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International «Wir haben es mit ganz schlimmen Terroristen zu tun»

Islamisten nutzen die instabilen Verhältnisse im Irak und in Syrien aus. Sie nennen sich «Islamischer Staat in Irak und Syrien», haben sich im Grenzgebiet zwischen Irak und Syrien festgesetzt und Emirate oder Gottesstaaten ausgerufen. Ihr Markenzeichen ist blutige Brutalität.

Vermummte Kämpfer stehen nebeneinander in der irakischen Stadt Falludscha.
Legende: Die ISIS-Terroristen haben 2013 an Macht und Einfluss gewonnen. Keystone

Die Organisation «Islamischer Staat in Irak und Syrien» (ISIS) kämpft sowohl im Irak als auch in Syrien. Es handelt sich um einen Ableger von Al Kaida. Die Organisation orientiere sich an der Ideologie des irakischen al-Kaida-Führers Abu Bakr al-Baghdadi, sagt Guido Steinberg im Gespräch mit SRF. Steinberg ist Dschihadismus-Experte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. «Baghdadi ist sehr stark antischiitisch und seine Vorgehensweise ist extrem brutal.»

Im Irak hat die Organisation Erfolg, «weil die Regierung von Nuri al-Maliki alles falsch gemacht hat, was sie falsch machen konnte», sagt Steinberg. Weil Maliki die sunnitische Bevölkerung von der Regierungsbildung ausgeschlossen habe, stünden die meisten Sunniten der stark schiitisch geprägten Regierung sehr feindselig gegenüber.

Viele Sunniten unterstützen Al Kaida selbst dann, wenn sie mit dem Fanatismus nichts zu tun hätten, sagt Steinberg. Sie seien der Meinung, dass Al Kaida ihre Interessen eher vertrete als die Zentralregierung.

Sowohl im Irak als auch in Syrien sei die Präsenz von ISIS verheerend. Der Aufstieg der Organisation im vergangenen Jahr habe dazu geführt, dass das syrische Regime von Präsident Baschar al-Assad seine Position habe stärken können, sagt Steinberg.

Assad behaupte sei Beginn des Konflikts, dass es sich bei den Aufständischen um Terroristen handle. «Und nun haben wir es tatsächlich mit ganz schlimmen Terroristen zu tun.»

«Die Aufständischen haben den Krieg in Syrien verloren»

Salafisten, Dschihadisten und Islamisten bildeten in Syrien nun die Mehrheit der aufständischen Kämpfer. «Dies wird auch dazu führen, dass westliche Staaten diesen Aufstand nicht mehr unterstützen werden», sagt Steinberg. «Man kann schon fast sagen, dass der Bürgerkrieg in Syrien für die Aufständischen verloren ist.»

Zwar werde es keinen islamischen Gottesstaat im Grenzgebiet zwischen Irak und Syrien geben, sagt der Dschihadismus-Experte. Doch sei damit zu rechnen, dass Dschihadisten über längere Zeit kleinere Landstriche kontrollieren werden. «Allein das wäre schon eine sicherheitspolitische Katastrophe.»

Von der zu erwartenden langfristigen Instabilität wären laut Steinberg auch die Nachbarstaaten betroffen. Und Europa: «In den letzten Monaten zogen viele Kämpfer aus europäischen Staaten nach Syrien».

Raketen aus den USA

Die USA haben nun auch offiziell bestätigt, dass sie ihre Waffenlieferungen in den Irak ausweiten und beschleunigen wollen. Damit will Washington der Regierung in Bagdad beim Kampf gegen Extremisten der Al Kaida helfen. Vorgesehen ist etwa die Lieferung von Hellfire-Raketen oder von Aufklärungsdrohnen.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von j .ruf, rodersdorf
    Friede und Demokratie versus Teile und Herrsche. Die Umsetzung des Yinon Plans schreitet voran.
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  • Kommentar von Eddy Dreier, Burgdorf
    Nachdem die USA über 1 Million Iraqis, darunter auch sehr viele Kinder und Frauen, Alte und Schwache, mit zum Teil barbarischen Methoden umgebracht haben, zB. Brandbomben mit brennendem Metall, das sich einfach in die Haut einbrennt und dort ewig weiter brennt - nach all dem haben es die Iraqis plötzlich mit einem Häufchen "üblicher Terroristen" zu tun -lach-
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    1. Antwort von Björn Christen, Bern
      @Dreier - ihr links-ignoranter Amerika-Hass ist einfach nur peinlich. Es gab im Irak keine 1. Mio. Tote, sondern gemäss dem irakischen Gesundsheitsministerium 87,215 zwischen dem 1. Januar 1, 2005 und dem 28. Februar, 2009. Dazu kommen noch die Toten der Jahre 2003/'04, direkt nach der Invasion - dann kommt man auf zwischen 110,000 und 120,000 Todesopfer. Das ist immer noch schlimm genug, entspricht aber eben nicht dem von linken Propagandisten in die Welt gesetzten Zerrbild dieses Konflikts.
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    2. Antwort von M. Haener, Büsserach
      @Björn Christen: Sie kratzen ja noch immer an der Oberfläche, das Loch neben ihrem Schützengraben wäre der ''Kaninchenbau''. Trauen sie sich nicht, nach zu sehen wer oder was das ''Kaninchen'' ist, oder heben sie einfach nur gerne Schützengräben aus..?
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  • Kommentar von christian strahm, aarau
    Terror, Schreckensherrschaft, geht oft von regierungsnahen Gruppierungen aus. In den Berichten der Uno steht, dass dieser Terror (Vergewaltigungen, Hinrichtungen, Entführungen, Folter) w e i t verbreitet sei und systematisch durch regierungsnahe Gruppierungen ausgeführt wird, eine Qualität die Isis nicht erreicht hat. Eine öffentliche Auspeitschung, so wenig wünschenswert sie ist: dieser Mann geht wieder nach Hause. Ein Gefangener der Regierung überlebt eine ungerechtfertigte Strafe oft nicht.
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    1. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @Ch. Strahm: ISIS hat einen Minderjährigen öffentl. hingerichtet, weil er einen Witz erzählte. ISIS hat Kirchen geschändet, Mönche u. Nonnen entführt, etc. etc.etc. Hören Sie doch auf Unrecht gegen Unrecht aufzurechnen. Assad als relativ kalkulierbare Grösse ist mir lieber als ISIS/Al Qaida und wird auch mehr und mehr von europ. Regierungen u. den Russen so gesehen.
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