Zerstörung von Kulturstätten als Kriegsverbrechen

Am Montag beginnt der Prozess gegen einen Dschihadisten, der im westafrikanischen Mali 2012 Kulturstätten zerstört haben soll. Ein wichtiger Präzedenzfall: Noch nie hat der internationale Strafgerichtshof die Vernichtung von Weltkulturerbe geahndet.

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Erster Prozess nach Zerstörung von Kulturstätten

1:49 min, aus Tagesschau vom 21.8.2016

Mit Schaufeln und Äxten hatten die Islamisten die jahrhundertealte Mausoleen in Timbuktu in Mali im Jahr 2012 zerstört. Die Extremisten sahen darin eine Abweichung vom Islam. Der Angeklagte Ahmad al Faqi al Mahdi will sich im am Montag beginnenden Prozess am internationalen Strafgerichtshof in Den Haag für die Tat schuldig bekennen.

Das Urteil könnte von grosser Bedeutung sein, da Mali kein Einzelfall ist. Zahlreiche Unesco-Weltkulturerbestätten, wie das antike Palmyra in Syrien, sind in den letzten Jahren zerstört oder stark beschädigt worden.

Ein zerstörtes Mausoleum in Timbuktu. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: 14 Mausoleen wurden im Norden Timbuktus 2012 von islamistischen Extremisten zerstört. Keystone

Zeichen der Staatengemeinschaft

Kunstrechts-Experte Andrea Raschèr spricht daher beim Prozess von einem wichtigen Präzedenzfall.

Auch wenn am Montag kein Staat, sondern nur ein Einzeltäter vor Gericht steht. «Die Staatengemeinschaft sagt, das tolerieren wir nicht. Kulturgut ist identitätsstiftend. Wenn man Kulturgut zerstört, erniedrigt man auch eine Religionsgemeinschaft – ein Volk. Mit diesem Prozess wird zum ersten Mal ein klares Zeichen gesetzt», erklärt Raschèr gegenüber SRF.

Der politische Druck hat in den letzten Monaten stark zugenommen. Denn viele Terrorgruppen finanzieren sich auch mit dem Verkauf von gestohlenen Kulturgütern. Und benutzen die Zerstörungen systematisch als Propaganda- und Kriegsmittel.

Prozess schützt nicht vor weiteren Zerstörungen

Der ehemalige Vize-Direktor im Nationalmuseum von Aleppo bleibt trotz des Prozesses skeptisch. «Der Prozess ist ein wichtiger, symbolischer Schritt. Aber für die Menschen vor Ort verändert er nichts», sagt Mohamad Fakhro. Nur wenn die Kulturstätten besser geschützt würden, könnten die Zerstörer tatsächlich abgeschreckt werden. Ansonsten werde die Identität von uns allen vor unseren Augen zerstört, so der jetzige Doktorand an der Universität Bern.

Auch dank Geldern aus der Schweiz sind in Mali mittlerweile die meisten Mausoleen wieder aufgebaut. Der Prozess gegen al Faqi al Mahdi kann weitere Zerstörungen nicht verhindern. Doch verdeutlicht er, wie wichtig die Kulturstätten für die Identität der Völker sind.

Gefährdetes Weltkulturerbe in Syrien