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Auf dem Mond gibt es Eis Woher das Wasser stammt – und wofür es nützlich sein könnte

Wasser ist Leben, glaubt der Laie. Ein Physiker bremst die Euphorie. Doch der Befund eröffne Chancen für die Raumfahrt.

Legende: Audio Wasser auf dem Mond: Forschergruppe erbringt Beweis abspielen. Laufzeit 04:48 Minuten.
04:48 min, aus SRF 4 News aktuell vom 22.08.2018.

Lange haben Wissenschaftler vermutet, dass es auf dem Mond gefrorene Wasservorkommen gibt. Nun ist einer Forschergruppe auf Hawaii gelungen, dieses in Form von Eis auf der Mondoberfläche nachzuweisen. Am Thema forscht auch das Institut für Experimentalphysik der Universität Bern.
Professor Nicolas Thomas erklärt, warum die Meldung Wissenschaftlerherzen höher schlagen lässt.

Nicolas Thomas

Nicolas Thomas

Professor für Experimentalphysik, Universität Bern

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Thomas ist Professor für Experimentalphysik am Physikalischen Institut der Universität Bern und dort an der Abteilung «Space Research and Planetary Sciences» tätig.

SRF News: Was bedeutet der Nachweis von Wasser auf dem Mond?

Nicolas Thomas: Für uns als Wissenschaftler ist vor allem interessant, woher das Wasser kommt. Wir glauben, dass es etwa von Kometen stammen könnte. Zudem ist Wasser ein Energieträger und könnte damit interessant als Trinkwasser für künftige Astronauten sein. Man kann nicht sämtliche Ressourcen von der Erde auf den Mond bringen.

Das heisst also, dass diese Entdeckung künftige Mondmissionen wahrscheinlicher macht?

Das glauben wir, ja. Wir sind davon ausgegangen, dass es insbesondere an den Polkappen des Mondes Wasservorkommen gibt. Der Nachweis macht eine Mission in eben diese Gebiete wahrscheinlicher.

Die Daten stammen von Aufnahmen aus dem Jahr 2008. Wie konnte man dieses Wasser so viel später nachweisen?

Die Erkenntnisse gehen auf die Mission der indischen Raumsonde Chandrayaan-1 zurück. Mit einem Infrarotspektrometer, das Licht in verschiedene Wellenlängen spaltet, kann der besondere Fingerabdruck von Wasser im Infrarot nachgewiesen werden. Diese «Absorptionslinien» können aber sehr klein sein.

Ich gehe davon aus, dass Menschen wieder zum Mond reisen werden. Es gibt mehrere Projekte, die das in den kommenden Jahren planen.

Man muss zurückgehen und neue Untersuchungen anstellen, um diese kleinen Absorptionslinien zu finden. Offensichtlich hat die hawaiianische Forschungsgruppe das getan und hat damit den Nachweis für Wasservorkommen auf der Mondoberfläche erbracht.

Die Forschungsgruppe teilt mit, sie habe eine «wenige Millimeter hohe Eisdecke» auf der Mondoberfläche gefunden. Gibt es denn noch mehr Wasser auf Mond?

Das kann durchaus sein. Das Infrarotspektrometer kann nur die oberste Schicht der Oberfläche untersuchen. Wassereis kann allerdings auch versteckt sein, etwa wenn es mit Staub vermischt ist. Das haben wir auch hier in Bern bei Laborexperimenten gemacht. Unter einer Oberfläche von rund zwei Metern kann sehr viel Wasser sein, wir wissen das schlichtweg nicht.

Der einfachste Weg, das weiter zu untersuchen, wäre, eine Raumsonde zu den entsprechenden Gebieten auf dem Mond zu schicken und zu graben. Es ist Zukunftsmusik. Ich gehe aber davon aus, dass Menschen wieder zum Mond reisen werden. Es gibt mehrere Projekte, die das in den kommenden Jahren planen.

Für den Laien bedeutet Wasser Leben. Wie sieht es damit auf dem Mond aus?

In dieser Frage bin ich sehr skeptisch. Der Mond hat keine Atmosphäre. Es ist kaum vorstellbar, dass es in dem Wassereis Leben gibt. Die energetischen Teilchen, die aus dem Raum auf die Mondoberfläche treffen, zerstören alles. Zudem sprechen wir von einer sehr geringen Menge an Wasser – es ist kein Vergleich zu den Wasservorkommen auf dem Mars. Wir wissen, dass es dort in der Vergangenheit ziemlich viel Wasser gab. Für den Mond haben wir keine solchen Hinweise.

Infografik: Wassereis auf dem Mond

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