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International «Zwangsversicherung» für US-Bürger

Die Gesundheitsreform «Obamacare» will über 40 Millionen US-Bürgern Zugang zu einer Krankenversicherung gewährleisten. Montagnacht endete die Frist, um sich anzumelden. Wer jetzt noch nicht versichert ist, muss sich beeilen – oder eine Busse zahlen.

Pflegerin in der Notfall-Aufnahme.
Legende: Die USA verfügten bislang als einzige Industrienation über keine allgemeine Krankenversicherung. Keystone

Die Gesundheitsreform «Patient Protection and Affordable Care Act» ist eines der Hauptanliegen von US-Präsident Barack Obama und wird deshalb auch oft «Obamacare» genannt. Das Hauptziel: Jeder US-Bürger soll künftig über eine Krankenversicherung verfügen.

Ausgenommen vom Versicherungszwang ist nur, wer bereits eine private Krankenversicherung hat oder durch den Arbeitgeber versichert ist. Auch gewisse Religionszugehörigkeiten sind ausgenommen.

Durch die Gesundheitsreform werden die Versicherungen ihrerseits verpflichtet, alle Patienten aufzunehmen – auch wenn diese Vorerkrankungen wie Diabetes oder hohen Blutdruck haben. Bei den Prämien darf nicht zwischen den Geschlechtern unterschieden werden. Bestehende Policen können auch nicht einfach widerrufen werden, wenn ein Versicherter erkrankt.

Sechs Millionen neue Policen

Ein Eckpfeiler von Obamas umfassender Gesundheitsreform ist das Online-Portal «Healthcare.gov». Über das staatliche Vergleichsportal für Versicherungen können Interessenten unter zahlreichen Angeboten das für sie am besten geeignete aussuchen. Dort erfahren Personen mit tiefem Einkommen, ob sie Anspruch auf staatliche Zuschüsse haben.

Die US-Bevölkerung hatte bis zum 31. März Zeit, eine Police abzuschliessen. Zwischen Oktober 2013 und März 2014 schrieben sich geschätzt über sechs Millionen Amerikaner für eine Krankenversicherung ein. Anvisiert waren sieben Millionen neue Versicherte.

Wer die Anmeldefrist verstreichen liess, erhalten einen Aufschub bis Mitte April. Danach werden Steuerzuschläge erhoben. Zu Beginn fallen diese Strafen moderat aus: In diesem Jahr 95 Dollar (oder 1 Prozent des Einkommens) bis hin zu 695 Dollar im Jahr 2016 (2,5 Prozent des Einkommens).

Ineffizientes Gesundheitssystem

Im Jahr 2011 hatten laut dem US-Büro für Volkszählung rund 48,6 Millionen Personen keine Krankenversicherung. Das entsprach 16 Prozent der Bevölkerung. Die Konsequenzen von fehlenden Krankenversicherungen sind verheerend: Jedes Jahr sterben rund 45'000 Menschen, wie eine Harvard-Studie zeigt. Wer die hohen Behandlungskosten nicht mehr zahlen kann, muss oftmals privaten Konkurs anmelden.

Dies soll sich mit der Reform ändern, erhofft sich die Regierung. Das Haushaltsbüro des Kongresses schätzt, dass bis Ende 2014 rund 14 Millionen Menschen eine Krankenversicherung erhalten werden. Bis 2016 sollen zusätzliche 25 Millionen Menschen versichert sein – das entspräche 91 Prozent aller US-Bürger und Personen mit Aufenthaltsberechtigung.

Unbeliebte Reform

Laut dem Haushaltsbüro des Kongresses belaufen sich die Kosten für die Reform auf 940 Milliarden Dollar für das kommende Jahrzehnt. Die Kosten könnten jedoch massiv höher ausfallen.

Zugleich sollen Ausgabensenkungen im Gesundheitswesen das staatliche Defizit bis 2019 um 138 Milliarden Dollar und im folgenden Jahrzehnt um 1,2 Billionen Dollar reduzieren.

