Nicht weit von der Kathedrale Notre-Dame entfernt, thront die Stoff-Höhlenlandschaft des Streetart-Künstlers JR – mitten auf der Seine.
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Bild 1 von 2. «La Caverne du Pont Neuf» von Künstler JR: Mit der Installation erhält Paris vorübergehend eine begehbare Höhle. Bildquelle: Éléa Jeanne Schmitter/Atelier JR.
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Bild 2 von 2. Blick von der anderen Seite: «Die Wahrnehmung der Installation verändert sich, je nach Blickwinkel und Lichtverhältnissen», sagt JR. Manche würden einen Felsbrocken sehen, andere einen Berg oder gar einen Gletscher. Bildquelle: Éléa Jeanne Schmitter/Atelier JR.
Die aufblasbare Ummantelung der Pont Neuf ähnelt einer felsigen Landschaft und ist von weitem sichtbar.
Die Konstruktion ist rund 120 Meter lang, 20 Meter breit und an manchen Stellen bis zu 18 Meter hoch.
Ohne den Lärm der Stadt
Das Innere der Höhle entführt die Besuchenden in eine andere Welt. Ein Tunnel führt durch die begehbare Installation aus Stoff, die einer Grotte ähnelt.
In der Höhle
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Bild 1 von 3. Der Weg durch den Tunnel ist Einweg. Man kommt nur von einer Seite rein und auf der anderen wieder heraus. Bildquelle: Zoe Geissler/SRF.
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Bild 2 von 3. Der Verkehr ist derzeit auf der ansonsten belebten Brücke gesperrt. Bildquelle: Zoe Geissler/SRF.
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Bild 3 von 3. Wie hoch die Kosten des Projekts von JR sind, ist nicht bekannt. In den französischen Medien kursieren jedoch Summen im sechsstelligen Bereich. JRs Team betont, dass das Vorhaben ausschliesslich durch den Verkauf von Werken von JR und durch private Partner finanziert wurde. Bildquelle: Éléa Jeanne Schmitter/Atelier JR.
Auffällig ist die Akustik: Beim Betreten verschwindet der Lärm der Stadt. Stattdessen tritt die Klanginstallation des ehemaligen Daft-Punk-Musikers Thomas Bangalter in den Vordergrund und untermalt das Höhlenerlebnis.
Zwischen Begeisterung und Ratlosigkeit
Viele der ersten Besucherinnen und Besucher sind eher zufällig bei der Eröffnung dabei. Denn diese wurde wegen Reparaturarbeiten kurzfristig angesetzt. Aber es sind auch solche hier, die auf die Eröffnung gewartet haben.
Eine junge Frau etwa, die unbedingt die Installation auf ihrem Kurztrip erleben wollte. Sie ist begeistert: «Man habe gar nicht das Gefühl, über die Pont Neuf zu schlendern». Auf der Brücke also, auf der sich normalerweise Autos, Roller und Fussgängerinnen tummeln. Eine andere junge Frau ist skeptischer. Sie fragt sich, was der Sinn der Installation sei. Zudem rieche es irgendwie komisch.
Tatsächlich wurde für das Kunstwerk auch ein Geruch entwickelt, der an nasse Erde erinnern soll. Ein Maturand zieht einen anderen Vergleich: «Es riecht nach Decathlon», findet er.
Eine Architektin ist von der Textur im Innern enttäuscht: «Ich habe mehr erwartet», sagt sie. Die aneinandergereihten Bogenformen erzeugten nicht wirklich den gewünschten Höhleneffekt, findet sie.
Klar wird bei der Eröffnung: Ob Kritik, oder Begeisterung – die Installation lässt die wenigsten kalt. Dies dürfte zu JRs Konzept dazugehören. Bei der Pressekonferenz erklärte er: «Man sieht darin, was man sehen will. Es gibt keine falsche Interpretation», so der Künstler.
Die Installation sei bereits zu einem Objekt der Begierde und der Abneigung geworden.
Wetter-Odyssee verhinderte geplante Eröffnung
Dass die Höhle überhaupt eröffnet werden konnte, war allerdings alles andere als sicher. Kurz vor der geplanten Eröffnung Anfang Juni beschädigten heftige Sturmböen die äussere Hülle. Die Eröffnung musste verschoben werden, die Risse repariert.
Diese Episode versteht JR als Teil des künstlerischen Prozesses: «Der Riss erinnert daran, dass Kunst nicht im luftleeren Raum stattfindet.» Das Werk habe nun eine sichtbare Narbe, als Erinnerung an die Reparatur.
Hommage an das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude
Ausgerechnet diese Wetterkapriolen geben JR eine Gemeinsamkeit mit dem verstorbenen Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude, die seine Installation würdigen soll.
Als sie die Pont Neuf vor rund 40 Jahren verhüllt hatten, stiessen sie auf politische Widerstände, JR jetzt auf stürmisches Wetter. Aber: «Wie Christo und Jeanne-Claude haben auch wir nicht aufgegeben», sagt er schmunzelnd.
Ende Juni verschwindet die Höhle wieder. Was dann bleibt, sind die unterschiedlichen Erinnerungen und Interpretationen.