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Rufe nach eine humanitären Flüchtlingspolitik in der EU
Aus Rundschau vom 06.05.2015.
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International «Wir dürfen diesem Völkermord im Mittelmeer nicht zuschauen»

Das Flüchtlingsdrama im Mittelmeer: Für die italienische Insel Lampedusa vor der afrikanischen Künste Normalität. In der «Rundschau» kritisiert Bürgermeisterin Giusi Nicolini die europäische Flüchtlingspolitik und fordert Solidarität – auch von der Schweiz.

Die Flüchtlingswelle übers Mittelmeer ebbt nicht ab: Dieses Jahr sind schon über tausend Menschen bei ihrem Versuch gestorben, in kleinen Booten europäischen Boden zu erreichen. Besonders exponiert ist Lampedusa: Die Insel gehört zu Italien und liegt nur 113 Kilometer vor Tunesien. Deshalb landen hier besonders viele Bootsflüchtlinge.

Giusy Nicolini vor Mikrofon
Legende: Giusi Nicolini wurde 2012 zur Bürgermeisterin von Lampedusa gewählt. Seither kämpft sie für die Flüchtlinge. Reuters

Bürgermeisterin Giusi Nicolini versteht sich als Stimme sowohl der Einheimischen als auch der Flüchtlinge: «Die Migrationspolitik zeigt den Zivilisationsgrad einer Gemeinschaft.» Die «Rundschau» hat Nicolini auf Lampedusa getroffen. Die Bürgermeisterin fordert humanitäre Korridore für die Flüchtlinge: «Wir dürfen diesem Völkermord im Mittelmeer nicht zuschauen.»

Giusi Nicolini hat Papst Franziskus 2013 auf seiner ersten Auslandreise empfangen. Er sieht Lampedusa als «Vorbild der Solidarität.» Doch es sterben weiterhin Menschen im Meer. Deshalb wird Giusi Nicolini nicht müde, die EU zu kritisieren. Zusammen mit den Bootsflüchtlingen im Mittelmeer erleide auch die europäische Idee Schiffbruch.

Drama wird zur Normalität

Ein Flüchtling, der den Marsch durch die Sahara und die Fahrt übers Meer geschafft hat, zeigt der «Rundschau» seine verletzten Hände. Mit Leim hat er sich seine Haut verätzt. Er hat Angst, die italienischen Behörden könnten ihn anhand seiner Fingerabdrücke identifizieren. Der junge Mann will Asyl im Norden, nicht in Italien. Lehnt ihn ein Land ab, war seine Flucht vergebens. So will es das Dublin-Abkommen.

Für Giusi Nicolini handeln die europäischen Staaten ignorant: «Für uns ist dieses Drama zur Normalität geworden. Der Rest der Welt, besonders der Norden, sieht es immer wieder als Naturkatastrophe.» Lampedusa und seine Bevölkerung würden im Stich gelassen: «Reiche Länder wie die Schweiz müssen die Mittelmeerländer unterstützen – und sie müssen zu Orten wie Lampedusa stehen, die bloss von Touristen und Fischen leben.»

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32 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Chauvet , Neustadt
    Derartige Schuldzuweisungen italienischer Provinz-Politiker lehne ich ab, vor allem nachdem die Flüchtlinge Richtung Norden weitergeleitet werden. Die Flüchtigen begaben sich in eine selbstgeschaffene Gefahr, daran ändern auch die salbungsvollen Worte des Papstes nichts, seine Kirche schiebt trotz ihres Reichtums sämtliche Verantwortung und Kosten auf andere ab. Je mehr Barmherzigkeit,desto weniger der Druck auf die Herkunftsländer der Ärmsten ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen.
  • Kommentar von Peter Bullach , Berlin
    Unterlassene Hilfeleistung = Mord? Ich glaube diese Frau braucht einen Grundkurs in Rechtsfragen auf Grundschul-Niveau...
    1. Antwort von Marcel Chauvet , Neustadt
      Anderen Schuldgefühle einimpfen und dann alle ab nach Norden, weg von Italien. "Sie wollen ja nicht in Italien bleiben", sondern in "Nordländer" wird dann verlegen daher gestammelt. Wenns bei denen ums eigene italienische Ego geht, ist Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit eine unbekannte Vokabel. Wenn Italien nicht in der EU wäre, müssten sie ja auch mit dem Problem fertig werden, aber wenn man was auf die anderen in der der EU abschieben kann, dann tun die es rücksichtslos.
  • Kommentar von D. Eber , Rheinfelden
    Frau Bürgermeisterin Giusi Nicolini, die Schweiz hat mehr Flüchtlinge aufgenommen als alle anderen und Sie fordern das wir noch Solidarischer sein sollen? Geht es noch? Es reicht, verteidigt eure Seegrenze dass hört das auf mit dem Menschenschmuggel und dieser Lebensgefährlicher Überfahrt. Alles andere bringt nichts ausser NOCH mehr Flüchtlinge und noch mehr Probleme.