Anschlag in Kabul «Wir müssen noch mit vielen Anschlägen rechnen»

Es ist nicht der erste, aber der bisher schwerste: Afghanistan-Experte Ruttig schätzt den Bombenanschlag in Kabul ein.

Ruttig spricht auf einem Podium. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Thomas Ruttig ist Kodirektor des unabhängigen Thinktanks Afghanistan Analysts Network. Er lebte über in Afghanistan. ZVG

Ein komplett zerstörter Strassenabschnitt mit ausgebrannten Personenwagen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Laut Ruttig ist an einer Strassensperre vor der deutschen Botschaft ein Wassertank-Lastwagen explodiert. Reuters

SRF News: Der Anschlag geschah im Diplomatenviertel Kabuls. Gibt es schon Hinweise, wem der Anschlag gegolten hat?
Thomas Ruttig: In dem Stadtteil befinden sich zu viele Einrichtungen der afghanischen Regierung und der Internationalen Gemeinschaft, um das jetzt schon sagen zu können. Zudem gibt es bisher keine Erklärung der Urheberschaft.

Wen vermuten Sie hinter dem Anschlag?

Die Taliban führen sehr oft sogenannte komplexe Attacken durch. Also sie zünden eine Bombe, um sich den Weg zu bestimmten Institutionen freizusprengen und in diese einzudringen. Das scheint heute Morgen nicht der Fall gewesen zu sein. Möglicherweise könnte die Terrormiliz IS dahinterstecken. Es gab in den vergangenen Monaten mehrere Anschläge in Afghanistan, zu denen sich die IS-Miliz bekannte. Wobei nicht immer ganz klar ist, ob das auch der Wahrheit entspricht.

«  Wir müssen wohl leider noch mit vielen Anschlägen rechnen. Und klar ist auch: Meistens trifft es afghanische Zivilisten. »

Warum bekommt die Regierung die Gewalt nicht in den Griff?

Das hat mit dem Charakter dieses Krieges zu tun. Er ist über weite Teile kein Krieg mit offenen Fronten, sondern ein Guerillakrieg, der zum Teil mit terroristischen Mitteln geführt wird. Dagegen kann man sich nur sehr schlecht wehren. Die Behörden haben sicher schon viele Anschläge vereitelt, aber wir müssen in Afghanistan wohl leider noch mit vielen Anschlägen rechnen. Und klar ist auch: Meistens trifft es afghanische Zivilisten.

Das Gespräch führte Monika Glauser.