Zehntausende bei Erdogan-Demo in Köln

Zwei Wochen nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei demonstrierten in Köln laut neusten Schätzungen gegen 40'000 Menschen ihre Solidarität mit Präsident Recep Tayyip Erdogan. Zu den befürchteten Ausschreitungen kam es nicht. Der Kölner Polizeipräsident zeigte sich zufrieden.

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Grossdemo in Köln: Tausende huldigen Erdogan

1:43 min, aus Tagesschau vom 31.7.2016

Zehntausende Deutschtürken demonstrierten seit dem frühen Nachmittag in Köln ihre Unterstützung für Präsident Recep Tayyip Erdogan. Die Teilnehmerzahl wurde von der Polizei zunächst mit 20'000 angegeben, spätere Schätzungen gehen von gegen 40'000 Demonstranten aus.

Der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies zeigte sich nach dem Ende der Pro-Erdogan-Demonstration zufrieden. «Der gesamte Einsatz ist positiv verlaufen. Wir haben die Versammlung so durchführen können wie vorgesehen», sagte Mathies am Abend in einer ersten Bilanz.

Zeitgleich zur Grossdemonstration der Erdogan-Anhänger gab es Gegendemonstrationen. Eine Versammlung von Rechtsextremen wurde durch die Polizei aufgelöst. Insgesamt kamen zu den angemeldeten vier Gegenveranstaltungen jdeoch weit weniger Menschen als erwartet.

Demonstranten feierten Erdogan

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Sorge um Menschenrechte

Der Generalsekretär des Europarates, Thorbjørn Jagland, reist kommende Woche nach Ankara. Dort will er sich aus erster Hand über die Menschenrechts-Situation informieren. Angesichts der Verhaftungswellen und Amnesty-International-Berichten über Misshandlungen und Folter war die Forderung nach einer Beobachtermission des Europarats laut geworden.

Bei der Hauptveranstaltung gedachten die Teilnehmer mit einer Schweigeminute der Opfer des gescheiterten Militärputsches sowie der Opfer der jüngsten Terroranschläge in Frankreich, Deutschland und der Türkei. Zentrale Botschaft war jedoch die uneingeschränkte Unterstützung für Erdogans Politik. Bei jeder Erwähnung durch einen Redner wurde der Präsident frenetisch gefeiert.

Massgeblich mitorganisiert hat die Kundgebung die Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), die der türkischen Regierungspartei AKP sehr nahesteht. Die Veranstalter riefen immer wieder zum Zusammenhalt auf. Man wolle friedlich für Rechtsstaatlichkeit eintreten und stehe «auf der Seite des wehrhaften türkischen Volkes». Kritik an Erdogans rigorosem Vorgehen gegen angebliche Staatsfeinde und den 18'000 Verhaftungen gab es nicht.

Bisher keine grösseren Zusammenstösse

Die Polizei war mit Wasserwerfern und 2700 Beamten vor Ort. Das sind neunmal mehr Polizisten als normalerweise im Einsatz stehen.