Pampa in Deutschland oder in der Schweiz bauen, dann wird sich nach zwanzig Jahren eine leistungsfähige Wirtschaft angesiedelt haben. Denken Sie an Silicon Valley in den USA.»

Fleissige Arbeiter

Zudem sei es keine faule Mannschaft, die in Nordkorea am Werk sei, sagt Blum:: «Und man muss sagen, dass die Asiaten alle aufgrund ihrer Kultur lernbegierig, wissbegierig und hochmotiviert sind. Das unterscheidet die Nordkoreaner nicht von den Südkoreanern und auch nicht von den Chinesen.»

Dass Diktator Kim Jong Un seit kurzem marktwirtschaftliche Experimente zulässt, kommt deshalb gut an. Zum ersten Mal dürfen Private Profit erwirtschaften. Es sind zwar erst Experimente, aber sie tragen bereits Früchte. In Pjöngjang sind schon sechs Taxiunternehmen entstanden.