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Schotten prüfen Unabhängigkeit Zerbricht das Vereinigte Königreich am Brexit?

Die britischen Inseln sind in Bewegung. England will einen harten Brexit. Wales fährt mit, aber nur widerwillig. Irland spricht über die Wiedervereinigung mit Nordirland. Und jetzt will sich Schottland gar ganz aus dem britischen Staatsverband verabschieden.

Legende: Audio Die Schotten sollen zwischen Brexit und Unabhängigkeit wählen abspielen. Laufzeit 03:07 Minuten.
03:07 min, aus Echo der Zeit vom 13.03.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schottland strebt wegen des Brexit ein neues Referendum über eine Unabhängigkeit von Grossbritannien an.
  • Kommende Woche soll das Parlament der schottischen Regierungschefin Sturgeon die Erlaubnis geben, das Referendum von London genehmigen zu lassen.
  • Eine Mehrheit der Schotten hatte sich gegen einen Brexit ausgesprochen. Die schottische Regierung forderte eine Sonderrolle, biss in London damit aber auf Granit.
  • Beim ersten Unabhängigkeits-Referendum stimmten die Schotten im September 2014 mit rund 55 Prozent für einen Verbleib in Grossbritannien.

Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon ist vorgeprescht: Sie habe Premierministerin Theresa May jede Möglichkeit zum Kompromiss gegeben, erklärte sie. «Aber nicht genug damit, dass es jetzt keine Einigung über die Verhandlungen mit der EU gibt. Nein, London hat sich keinen Millimeter auf Schottland zubewegt.»

Deshalb will Sturgeon den Schotten nun die Wahl zwischen einem harten Brexit mit dem Rest des Landes und der Unabhängigkeit Schottlands geben.

London muss Referendum zustimmen

Schon nächste Woche will Sturgeon das schottische Parlament in Edinburgh um die Vollmacht bitten, die Zustimmung der britischen Regierung und des Parlaments für das Unabhängigkeits-Referendum zu erlangen.

Theresa May hat sich zwar schon abfällig über Sturgeons Vorhaben geäussert, aber ihre Zustimmung nicht ausdrücklich verweigert. Der Tunnelblick der schottischen Nationalisten sei bedauerlich und bringe Schottland bloss Unsicherheit und Zwist, «denn Politik ist kein Spiel».

Abstimmen ja, aber wann?

Ein Konflikt über den Zeitpunkt der Abstimmung zeichnet sich jedoch schon ab. Sie müsse zwischen Herbst 2018, wenn die Umrisse des Brexit bekannt seien, und dem eigentlichen Austritt Grossbritanniens aus der EU im Frühjahr 2019 stattfinden, forderte Sturgeon.

Die Regierung in London dagegen will die Abstimmung auf nach den Brexit hinauszögern.

Knappes Nein in aktuellen Umfragen

Meinungsumfragen zeigen, dass die schottischen Separatisten noch immer eine knappe Minderheit bilden.

Doch eine unbeliebte konservative Regierung in London, eine geschwächte Labour-Partei und ein schmerzhafter Brexit könnten den Umschwung bringen, wie die schottischen Nationalisten hoffen.

Schottland seit 1603 Teil des britischen Königreichs

Die Beziehungen Schottlands zum grossen Nachbarn waren oft schwierig. 1290 annektierte der englische König Eduard I. Schottland. Es folgten verschiedene Unabhängigkeitskriege, bis die Schotten 1302 wieder einen eigenen Thron erlangten. 1603 wurde Jakob VI. von Schottland als Jakob I. auch König von England. So wurden beide Königreiche vereint.
1707 wurde Schottland formal mit England zum Königreich Grossbritannien
vereinigt. Die Schotten lösten ihr Parlament auf und schickten
Abgeordnete ins Parlament nach London. Schottland behielt aber sein
eigenes Rechtssystem.
Ende des 18. Jahrhunderts begannen zugezogene englische und alteingesessene Gutsbesitzer aus den Lowlands in den Highlands landlose Kleinbauern und Pächter zu vertreiben, um Platz für ihre Schafzuchten zu gewinnen. Dabei zerstörten sie oft ganze Dorfgemeinschaften und trieben die Vertriebenen zum Teil mit Gewalt auf Schiffe von Auswanderern.
Im 19. Jahrhundert erreichte die industrielle Revolution Schottland. Die Wirtschaft erlebte einen Aufschwung und die schottischen Städte prosperierten. Verschiedene Versuche Schottlands, ein eigenes Parlament zu installieren, misslangen. Erst 1999 bekam Schottland ein eigenes Parlament in Edinburgh für innenpolitische Belange.
Am 18. September 2014 stimmten 55 Prozent der Schotten gegen eine Loslösung von Grossbritannien. Am ersten Unabhängigkeits-Referendum beteiligten sich 85 Prozent der Stimmbevölkerung.

Entscheidende Brexit-Debatte

Entscheidende Brexit-Debatte
Legende: Reuters

Das britische Unterhaus hat am Montag mit der entscheidenden Debatte über das Brexit-Gesetz begonnen. Die Regierung kündigte an, die Änderungen des Oberhauses an dem Gesetzentwurf im Unterhaus würden dann wieder rückgängig gemacht. Britischen Medien zufolge könnte May bereits am Dienstag die offizielle EU-Austrittserklärung nach Brüssel schicken.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Otto Murbach (OttoMurbach)
    Jedes Land soll das Recht haben seine Integrität zu verteidigen oder wieder zu erlangen. Wenn England dies tut, soll es auch ihre angegliederten Länder dies tun lassen, gilt auch für die EU. Nur durch eigene Grenzen und Währungen aber ohne Abschottung kann die Eigenständigkeit und die Bereitschaft mit anderen Ländern Handel zu betreiben und dem eigenen Willen und Werten, entsprechen.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Schottland wäre sehr kurzsichtig, wenn es in den jetzigen Turbulenzen England verlassen würde. Der Brexit ermöglicht den starken EU-Ländern dringend nötige Reformen schneller und weitreichender anzupacken. Eine Wirtschafts-Union der verschiedenen Geschwindigkeiten ist sehr wahrscheinlich. Was mit dem Euro passiert (nach den Wahlen in FR & DE) ist derzeit noch unklar. Jedenfalls ist das jetzige grosse EU-Schiff arg in Schräglage geraten. Deshalb wird man gefährliche Ladung "löschen".
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Ich glaube nicht, dass die Schotten aus GB tatsächlich austreten werden. Per Saldo überwiegen wahrscheinlich die Nachteile, welche durch die EU nicht wettgemacht werden können.
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    1. Antwort von Urs Müller (Confoederatio)
      Wie sehen die Vor- & Nachteile aus?
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