Terror in Berlin Wie Sie falschen Bildern auf die Spur kommen

Tatort Breitscheidplatz: Nach Anschlägen wie in Berlin kursieren rasch auch falsche Bilder. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Tatort Breitscheidplatz: Nach Anschlägen wie in Berlin kursieren rasch auch falsche Bilder. Reuters

Das Wichtigste in Kürze

  • Auch nach dem Anschlag in Berlin kursieren wieder falsche Informationen auf Twitter und anderen sozialen Netzwerken – darunter auch Bilder des vermeintlichen Attentäters.
  • Falsche Bilder lassen sich oft mit wenigen Klicks überführen.

Nach Ereignissen wie in Berlin sind soziale Medien Fluch und Segen zugleich. Wer Verwandte oder Freunde in der Nähe eines Anschlagsortes wähnt, atmet auf, wenn sie sich über Facebook melden. Das Netzwerk hat darauf schon vor einer Weile reagiert und den so genannten Safety Check eingeführt. Wer sich am Ort eines Anschlags aufhält, kann sich dort für alle Follower sichtbar als in Sicherheit markieren.

Auch viele Polizeidienststellen verbreiten ihre Informationen nach Anschlägen inzwischen über Twitter. Viel Lob erhielt etwa die Münchner Polizei, die nach dem Amoklauf im vergangenen Juli die ganze Nacht via Twitter informierte, zur Besonnenheit aufrief – und gegen falsche Informationen antwitterte.

Auch nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin twittert die Polizei zum Stand der Ermittlungen – verbunden mit Aufrufen, keine Gerüchte oder Bilder zu verbreiten, um die Arbeit der Polizei nicht zu gefährden.

Nach dem Amoklauf in München brach in den ungewissen Stunden danach der Nahverkehr zusammen – viele Menschen strandeten. Prompt boten viele Bewohner der Stadt über Hashtags wie #offenetuer oder #opendoors Unterschlupf an.

Die andere Seite der Medaille

Doch gerade Twitter hat auch andere Seiten. Selbstdarsteller nutzen die aufkommenden Hashtags zu Anschlägen erfahrungsgemäss schon rasch, um Falschinformationen zu verbreiten – und haben damit leider oft Erfolg.

Auch nach dem Anschlag in Berlin ist das nicht anders. Schon kurz nach der Tat kursierten Bilder vermeintlicher Attentäter und ihrer Komplizen – sie waren falsch.

Nicht immer ist es so leicht wie in diesem Fall, falsche Bilder zu überführen. Der bärtige Dicke, der hier mit einer Waffe hantiert, kursiert schon länger im Netz und wurde schon öfter als angeblicher Täter herumgereicht – das wird schon nach wenigen Klicks klar.

Es gibt einige Möglichkeiten, Falschbilder zu entlarven

  • Google-Bilder-Suche

Die einfachste Variante. Gibt es Zweifel an einem Bild, kann hier entweder die URL eingefügt werden oder die Bilddatei selbst heraufgeladen werden. Die Ergebnisse der Google-Bildersuche zeigen daraufhin an, ob das Bild schon früher einmal aufgetaucht ist. Ist dies nicht der Fall, zeigt Googles Bildersuche auch ähnliche Bilder an – auch hier lassen sich mögliche falsche Bilder oft identifizieren.

  • TinEye

Ähnlich – und fast noch einfacher – funktioniert TinEye, eine umgekehrte Bildersuche. Bildadresse oder -datei einfügen, die Ergebnisse zeigen, ob das Bild schon früher einmal auftauchte.

Ein Beispiel: Auch nach dem Anschlag in Berlin kursierte wieder das Bild eines gewissen Sam Hyde.

Bei Sam Hyde handelt es sich offenbar um einen amerikanischen Comedian, der selbst hinter einer Reihe von Hoaxes stecken soll. Warum sein Bild im Zusammenhang mit allen möglichen Anschlägen immer wieder auftaucht, ist allerdings unklar. Die TinEye-Suche zeigt hier schnell, dass es sich nicht um das Bild der jeweiligen Attentäter handeln kann.

  • Metadaten des Bildes überprüfen

Ebenfalls helfen kann es, die Metadaten eines Bildes genauer anzuschauen. Jede Digitalkamera speichert die Daten der Bilder in der Bilddatei selbst. Wer diese beim Hochladen ins Netz nicht entfernt, liefert diese Daten mit. Spezielle Programme – etwa so genannte Exif-Viewer – können nun helfen, diese Daten anzuzeigen.

Gespeichert sind neben technischen Angaben zur Blende oder Belichtungszeit nämlich auch die Zeit der Aufnahme oder die Geo-Position. Wird von einem Bild nun behauptet, es sei im Dezember 2016 am Tatort in Berlin aufgenommen worden, Geodaten und Zeit widersprechen dem aber, sind erhebliche Zweifel angebracht. Exif-Viewer gibt es unter anderem als Plug-In für den Browser. Eine lange Zeit populäre Seite – Jeffrey Friedl's Image Exif Viewer – ist inzwischen offline.

  • Die Glaubwürdigkeit von Bild und Absender

Hier kommt der gesunde Menschenverstand ins Spiel. Oft kann schon der Blick auf den Absender eines Bildes Zweifel wecken. Ist ein Twitter- oder Facebook-Account ganz neu, wurden von dort bisher kaum Beiträge abgesetzt und er hat auch praktisch keine Follower? Schlecht. Vertrauenswürdiger sind von Twitter und Facebook verifizierte Accounts – erkennbar am blauen Häkchen hinter den Namen. Beim Bild lohnt sich auch ein Blick auf den Hintergrund. Bei Aussenaufnahmen kann ein Abgleich mit Google Maps oder noch besser Streetview Aufschluss geben. Steht an einem Anschlagsort wirklich das Gebäude, das ein angebliches Tatortfoto vorgaukelt?

  • Professionelle Anbieter zur Verifikation

In den vergangenen Jahren haben sich rund um die Verifikation von Bildern und Videos aus den sozialen Medien eine Reihe von Anbietern etabliert. SRF News beispielsweise kann auf den Service von Storyful zurückgreifen. Von Dublin aus überprüft ein ganzes Team das aufgetauchte Material. Die Anbieter gehen dabei in mehreren Schritten vor – unter anderem kontaktieren sie die Urheber des Materials, wann immer möglich.