«Wir schaffen nicht alles»

München erwartet alleine am heutigen Montag 11'000 Neuankömmlinge oder mehr. Im ungarischen Röszke platzt ein neues Zeltlager mit etwa 1000 Schlafplätzen bereits nach wenigen Stunden wieder aus allen Nähten.

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Bewährungsprobe für Europa

1:34 min, aus Tagesschau am Mittag vom 7.9.2015

In Ungarn reisen wieder mehr Flüchtlinge ein. Am späteren Sonntagabend seien in fast ständigem Strom in der Nähe des Grenzübergangs Röszke Menschen zu Fuss aus Serbien gekommen, berichteten ungarische Medien unterschiedlicher politischer Richtung.

Ungarisches Lager platzt aus allen Nähten

2:01 min, aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 6.9.2015

Sie würden nun im erst am Sonntag eröffneten neuen Flüchtlings-Zeltlager Röszke registriert. Doch dieses reiche mit seiner Kapazität von 1000 Schlafplätzen nicht mehr aus. Das alte Container-Lager von Röszke, das eigentlich aufgelöst werden sollte, werde wieder zur Unterbringung der Menschen genutzt.

Wieder mehr als am Vortag

Auch Camps in anderen Orten Ungarns, die gerade erst von den nach Deutschland weitergereisten Flüchtlingen verlassen worden waren, seien neue Menschen aus Röszke gebracht worden. Bis zum späten Sonntagnachmittag waren 1459 weitere Flüchtlinge aufgegriffen worden, hatte die Polizei vor Journalisten erklärt. Es waren mehr als am Vortag, als nach aktualisierten Polizeiangaben 1002 Flüchtlinge ankamen – der Tiefststand seit einem Monat.

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Die Glückskette ruft zu Spenden für die Flüchtlinge auf. Diese können auf das Konto 10-15000-6 (Vermerk «Flüchtlinge»), auf www.glueckskette.ch oder via App «Swiss Solidarity» überwiesen werden.

Medien führten den zwischenzeitlichen Rückgang auch auf das Regenwetter zurück. Seit Wochen waren 1500 bis 3000 neue Flüchtlinge pro Tag die Regel.

«11'000 oder mehr» am heutigen Montag

Bayern rechnet allein für den heute Montag mit der Ankunft mehrerer Tausend Flüchtlinge. Womöglich könnten «11'000 oder mehr» Menschen in München eintreffen, sagte der Regierungspräsident des Bezirks Oberbayern, Christoph Hillenbrand. «Die Lage ist sehr angespannt.» Konkret könne man jeweils erst mit ungefähr vier Stunden Vorlauf eine Prognose abgeben – wenn Züge mit Flüchtlingen in Wien starten.

Die deutschen Behörden waren im Verlauf des Sonntags von der Grösse des Flüchtlingsstroms aus Ungarn und Österreich überrascht worden. Ursprünglich waren etwa 7000 Menschen, genau so viele wie am Samstag, erwartet worden. Als es auf den Abend zuging, kamen jedoch immer mehr Menschen in Deutschland an. Schliesslich waren es 13'000. Übers Wochenende trafen somit rund 20'000 Flüchtlinge in München ein.

Männer klettern über einen Zaun Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Über Zäune und Grenzen: Die Zahl zur Flucht entschlossener Menschen ist weiter angestiegen. Reuters

«Wir kommen über die Nacht»

Helfer stellten deshalb am Abend 2500 zusätzliche Betten für Flüchtlinge auf, wie Hillenbrand sagte. «Wir kommen über die Nacht», hiess es. Jedem Flüchtling könne ein Dach über dem Kopf und ein Bett geboten werden.

In den Messehallen sei etwa die Zahl der Betten von zunächst 1700 erst um 600, dann um weitere 1000 aufgestockt worden. Zudem seien im leerstehenden Verwaltungsgebäude eines Autohauses 500 zusätzliche Plätze zum Übernachten eingerichtet worden. 400 Flüchtlinge könnten in einem Zug schlafen, den die Bahn dafür bereit gestellt habe.

«Rückstau à la Budapest vermeiden»

Die Behörden prüfen zudem weitere Möglichkeiten in München und Bayern, wo Menschen kurzfristig untergebracht werden könnten. «Natürlich sehen wir uns weiter um.» Hillenbrand sagte, die Verteilung der Flüchtlinge auf andere Bundesländer nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel müsse jetzt auf der Basis von 30'000 Menschen berechnet werden. Nur so könnten am Montag Sonderzüge Tausende Flüchtlinge aus Bayern wegbringen.

Man müsse alles tun, «um einen Rückstau a la Budapest zu vermeiden», sagte der Regierungspräsident von Oberbayern. Im Moment sei man in München Herr der Lage, aber: «Wir schaffen nicht alles.» Hillenbrand zufolge waren übers Wochenende in München insgesamt rund 10'000 Einsatzkräfte und Helfer im Einsatz.

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