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Legende: Audio Arnold Hottinger – Koryphäe der Nahostberichterstattung abspielen. Laufzeit 06:09 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 21.05.2019.
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Arnold Hottinger ist tot «Er wollte keine Interviews mit den Mächtigen führen»

Arnold Hottinger hat vielen von uns den Nahen Osten erklärt. Nun ist er mit 92 Jahren gestorben. Hottinger war lange Jahre Nahost-Korrespondent der NZZ, später war er in Madrid und Nikosia, schrieb preisgekrönte Texte und Bücher und berichtete auch für das «Echo der Zeit». Der Journalist und Nahost-Experte Erich Gysling erinnert sich an einen Berufskollegen, der Generationen von Korrespondenten prägte.

Erich Gysling

Erich Gysling

Journalist und Publizist

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Erich Gysling (17. Juli 1936 in Zürich) arbeitete lange Jahre beim Schweizer Fernsehen, unter anderem als Leiter der Tagesschau und der Rundschau. Er gilt als profunder Kenner des Nahen Ostens und veröffentlichte mehrere Bücher zum Thema.

SRF News: Wenn Sie an Arnold Hottinger zurückdenken – welches Bild sehen Sie?

Erich Gysling: Das letzte Mal, als er bei uns in einem Seminar war, hat er uns auf grossartige Weise komplexe Zusammenhänge in Bezug auf den Syrien-Konflikt erklärt. Aus seinem immensen Wissen sagte er: «Ihr müsst den Konflikt wie ein dreistöckiges Haus verstehen. Unten im Parterre ist es ein Bürgerkrieg, im 1. Stock ein Regionalkonflikt und oben ein Konflikt der Supermächte.» Dann ging er in die Details.

Er konnte auch streng und leicht unerbittlich sein.

Hottinger war auf grossartige Weise fähig, der Öffentlichkeit die kompliziertesten Dinge so zu präsentieren, dass sie verständlich geworden sind.

Hottinger sprach sieben Sprachen, verschiedene arabische Dialekte, ihm war es wichtig, mit den Menschen in Kontakt zu treten. Hat das auch seine Berichterstattung geprägt?

Er hielt sehr wenig davon, mit den Grossen und Mächtigen der Welt Interviews zu führen. Er hat sich vielmehr darauf konzentriert, den Alltag zu begreifen. Diesen konnte er in sein grosses theoretisches Wissen über die arabische und islamische Welt integrieren. Uns jüngeren Kollegen in diesem Feld teilte er sein Wissen auf souveräne Art und Weise mit.

Sie sind zehn Jahre jünger, waren im gleichen Bereich tätig. War es manchmal auch schwierig, sich neben einer solchen Koryphäe zu behaupten?

Für mich war es nie schwierig. Ich hatte immer sehr gute Beziehungen zu ihm. Er konnte aber auch streng und leicht unerbittlich sein. Besonders gegenüber Journalisten, die sich anmassten, Dinge in Bezug auf den arabisch-islamischen Raum zu wissen, von denen sie doch nicht so viel Ahnung hatten. Ansonsten hatte er aber eine beispielhafte intellektuelle und persönliche Grosszügigkeit, die Bewunderung auslöste.

Hottinger schrieb in einer Zeit, in der es noch keine Computer gab, die Übermittlung der Texte erfolgte oft per Post. Hatte das Auswirkungen auf seine Art zu schreiben?

Ja, und es hatte Auswirkungen darauf, was er der Redaktion «zumutete». Er hat sich von Anfang an auf Hintergrundberichterstattung aus dem Nahen Osten konzentriert. Er wollte die Nachrichtenagenturen nicht konkurrenzieren. Manchmal verschwand er für Tage, ja sogar Wochen. Während des ersten Jemen-Krieges wusste etwa nicht einmal seine Frau, wo er sich genau aufhielt.

Hottinger arbeitete Hintergründe auf und machte keine Aktualitätsberichterstattung. Das war sein grosser journalistischer Wert.

Dann aber kam er zurück von seinen Reisen und steckte seine Texte in den Briefkasten. Sie erschienen mit entsprechender Verspätung in den Zeitungen. Das machte aber nichts. Hottinger arbeitete Hintergründe auf und machte keine Aktualitätsberichterstattung. Das war sein grosser journalistischer Wert. Die Redaktion musste einfach akzeptieren, dass er verschwand. Und irgendwann gewöhnte man sich daran. Es war eine ganz andere Art des Arbeitens.

Hat Hottingers Berichterstattung das Bild geprägt, das wir in der Deutschschweiz vom Nahen Osten haben?

Eigentlich sollte das so sein. Er machte sich aber keine Illusionen darüber, dass seine Berichte eine grosse Breitenwirkung haben würden. Er wusste, dass es leider bei einer relativ kleinen «Gemeinde» von Menschen bleiben würde, die wirklich etwas darüber wissen wollten.

Das Gespräch führte Simone Hulliger.

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