«Obamacare» bleibt in der Bevölkerung jedoch weiterhin unbeliebt. Eine jüngste Umfrage zeigt, dass lediglich 41 Prozent der Befragten der Reform zustimmen. 53 Prozent sprachen sich dagegen aus. Die meisten prangern den Versicherungszwang als Beschneidung bürgerlicher Freiheitsrechte an.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Klein, Bern
    Was im Artikel fehlt: In diversen Bundesstaaten – alle von "Republikanern" regiert – gibt es ein Mindesteinkommen (!), das man nachweisen muss, um überhaupt Obamacare beantragen zu dürfen. Wer ärmer ist oder ein sehr unregelmässiges Einkommen hat (z.B. Gelegenheitsjobber, von denen es SEHR viele gibt, aber auch Künstler), der bekommt dor KEINE Krankenversicherung. Es trifft als gerade die Ärmsten, denen doch geholfen werden sollte. Grauenhafte Zustände!!
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  • Kommentar von Markus Guggisberg, Busswil
    Tut mir leid, aber die Amis tun mir leid. Alles nur noch Zwang. 2 Wochen Ferien, 40% Steuern, 57 Mio Arme, 1 Mio Soldaten, 300 Kriegsschiffe und Zwang zur Versicherung? Was ist das für eine Leben ???
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  • Kommentar von Marianne Roe, Gwatt
    Damit ist vorläufig die grenzenlose Freiheit und das Land der unbegrenzten Möglichkeiten durch Obama abgewürgt worden. Mir kommt das so vor, wie in der Schweiz, wo alles und jeder versichert und registriert sein muss. Schade ! Man kann nur hoffen, dass der Kontinent einmal wieder zur Freiheit zurück findet. Es gab in den USA nie Menschen die verhungert sind, Freunde boten wenn nötig Hilfe an; im Gegenteil durfte man bis vor Obama noch mittellos sein und so leben wie man das wollte.
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    1. Antwort von B. Küng, Biel
      Frau Roe, was spricht dagegen, eine Krankenversicherung zu haben? Damit wird den Menschen ja nur geholfen. Obama hat als Präsident der USA sicher vieles verbockt, aber die Einführung der Krankenversicherung für alle Bewohner der USA ist sicher eine grossartige Leistung, das werden mit der Zeit auch die Reps merken. Alle Präsidenten vor Obama haben es nicht fertiggebracht, die Krankenversicherung für alle zu etablieren.
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    2. Antwort von Katrin Müller, Dresden
      Welch eine Gehirnwäsche müssen die US-Amerikaner über die letzten Jahrzehnte bezogen haben,wenn sie es Freiheit nennen,in Armut leben zu dürfen,ggf. auf die Hilfe von Freunden angewiesen zu sein und auch noch früher sterben zu dürfen,weil sie Behandlungskosten nicht bezahlen können.Welchen vernünftigen Grund gibt es,als einziges Industrieland keinen flächendeckenden Krankenversicherungsschutz zu haben?!Danke,Obama!
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    3. Antwort von B. Küng, Schaffhausen
      @B. Küng: Obamacare ist eine gute Idee aber sehr sehr schlecht umgesetzt. Schonmal daran gedacht, dass sich das nicht alle leisten können? Und dann noch Bussen?
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    4. Antwort von T.Hofer, Rosshäusern
      @B. Küng: Ich glaube Frau Roe geht es mehr um das, was gegen die Pflicht eine Krankenkasse haben zu müssen spricht. Primär ist es, worunter auch wir seit Einführen des Obligatoriums leiden: Da sich Beanspruchen medizinischer Leistungen nur langfristig und indirekt auf deren Kosten auswirkt, während das Erbringen derselben unmittelbar Einfluss auf laufende erträge hat, besteht hier kunden- wie auch anbieterseitig eine Tendenz zu übermässig hohem Aufwand und der Verwendung überteuerter Mittel!
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    5. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @B. Küng: Viele Menschen aber waren schon in einer Krankenkasse, werden jetzt dazu gezwungen zu wechseln & viele unter ihnen zahlen jetzt mehr als vorher.
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    6. Antwort von Marianne Roe, Gwatt
      Ich glaube, man sollte sich mal richtig informieren. Es gab schon immer sehr günstige Versicherungen. Ich hab mal bei einer staatlichen Krankenversicherung gearbeitet. Wir schweizer können uns einfach nicht vorstellen, dass man einfach keine solche Versicherung will, oder man sich im Auto lieber nicht anschnallen möchte usw. Schweizer wissen nicht, welche Versicherung die Hilfe von Nachbarn + Freunden in den USA bedeuten. In der CH ist die Nachbarhilfe durch Vers. fast total verlorengegangen!!!
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