Reichtum des Vatikans Wie viel besitzt die Kirche in Rom wirklich?

Papst Franziskus hegt einen Wunsch. Kurz nach seiner Wahl vor bald vier Jahren sagte er: «Ich möchte eine arme Kirche, eine Kirche für die Armen.» Wirklich arm ist der Vatikan aber nicht.

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Die Reichtümer des Vatikans

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Vatikan verfügt über Vermögenswerte von schätzungsweise 13 Milliarden Euro.
  • Sein Budget beträgt 400 Millionen pro Jahr, damit deckt er seine Personalkosten.
  • Der Ursprung des heutigen Reichtums liegt in Entschädigungen für Enteignungen.

Der Vatikan gibt keine Auskünfte über sein Gesamtvermögen. Doch die italienische Wirtschaftszeitung «Il Sole 24 Ore» hat – gestützt auf vatikanische Dokumente – eine Schätzung gemacht. Carlo Marroni hat sie mitverfasst: «Aufgrund der ausgewerteten Unterlagen kommen wir zum Schluss, dass dem Vatikan Immobilien im Wert von acht und Anlagepapiere im Wert von fünf Milliarden Euro gehören.»

Geld für Löhne, Unterhalt, Karitatives

Recht viel über den Finanzbedarf des Vatikans weiss man seit dem Amtsantritt von Papst Benedikt. Er war der erste Papst, der etwas Klarheit geschaffen hat. Der Vatikan hat demnach ein Jahresbudget von 400 Millionen Euro, wie Marroni erklärt. Er braucht dieses Geld für die Löhne seiner 3000 Angestellten.

Dazu gehören auch Diplomaten und zahlreiche Journalisten. Letztere arbeiten für das chronisch defizitäre Radio Vaticana, das in 47 Sprachen sendet, und die nicht minder defizitäre Tageszeitung «Osservatore Romano». Der andere Kostenblock ist der Unterhalt der Palazzi, auch des Petersdoms, sowie Ausgaben für Karitatives.

Vatikanstaat hat sich nicht verschuldet

Das Engagement des Vatikans im karitativen Bereich ist freilich sehr bescheiden. Es ist Aufgabe der katholischen Kirche in den Bistümern und Gemeinden, hier aktiv zu sein. Diese tragen deshalb die Hauptlast. Die Bistümer und Orden in der Welt haben alle eine eigene Rechnung und liefern dem Vatikan in der Regel nichts ab.

Die Haupteinnahmequellen des Vatikans

1. Der Erlös aus den Eintritten in die vatikanischen Museen spült jedes Jahr rund 90 Millionen Euro in die Kassen.
2. Die Vatikanbank IOR steuert jedes Jahr etwa 25 bis 50 Millionen Euro bei.
3. Einen Teil des Budgets bestreitet der Heilige Stuhl mit den Einnahmen aus seinem Immobilien- und Anlageportfolio.
4. Hinzu kommen die Einnahmen aus der weltweiten Kollekte an Ostern. Der Sammelerlös geht in der Regel zu 100 Prozent nach Rom.

Der Vatikanstaat hat keine Schulden. Deshalb steht er im internationalen Vergleich recht gut da. Das war nicht immer so. Nach der Vereinigung Italiens 1861 verstaatlichte die junge Republik viel Kirchenbesitz.

Mussolinis Entschädigung gut investiert

Die Kassen des Papstes leerten sich dramatisch. Erst 1929 zahlte der Faschist Benito Mussolini eine Entschädigungszahlung von rund 1,5 Milliarden Lire. Nach heutigem Wert sind das 13 Milliarden Euro.

Ein Grossteil dieses Geldes investierten die Säckelmeister des Vatikans schon vor dem Zweiten Weltkrieg in Liegenschaften an bester Lage in europäischen Hauptstädten. Sie legten so den Grundstein für die gesunden Finanzen des Gottesstaates.