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Jahrestag in Blatten Viele Emotionen: So lief der Gedenkanlass auf dem Schuttkegel

  • Der offizielle Gedenkanlass auf dem Schuttkegel in Blatten ist zu Ende.
  • «Vor einem Jahr stand die Schweiz still», sagte die Bundesrätin Karin Keller-Sutter in ihrer Rede vor den rund 500 Gästen.
  • «Blatten wird nie wieder so sein wie früher, aber Blatten wird überleben», sagte der Walliser Staatsrat Christoph Darbellay.

Der Schuttkegel. Omnipräsent im Lötschental seit dem 28. Mai 2025. Mitten auf dem Schuttkegel stehen am Jahrestag zwei weisse Zelte, um den Gästen, die am Nachmittag am Gedenkanlass teilnehmen, Schatten zu spenden.

Der Bergsturz von Blatten am 28. Mai 2025

«Das war der Wunsch der Menschen von hier. Dass der Anlass an jenem Ort stattfindet, an dem sie lange Zeit gewohnt und gelebt haben», sagt Matthias Bellwald, Gemeindepräsident von Blatten. Deshalb hätten sie sich für den Schuttkegel entschieden.

Gebirgige Landschaft mit Zelt auf felsigem Gelände unter blauem Himmel.
Legende: Das Zelt spendet den Gästen während des Gedenkanlasses Schatten. SRF/Sabine Steiner

«Es ist fast wie in einer Mondlandschaft hier», sagt die SRF-Reporterin Sabine Steiner. Viele Steine, viel Sand, viel Geröll. Dort, wo bis vor einem Jahr der Altar der Kirche gestanden hat, steht auf einem Betonsockel ein Holzkreuz. Aber auch Bagger und Container sind zu sehen: «Man sieht, dass hier gearbeitet wird.»

Für die Gedenkfeier hatten sich rund 500 Menschen angemeldet. Darunter die rund 300 Einwohnerinnen und Einwohner von Blatten, die vor einem Jahr ihre Heimat verloren haben. Aber auch Behörden und zahlreiche Medienschaffende waren vor Ort.

Gruppe von Menschen vor Überresten eines überfluteten Dorfes mit Holzkreuz im Vordergrund.
Legende: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott

Die Behörden legten bei der Organisation des Jahrestags Wert darauf, die Blattnerinnen und Blattner vor der Medienöffentlichkeit zu schützen. Deshalb fand nach dem offiziellen Gedenkanlass eine Gedenkmesse in einem kleineren Rahmen statt, bei der die Einheimischen unter sich sein können.

Dem Gemeindepräsidenten Matthias Bellwald war es wichtig, dass die Menschen am Gedenkanlass Danke sagen können für die Hilfe, die sie bekommen haben. Und dass sie im zweiten Teil während der Gedenkmesse in sich gehen und sich mit dem Verlust vor Ort auseinandersetzen können.

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«Bei mir brechen heute viele Erinnerungen auf», sagt Matthias Bellwald. Aber er sehe auch, wie viel in diesem Jahr bereits gemacht worden sei. «Neben der Erinnerung an das alte Blatten blicke ich deshalb auch optimistisch nach vorn.»

«Ein nationaler Moment»

«Die Bilder haben sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt», sagte die Bundesrätin Karin Keller-Sutter in ihrer Rede. Und: «Was in Blatten geschah, war nicht einfach ein lokales Ereignis. Es war ein nationaler Moment. Ein Moment, der uns daran erinnert, wie verletzlich wir sind. Aber auch, wie stark wir sein können.»

Frau hält Rede im Freien, Publikum zuhört, Dekoration mit Schriftzug 'Heimatdorf'.
Legende: Bundesrätin Karin Keller-Sutter: «Die Bilder haben sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt.» KEYSTONE/Jean-Christophe Bott

Die Reaktionen der Schweiz auf Blatten hätten gezeigt: «Die Bergregionen sind ein zentraler Teil unseres Landes.» Die Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner, ihre Lebensgrundlagen und ihre Zukunft seien eine gemeinsame Aufgabe, so die Bundesrätin.

Kleine gelbe Blumen zwischen Steinen in Berglandschaft.
Legende: Auf dem Schuttkegel kehrt langsam die Natur zurück. SRF/Sabine Steiner

Der Walliser Staatsrat Christophe Darbellay sagte in seiner Rede: «Blatten wird nie mehr so sein wie früher, aber Blatten wird überleben.»

Nach dem Gedenkanlass sagte SRF-Reporterin Sabine Steiner: «Es war ein würdiger Anlass. Besonders emotional wurde es während den Musikeinlagen eines Schulchors und einer Band aus dem Lötschental. Und als um 15:24 Uhr die Glocken läuteten, war es mucksmäuschenstill.» Zu genau diesem Zeitpunkt vor einem Jahr geschah der Bergsturz.

SRF-Reporterin: «Viele Emotionen kommen wieder hoch»

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Wie geht es den Menschen aus Blatten?

SRF-Reporterin Sabine Steiner: Der Jahrestag ist für viele Betroffene ein schwieriger Tag. In den letzten Wochen habe ich in Gesprächen mit Einheimischen vermehrt eine gewisse Anspannung wahrgenommen. Viele Emotionen kommen wieder hoch, auch weil es in letzter Zeit wieder vermehrt Medienberichte zur Katastrophe gab. Einige haben gesagt, dass sie froh seien, wenn der Tag durch sei. Viele der rund 300 Blattnerinnen und Blattner sind zudem vor einigen Tagen zum ersten Mal in das zerstörte Dorf zurückgekehrt, um mit eigenen Augen die Wucht und die Zerstörung der Katastrophe zu sehen. Und auch am Jahrestag mussten sie sich dem Anblick stellen. Gleichzeitig sagen Betroffene, es sei wichtig für sie, innezuhalten und diesen Jahrestag gemeinsam zu begehen.

Wie haben die Betroffenen das vergangene Jahr erlebt?

Sie haben eine harte und aufreibende Zeit hinter sich. Innerhalb von Sekunden haben sie alles verloren, danach mussten sie ihr Leben neu ein- und ausrichten. Viele leben nach wie vor in einem Provisorium, die meisten wohnen in anderen Dörfern im Lötschental, oft in Ferienwohnungen. In Gesprächen erzählen Betroffene von einem ständigen Auf und Ab: Zum einen die Trauer um den grossen Verlust. Zum anderen die Dankbarkeit, mit dem Leben davongekommen zu sein. Dazu kommen finanzielle Sorgen und Unsicherheiten.

Wo steht der Wiederaufbau von Blatten?

Dass Blatten wieder aufgebaut wird, dafür setzen sich die Gemeindebehörden seit dem Tag der Katastrophe ein. Und der Kanton Wallis zieht mit. So wurde innert weniger Monate eine Gefahrenkarte erstellt, ein Sondergesetz verabschiedet, um den Wiederaufbau zu beschleunigen, und vor einigen Wochen startete man mit dem Bau der neuen Kantonsstrasse. Die Behörden, kantonale und kommunale, drücken auf das Gaspedal, damit Blatten im Jahr 2030 wieder stehen wird. Das Dorf wird aber kleiner als vorher. Ausserdem bleibt offen, wie viele der 300 Blattnerinnen und Blattner zurückkehren werden und wie das neue Dorf aussehen wird. Und ob fünf Jahre für den Wiederaufbau wirklich reichen werden.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 28.5.2026, 6.31 Uhr ; 

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