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International Wuchtiger Brexit der «Vergessenen» in Nordengland

Zwar ist das Abstimmungsergebnis im Vereinigten Königreich nur knapp zugunsten eines EU-Austritts ausgegangen. Doch im Norden Englands war das Resultat sehr deutlich. In der Arbeitstadt Carlisle etwa votierten die abtrünnigen Labour-Anhänger mit 70 Prozent für Brexit.

Brexit.
Legende: Wie weiter nach dem Brexit, der das Vereinigte Königreich spaltet wie kaum je zuvor? Keystone

Über der Innenstadt von Carlisle hört man wie am Vortag der historischen Abstimmung die Möwen schreien. Vielleicht sogar klarer heute, denn viele Leute sind am Vormittag nicht unterwegs. Die meisten haben wohl in der Nacht die Auszählung verfolgt und ruhen sich etwas aus.

Einem sportlichen Mitfünfziger scheint die Auszählungsnacht jedoch gar beflügelt zu haben: «Das war eine gute Entscheidung, ich habe auch für einen Austritt gestimmt und bin glücklich.» Anders eine etwa gleichaltrige Frau, die den Tränen nahe sagt: «Es tut mir so leid. Es ist ein schlechter Tag für mich, weil ich bleiben wollte.»

Das Versprechen der Populisten

Und der Chauffeur eines Lieferwagens meint, mit einem Austritt gewinne man ja gar nichts. Höchstens auf lange Sicht vielleicht. Vielleicht könnten seine Kinder einmal davon profitieren, aber er sicher nicht. Er geht davon aus, dass es mit einem Austritt Grossbritanniens aus der EU kaum neue Jobs geben wird.

Andere stimmten gerade in der Hoffnung auf Arbeit für einen Austritt, weil dann die Konkurrenz der Einwanderer wegfalle. Es gebe zu viel Immigration in diesem Land, sagt ein anderer Passant. Zudem sei die EU zu stark reguliert.

Ein Aufschrei

Nach ersten Abstimmungsanalysen ist das massive Austrittsvotum der zurückgelassenen Gegenden des englischen Nordens auch ein Votum gegen die Regierung in London. Für die Eliten, die nichts für die Region unternehmen, dafür Sparpakete verordneten. Die Schliessung von Spitälern etwa oder von Bibliotheken und Schwimmbädern. Es sei ein Aufschrei der Vergessenen gewesen, hört man auch.

Dieser Schrei war sicher bis London hörbar. Ob er etwas nützt, darf bezweifelt werden. Schatzkanzler Osborne hatte schon im Vorfeld der Brexit-Abstimmung angekündigt, dass bei einem EU-Austritt weitere harte Sparpakete folgten.

(Sendebezug: Sondersendungen zum Brexit bei SRF)

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4 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Weil die Sozialisten ihren Auftrag vergessen haben, so wie auch in der wohlhabenden Insel CH, haben sie sich dem Heimatgedanken angefreundet , lieber eigenes Brot backen wie vergifteten Kuchen der EU konsumieren . Die heutige EU ist ein Haufen untauglicher Bürokraten, die frech die Steuergelder der EU -Büezer nach ihrem Geschmack und Gutdünken unproduktiv verteilen . Die EU muss sich schnellstens reformieren wenn sie überleben will - ich sehe nur ein Freihandels -EUROPA das Zukunft besitzt.
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  • Kommentar von Otto Murbach (OttoMurbach)
    N. Bächler. Es ist schon frappant, wie sie alles besser und zum Voraus wissen.
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  • Kommentar von Niklaus Bächler (SVP-Hinterfrager)
    Es zeigt sich, dass die «Arbeiterklasse» massiv anfällig für rechtsnationalistisches Gebrüll sind... Sie werden jedoch die ersten und grössten Verlierer sein...
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    1. Antwort von Bruno Vogt (b.vogt)
      Wer was verliert das wird sich dann noch zeigen Hr Bächler. Die Frage muss doch lauten, was haben die letzten 30 Jahre diesen Menschen gebracht, bei denen sie in der EU waren? Scheinbar nicht genug sonst gäbe es diese sozialen Probleme nicht. Ganz offensichtlich müssen andere Ansätze her.
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