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Besser zu zweit als allein Beziehungsstatus: Gesund

Partnerschaft zahlt sich aus: Längeres Leben, raschere Genesung, stabilere Psyche.

Legende: Video Hochzeit, Ehe, Partnerschaft: Macht Heiraten glücklich? abspielen. Laufzeit 35:04 Minuten.
Aus Puls vom 14.05.2018.

Wer verheiratet ist, hat mehr vom Leben. Das belegen zahlreiche Studien. Die Ehe schützt nicht nur vor Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen, Ehepartner haben auch bessere Prognosen, wenn sie an Krebs erkranken.

Der Beziehungsstatus hat sogar einen Effekt auf das Sterberisiko. Gemäss Bundesamts für Statistik, haben Verheiratete aller Altersklassen ein geringeres Risiko, im Verlauf eines Jahres zu sterben, als Ledige, Geschiedene, oder Verwitwete. So hat zum Beispiel ein 70-jähriger, lediger Mann ein Sterberisiko von rund drei Prozent, bei einem verheirateten ist es nur halb so hoch.

Nicht der Ehering zählt

Was macht denn nun gesund? Ist es die Ehe oder die stabile Partnerschaft? Laut François Höpflinger, Soziologe an der Universität Zürich, spielt der Trauschein keine Rolle: «Das Zentrale, das sich auf die Gesundheit auswirkt, ist die feste Beziehung.» Und fügt hinzu, dass die Beziehungsqualität dabei eine besondere Rolle spielt.

Die Gründe, weshalb sich der Beziehungsstatus in Studien und Statistiken niederschlägt, sind vielfältig. Eine feste Beziehung wirkt sich stabilisierend und positiv auf die Psyche aus, in einer Partnerschaft bewegt man sich häufiger, man raucht weniger und man ernährt sich in Zweisamkeit gesünder und regelmässiger.

Häufiger gesundes Gemüse

Das ist auch bei Höpflinger der Fall: «Ich bin eigentlich kein Salatesser. Doch weil meine Frau immer wieder welchen zubereitet, ernähre ich mich gesünder.» Dies wirkt sich positiv auf sein Herz-Kreislauf-System aus und schont sein Herz.

Eine weitere Ursache, die Personen in einer Beziehung gesünder macht, ist die gegenseitige Unterstützung in Lebenskrisen. Erkrankt eine Frau etwa an Brustkrebs, hat sie in einer Partnerschaft bessere Prognosen, den Tumor zu besiegen. Die stabilen Verhältnisse zuhause und die gute Gesundheitsversorgung unterstützen sie psychisch und auch körperlich, das führt zu einer tieferen Sterberate.

Erkrankt in einem anderen Fall ein Mann an Diabetes, hilft die Partnerin, sich gesund zu ernähren. Eine optimale Vorsorge vor Spätfolgen.

Männer sind stärker auf Frauen angewiesen

Auffallend ist, dass sich bei Männern der Beziehungsstatus stärker auf die Gesundheit auswirkt als bei Frauen. «Studien zeigen, dass Männer stärker auf die Frauen angewiesen sind», sagt Höpflinger. Ein verheirateter Mann schluckt seine Medikamente beispielsweise zuverlässiger. Denn die Partnerin übernimmt eine gewisse Kontrollfunktion, die dem Mann zugutekommt.

«Dass die Frau auf die Gesundheit des Partners achtet, ist historisch geprägt», sagt Höpflinger. «Die Frau wurde quasi verhäuslicht und war automatisch für die Gesundheit und die Hygiene der Familie verantwortlich.» Die Gesellschaft hat sich zwar gewandelt, doch diese Muster seien noch heute in den Köpfen verankert.

Dies zeigen Experimente: Stellt Höpflinger einen jungen Mann und eine junge Frau in eine Küche und lässt sie beide die Sauberkeit auf einer Skala von Null bis Hundert beurteilen, findet er klare Unterschiede: «Die Frau ist viel kritischer, was die Sauberkeit angeht», sagt Höpflinger.

Stärkere Wirkung im Alter

Vor allem Personen im hohen Alter profitieren vom Effekt der Partnerschaft. Je älter, desto höher das Risiko, krank zu werden. Genau dann profitieren Verheiratete davon, dass der Partner sie umsorgt. Und damit steigen die Chancen, wieder gesund zu werden.

Legende: Video Beziehungstipps von Christine Hefti abspielen. Laufzeit 01:12 Minuten.
Aus Puls vom 14.05.2018.

Eine Partnerschaft in jungen Jahren hat kaum Auswirkungen auf die Gesundheit. Bis zu einem Alter von 35 Jahren. «Freunde sind in dieser Lebensphase wichtiger», sagt François Höpflinger. «Das Freundschaftsnetz kompensiert eine Paarbeziehung zu einem grossen Teil.»

Freundschaft als Auffangnetz

«Vertrauenspersonen, mit denen man auch heikle Themen besprechen kann, sind wichtig», sagt Höpflinger. Sie sind ein wirksamer Schutz vor Einsamkeit und Depressionen und das Auffangnetz, wenn eine Beziehung auseinanderbricht.

Doch gerade nach langjährigen Beziehungen, in denen sich Partner zu stark aufeinander konzentriert haben, sind oft keine Freunde mehr da. «Das ist gerade bei älteren Personen immer häufiger ein Problem», sagt Höpflinger. Oft haben sie verlernt, sich um Freundschaften zu kümmern.

Deshalb rät der Soziologe allen Altersklassen, Freunde in alle möglichen Tätigkeiten mit einzubeziehen – egal ob Single oder verheiratet.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Dupont (udupont)
    Unter den Nichtverheirateten sind sehr viele, die mal verheiratet waren und höchstwahrscheinlich eine sehr nervige Scheidung hinter sich haben und damit einige Lebensjahre verloren haben. Das zieht somit die Lebenserwartung der Nichtverheirateten massiv nach unten,womit eigentlich das Gegenteil bewiesen ist: Heirate nicht und Du wirst tendenziell eher älter. Zudem wird das finanzielle Risiko für Männer immer untragbarer,da viele nach einer Scheidung nur noch Pflichten und keine Rechte mehr haben
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    1. Antwort von Redaktion PULS
      Nach einer Scheidung ist der positive Effekt gemäss Untersuchungen vom Soziologen François Höpflinger weg. So etwas wie einen Rucksack kann man sich durch eine langjährige Beziehung nicht packen. Wer sich nach einer Trennung auf eine neue Beziehung einlässt, profitiert wieder von Neuem von der tieferen Sterblichkeit, der rascheren Genesung und der stabileren Psyche, die eine Partnerschaft mit sich bringt.
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser (jeani)
    Eine "intakte Partnerschaft voller gegenseitigem Respekt" ist das wichtigste, verheiratet oder nicht spielt "keine Rolle"!
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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Eine Studie, die davon ablenken soll, dass gewisse Leute mit vielen Vorteilen auf die Welt und in die Welt kommen, andere nicht. Wer mit 20 Selbstvertrauen & Selbstwertgefühl, Ausbildung, Familie, FreundeInnen hat, wird besser leben & ne Familie gründen. Man tut so, als ob es eine freie Wahl wäre, ob man Familie gründet oder nicht. Wer als Kind psychischer & physischer Gewalt & Lieblosigkeit ausgesetzt war, ev. auch sexualisierter Gewalt, wird kaum ne Familie gründen, weil nicht beziehungsfähig.
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