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Alarm am Schwimmbeckenrand
Aus 10 vor 10 vom 25.07.2019.
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Badmeister warnen Smartphones lenken Eltern in der Badi ab

Täglich müssen Badmeister Kinder aus dem Wasser retten. Die Eltern seien zu sehr mit dem Smartphone beschäftigt.

Es ist heiss. Viele Eltern suchen mit ihren Kindern in diesen Tagen Abkühlung am Wasser. Die Badmeister der Winterthurer Badi Geiselweid müssen jetzt besonders wachsam sein. Mehrere Kinder scheinen ohne Begleitung eines Erwachsenen im Becken zu planschen. Kinder, die nicht den Anschein machen, geübte Schwimmer zu sein. Die Badmeister behalten die Kinder im Auge, greifen nur im äussersten Fall ein.

Handys sind heutzutage ein grosses Problem.
Autor: Philipp BucheltBetriebsleiter, Badi Geiselweid in Winterthur

Und dann passiert es: Der Badmeister muss ein kleines Mädchen mit Schwimmflügeli aus dem Becken helfen, das nicht aus eigener Kraft ins Trockene gelangt wäre. Zwischenfälle wie dieser kommen fast täglich vor. Philipp Buchelt, der Betriebsleiter der Winterthurer Badi, sieht diese Entwicklung kritisch: «Ein grosses Problem sind heutzutage die Handys. Man ist überall erreichbar und damit schnell abgelenkt. Genau in diesen Sekunden passieren die Unfälle.»

Aufsichtspflicht liegt bei den Eltern

Wie schnell ein Kind unbemerkt in eine lebensbedrohliche Situation geraten kann, zeigen Aufnahmen einer Überwachungskamera der Badi. Auf den Bildern ist zu sehen, wie ein Kind im Wasser in eine gefährliche Situation gerät und von einem Badmeister gerettet wird. Die Aufnahmen werden zur internen Weiterbildung der Badmeister verwendet.

Im Ernstfall zählen Sekunden

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Ertrinken ist bei Kindern nach Verkehrsunfällen der zweithäufigste Unfalltod. Kinder können die Gefahr des Wassers nicht einschätzen. Innert 20 Sekunden kann ein Kind untergehen warnt die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU). Die SLRG sowie die BFU empfehlen, Kinder am und im Wasser im Auge zu behalten. Kleine Kinder sollten in Griffnähe bleiben, das heisst drei Schritte oder 2 Meter entfernt. Schwimmhilfen wie Schwimmflügeli täuschten eine trügerische Sicherheit vor, besser seien Schwimm- oder Rettungswesten.

Die Sicherheitstipps der BFU finden Sie hier, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Die Situation in Winterthur beklagen auch andere Bäder. Dies bestätigt Michel Kunz, Präsident des Schweizer Badmeisterverbands. Er betont, dass die Aufsichtspflicht bei den Eltern liege. Badmeister kämen nur bei lebensbedrohlichen Situationen zum Einsatz.

Prävention trägt Früchte

Seit Jahrzehnten leisten die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) und die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) Präventionsarbeit. Diese Arbeit trägt Früchte: Ertrinkungsfälle von Kindern nehmen seit den 1990er-Jahren stetig ab. Am gefährdetsten sind heute Männer zwischen 15 und 30. Dennoch sind in der Schweiz im vergangenen Jahr vier Kinder ertrunken. Das grösste Risiko für sie besteht nicht in der überwachten Badi, sondern Zuhause.

Um Badeunfälle noch gezielter zu verhindern, erarbeitet die SLRG nun eine Statistik, die auch nicht tödliche Unfälle beinhaltet. «Wir haben ein grosses Interesse an Daten. Wir wollen wissen, warum und wie Unfälle passieren, um daraus ableiten zu können, wie wir unsere Präventionsarbeit verbessern können», sagt Philipp Binaghi, Mediensprecher der SLRG.

Dank jahrzehntelanger Prävention ertrinken heute weniger Kinder. Geräte wie das Smartphone und mit ihm die neuen Medien haben jedoch grosses Ablenkungspotenzial. Zum Schutz der Kinder müssen alle wachsam sein – insbesondere die Eltern.

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33 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Wespi  (PeterWespi)
    Vielleicht müsste man Workshops mit dem Inhalt „Kinder lernen den sinnvollen Umgang mit Handys und Eltern lernen den sinnvollen Umgang mit Kindern“ anbieten...
  • Kommentar von martin blättler  (bruggegumper)
    Ich versteh das nicht.Mit Kindern im Schwimmbad braucht man doch
    weder Handy noch Smartphone.Kindern das Schwimmen beizubringen,
    das Springen oder sogar ein Spiessli vom Turm ist derart spannend,
    dass ein solches Gerät nur stört.Ein Kind,das stolz sein neustes Können
    vorführen will,hat ungeteilte Aufmerksamkeit zugut.Manchmal klatscht
    dann sogar der Badmeister Beifall.Welch Erlebnis.
    1. Antwort von Jürg Brauchli  (Rondra)
      Das interessiert gewisse Mütter (unter der Woche..) eben eher weniger. Dass man sich auch mal um die kleinen Racker kümmern müsste, hat man wohl bei der Zeugung nicht bedacht. Ganz alles nimmt der Staat eben doch nicht ab.
  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Das haben Smartphones an sich, sie lenken vom Leben ab.
    1. Antwort von Margrit Holzhammer  (Margrit Holzhammer)
      @Olaf Schulenburg: Es liegt nicht am Smartphone, sondern am Benutzer!