Zika-Risiken: Forscher fordern Olympia-Verlegung

Die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro erhöhen die Gefahr einer weiteren Ausbreitung des Zika-Virus. Darauf haben 150 Wissenschaftler in einem offenen Brief an die Weltgesundheitsorganisation hingewiesen. Nur eine Absage oder Verlegung der Spiele könnte das Risiko mindern.

Experten in Schutzanzügen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Gegen die Mücke, die das Zika-Virus überträgt, werden in Rio seit Monaten Insektizide versprüht. Keystone

Mehr als 150 Gesundheitsexperten haben in einem offenen Brief die zeitliche oder räumliche Verlegung der Olympischen Spiele in Rio wegen der Zika-Epidemie empfohlen.

Die Wissenschaftler fürchten, dass Besucher die Krankheit in ihre Heimatländer schleppen könnten. In einem am Freitag veröffentlichten Schreiben an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf warnen die Experten vor globalen Gesundheitsrisiken. Eine halbe Million Besucher der Spiele könnten in Rio de Janeiro angesteckt werden und die Krankheit mit in ihre Heimatländer bringen.

Globale Gesundheitsrisiken

«Unsere vornehmliche Sorge gilt der globalen Gesundheit. Der brasilianische Zika-Stamm gefährdet die Gesundheit in einer Art und Weise, welche die Wissenschaft vorher noch nicht beobachtet hat», erklären die Unterzeichner. Vor allem in «armen, bislang nicht betroffenen Ländern in Südasien oder Afrika könnte riesiges Leid entstehen», hiess es weiter.

Die WHO solle eine unabhängige Expertengruppe aufstellen, die das Internationale Olympische Komitee zu den Risiken der Zika-Verbreitung beraten könne. Diesem Rat nicht zu folgen, wäre aus Sicht der Unterzeichner unverantwortlich, wie es im Brief heisst.

WHO hält Massnahmen für sinnlos

Die WHO sprach einer räumlichen oder zeitlichen Verlegung der Spiele wenig später allerdings die Sinnhaftigkeit ab. Die Massnahme würde die Ausbreitung des Virus «nicht signifikant beeinflussen».

Zudem hiess es in einer WHO-Mitteilung: «Brasilien ist eines von fast 60 Ländern, die momentan die Übertragung des Virus durch Moskitos melden. Die Menschen bereisen diese Länder aus einer Vielzahl von Gründen. Die beste Möglichkeit, das Ansteckungsrisiko zu minimieren, ist, die Reisehinweise zu beachten.» Bislang wird lediglich Schwangeren davon abgeraten, in die betroffenen Gebiete zu reisen.

Forscher der Universität Zürich beteiligt

151 Experten von Universitäten und Gesundheitszentren in 29 Ländern haben das Schreiben unterzeichnet, das unter anderem auch von Christopher Gaffney von der Universität Zürich initiiert worden war.

Der in Brasilien verbreitete Zika-Virus kann unter anderem schwere Schädelfehlbildungen bei Babys auslösen. Die brasilianische Regierung will die Besucher der Spiele im August unter anderem mit einer mehrsprachigen Handy-App über das Zika-Virus informieren. Schwangeren Frauen rät sie von einem Besuch ab.