Zum Inhalt springen
Inhalt

Alte Rollenbilder für Kinder Weihnachtsgeschenke in Pink und Blau

Spielzeughersteller und Kinderbuchverlage teilen die Welten der Kinder stark nach Geschlecht ein. Doch solche Kategorisierungen führen gemäss Experten in die falsche Richtung.

Legende: Video Geschenke in Pink und Blau: Rollen-Klischees zu Weihnachten abspielen. Laufzeit 09:23 Minuten.
Aus Kassensturz vom 27.11.2018.

Überraschungsfiguren für Playmobil: Die Farben der Verpackungen signalisieren den Kindern sehr deutlich: Pink ist für Mädchen, blau für Jungen. Auch in der Werbung werden sogenannte «Buben»-Spielzeuge – wie zum Beispiel der «Big Slime Battle» – explizit mit Buben beworben. Andererseits kleine Puppen – wie die «L.O.L. Surprise Pearls» – nur mit Mädchen.

Verschiedene Einflüsse

Haben Mädchen und Buben tatsächlich so unterschiedliche Spielbedürfnisse? Moritz Daum, Professor für Entwicklungspsychologie an der Universität Zürich, geht davon aus, dass nicht nur die Biologie, also die angeborenen Geschlechtshormone, die Kinder beeinflussen. Auch die Umwelt habe Einfluss, so Moritz Daum: «Das sind die Erwartungen der Eltern oder Grosseltern.» Zudem wollten Kinder meistens zu einer Gruppe gleichgeschlechtlicher Kinder gehören. Denn Kinder im Alter von vier bis zehn Jahren müssten ihre geschlechtliche Identität erst festigen.

Sachbücher erklären den Kindern die Welt. «Kassensturz» hat fünfzehn viel verkaufte Sachbücher ausgesucht. Nach Geschlechtern ausgezählt und analysiert hat die Bücher Franziska Vogt, Professorin und Leiterin des Zentrums Frühe Bildung der Pädagogischen Hochschule St. Gallen. Bei gut der Hälfte der Bücher kommen ähnlich viele weibliche wie männliche Personen vor, bei den anderen ist die Verteilung nicht ausgeglichen. In einigen Büchern werden stereotype Rollenbilder dargestellt.

Fast nur Buben als Lokführer

Bei den Berufsbildern zeigen einige Bücher eine sehr traditionelle Rollenverteilung. Im Sachbuch «Entdecke die Eisenbahn» von Ravensburger beispielsweise gibt es ausser einer Frau im Stellwerk nur männliche Lokführer. Im Gegensatz dazu wäre für Pädagogin Franziska Vogt eine Geschlechterausgeglichenheit aber von grossem Vorteil: «Wenn ein Mädchen sich dafür interessiert, Astronautin zu werden, wäre es schön, sie würde in einem Buch auch eine Astronautin sehen.»

Experiment: Was suchen sich Mädchen und Buben aus?

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

«Kassensturz» wollte wissen: Wie stark lassen sich Kinder von geschlechtsstereotypen Verpackungen leiten? Vier Kinder im Alter zwischen fünf und neun Jahren suchen deshalb für «Kassensturz» in einem grossen Spielzeugladen je vier Spielsachen aus.

Für das kleine Experiment bekommen die Kinder eine Kamera auf die Stirn. Und dann gehts los: Tatsächlich schauen die Mädchen bei Puppen sowie lila und rosa Verpackungen genauer hin. Die Buben hingegen bei Action-Lego – oder sie suchen ein ferngesteuertes Auto aus. «Weil es durch den Schnee und Wasser fahren kann», erklärt der siebenjährige Louis seine Wahl. Doch nicht nur: Auch Mädchen mögen Fahrzeuge wie den Playmobil-Camper. Die fünfjährige Pauline zu ihrer Wahl: «Weil ich mit dem Wohnwagen so gut fahren kann.»

Der Verlag Ravensburger, der in der vorliegenden Analyse für den Grossteil der Bücher mit unausgeglichenen Rollenbildern verantwortlich ist, schreibt «Kassensturz»: «Wir legen grossen Wert darauf, in unseren Büchern Geschlechterklischees zu vermeiden. Wir haben jedoch den Anspruch, die Lebensrealität abzubilden.»

Mann und Frau sind sich ähnlich

Für Entwicklungspsychologe Moritz Daum geht die Kategorisierung in eine Buben- oder eine Mädchenwelt in die falsche Richtung. «Das führt dazu, dass wir denken, dass Mädchen und Buben komplett unterschiedlich sind. Das sind sie in Wahrheit gar nicht.»

Legende: Video Moritz Daum, Prof. für Entwicklungspsychologie Uni Zürich: «Durch diese Kategorisierung denken wir, Jungen und Mädchen seien sehr unterschiedlich. Sind sie aber nicht.» abspielen. Laufzeit 00:22 Minuten.
Aus Kassensturz vom 27.11.2018.

Wie sollen nun Eltern mit stereotypen Geschenkwünschen umgehen? Für Franziska Vogt ist klar: «Das Wichtigste ist, das Interesse des Kindes zu wecken und das zu schenken, was das Kind will.» Deshalb ihr Tipp, wenn sich ein Mädchen eine Barbie wünscht: «Einen Bagger dazuschenken, damit die Barbie auch mit dem Bagger spielen kann.»

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

9 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Achim Frill (Afri)
    Das allererste Spielzeug, das ich meiner Tochter schenkte, war ein blaues Auto. Es hat sie nicht die Bohne interessiert. Auch die andere Tochter nicht. Ohne irgendwelchen Druck auszuüben, waren und sind für beide bis heute Frisuren, Fingernägel, Puppen, Mode ihr Tummelfeld. Mithilfe in meiner Werkstatt? Null Interesse. DAS ist die Realität meine Damen und Herren. Alles andere ist kranke Zwängerei eines überflüssigen und wohlstandsgeborenen Gesinnungstumors.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Eva Werle (Eva Werle)
    Nicht werten, heisst das Zauberwort. Wenn an Autos schrauben genau den gleichen gesellschaftlichen Wert hätte wie Kinder erziehen, dann könnte man Kindern auch überlassen, ob sie sich bei dem Spiel mit Autos oder Puppen in die eine oder andere Arbeit hineinversetzen. Über Gleichschaltung kann nicht über Ungleichwertigkeit hinweggetäuscht werden. Es muss aber Gleichwertigkeit (selbst bei eventueller Unterschiedlichkeit) das Ziel sein. Gilt für Genderfragen und alles andere auch.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Habe mir bei dem Fernsehbeitrag recht an den Kopf gefasst. Unsere Gesellschaft therapiert definitiv die falschen... Lasst Mädchen Mädchen sein und Buben Buben. Diese krampfhaften aktiven Gendermanagement-Efforts schon im Kindesalter sind krank. Experten, die selber schwul/lesbisch/anders orientiert wären, würden m.E. (als "Direktbetroffener") nie so einen Schwachsinn verbreiten. Das geht zu weit bzw. ist der falsche Ansatz. Ravensburger hat recht: es bildet die Realität ab. Punkt. Lasst es!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen