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Die Reichtümer des Vatikans
Aus Rendez-vous vom 27.12.2016.
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Reichtum des Vatikans Wie viel besitzt die Kirche in Rom wirklich?

Papst Franziskus hegt einen Wunsch. Kurz nach seiner Wahl vor bald vier Jahren sagte er: «Ich möchte eine arme Kirche, eine Kirche für die Armen.» Wirklich arm ist der Vatikan aber nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Vatikan verfügt über Vermögenswerte von schätzungsweise 13 Milliarden Euro.
  • Sein Budget beträgt 400 Millionen pro Jahr, damit deckt er seine Personalkosten.
  • Der Ursprung des heutigen Reichtums liegt in Entschädigungen für Enteignungen.

Der Vatikan gibt keine Auskünfte über sein Gesamtvermögen. Doch die italienische Wirtschaftszeitung «Il Sole 24 Ore» hat – gestützt auf vatikanische Dokumente – eine Schätzung gemacht. Carlo Marroni hat sie mitverfasst: «Aufgrund der ausgewerteten Unterlagen kommen wir zum Schluss, dass dem Vatikan Immobilien im Wert von acht und Anlagepapiere im Wert von fünf Milliarden Euro gehören.»

Geld für Löhne, Unterhalt, Karitatives

Recht viel über den Finanzbedarf des Vatikans weiss man seit dem Amtsantritt von Papst Benedikt. Er war der erste Papst, der etwas Klarheit geschaffen hat. Der Vatikan hat demnach ein Jahresbudget von 400 Millionen Euro, wie Marroni erklärt. Er braucht dieses Geld für die Löhne seiner 3000 Angestellten.

Dazu gehören auch Diplomaten und zahlreiche Journalisten. Letztere arbeiten für das chronisch defizitäre Radio Vaticana, das in 47 Sprachen sendet, und die nicht minder defizitäre Tageszeitung «Osservatore Romano». Der andere Kostenblock ist der Unterhalt der Palazzi, auch des Petersdoms, sowie Ausgaben für Karitatives.

Vatikanstaat hat sich nicht verschuldet

Das Engagement des Vatikans im karitativen Bereich ist freilich sehr bescheiden. Es ist Aufgabe der katholischen Kirche in den Bistümern und Gemeinden, hier aktiv zu sein. Diese tragen deshalb die Hauptlast. Die Bistümer und Orden in der Welt haben alle eine eigene Rechnung und liefern dem Vatikan in der Regel nichts ab.

Die Haupteinnahmequellen des Vatikans

1. Der Erlös aus den Eintritten in die vatikanischen Museen spült jedes Jahr rund 90 Millionen Euro in die Kassen.
2. Die Vatikanbank IOR steuert jedes Jahr etwa 25 bis 50 Millionen Euro bei.
3. Einen Teil des Budgets bestreitet der Heilige Stuhl mit den Einnahmen aus seinem Immobilien- und Anlageportfolio.
4. Hinzu kommen die Einnahmen aus der weltweiten Kollekte an Ostern. Der Sammelerlös geht in der Regel zu 100 Prozent nach Rom.

Der Vatikanstaat hat keine Schulden. Deshalb steht er im internationalen Vergleich recht gut da. Das war nicht immer so. Nach der Vereinigung Italiens 1861 verstaatlichte die junge Republik viel Kirchenbesitz.

Mussolinis Entschädigung gut investiert

Die Kassen des Papstes leerten sich dramatisch. Erst 1929 zahlte der Faschist Benito Mussolini eine Entschädigungszahlung von rund 1,5 Milliarden Lire. Nach heutigem Wert sind das 13 Milliarden Euro.

Ein Grossteil dieses Geldes investierten die Säckelmeister des Vatikans schon vor dem Zweiten Weltkrieg in Liegenschaften an bester Lage in europäischen Hauptstädten. Sie legten so den Grundstein für die gesunden Finanzen des Gottesstaates.

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46 Kommentare

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  • Kommentar von Otto Murbach  (OttoMurbach)
    Neid, Neid, immer Neid und Anschwärzungen. Wo bleibt eigentlich die Zufriedenheit!
    1. Antwort von James Klausner  (Harder11)
      Neid? Ich bitte Sie. Gerne sähe man es halt, wenn "die Kirche" ihren eigenen Massstäben gerecht würde. Etwas weniger Gier, etwas mehr Nähe zu den Menschen.
    2. Antwort von Otto Murbach  (OttoMurbach)
      J. Klausner. Ich nehme mal an, dass Sie an Gott glauben. In diesem Fall könnte das zehnte Gebot zur Klärung beitragen. "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut".
    3. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Dieses Gebot hier anzuwenden ist wohl etwas sehr an den Haaren herbeigezogen.
    4. Antwort von Otto Murbach  (OttoMurbach)
      Christa Wüstner. Sehen und hören Sie sich doch einmal um, dann können Sie feststellen, dass dieses Gebot nicht umsonst besteht. Nur danach zu leben ist alles andere als ein Spaziergang und wird einfach missachtet, wenn es einem nicht in den Kram passt.
    5. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Herr Murbach, dieses Gebot passt mir sogar sehr in den Kram. Aber nicht zur Anwendung und Vergleich zum Vatikan. Diese Prunksucht stellt sich weit über den christlichen Glauben.
  • Kommentar von Urs Dupont  (udupont)
    ....also ein Durchschnittssalär von ca 133'000 Euro pro Jahr. Da müssen einige ein deutlich höheres Jahressalär kassieren!
    1. Antwort von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
      Sie vernachlässigen in Ihrer Berechnung die Overhead-Kosten (Kostenteile pro Arbeitnehmer, Arbeitsplatz und -mittel, die nicht auf der Gehaltsabrechnung erscheinen). Je nach Art des Betriebs und der Arbeitsstelle geht man von einem Drittel bis zur Hälfte aus, die die Overhead- an den Personalkosten ausmachen.
  • Kommentar von Markus Breitschmid  (Markus in Washington)
    Ich bin überrascht dass das Vermögen der Katholischen Kirche nur 13 Milliarden beträgt. Dass ist ja nicht mehr als der Durchschnittsmilliardär von denen es bereits Haufenweise gibt. Also ich muss der Katholischen Kirche gratulieren: sie erreicht mit Ihren Mitteln sehr viel mehr als jede andere weit vermögendere Organisation, Institution, Firma oder Privatperson. Es ist sehr lobenswert was die Katholische Kirche auf der ganzen Welt macht!
    1. Antwort von Christian Szabo  (C. Szabo)
      Hier ist eindeutig das Vermögen des Vatikans gemeint. Im ursprünglichen Titel war das noch deutlicher erkennbar. Ob man mit diesem Artikel Leute bewusst täuschen will, hoffe ich nicht. Allein die Besitztümer der katholischen Kirche in der CH sind wesentlich höher.
    2. Antwort von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
      Die weltweit anzutreffenden Aktionen der Kirche gehen von den Landeskirchen aus und nicht vom Vatikan. Bei den Landeskirchen liegen die weitaus grösseren Vermögenswerte und Einnahmen als beim Vatikan, der wirtschaftlich nicht über die Funktion des marketingtechnisch einfach einzusetzenden Aushängeschilds hinauskommt.