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Die Hitzewelle kommt – wie gefährlich ist das für die Gesundheit?
Aus Tagesschau vom 23.06.2019.
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Bis zu 38 Grad «Eine Hitzewarnung bringt nicht viel»

Endlich Sommer! In der kommenden Woche müssen wir uns auf hochsommerliche Temperaturen einstellen, lokal sind sogar 38 Grad möglich. Doch was die einen mit grosser Vorfreude erwarten, kann für die anderen ein Gesundheitsrisiko darstellen. Das Bundesamt für Meteorologie hat eine Hitzewarnung der Stufe 3 herausgegeben. Was davon zu halten ist und wie man sich am besten gegen die Hitze wappnet, verrät Felix Blumer von SRF Meteo.

Felix Blumer

Felix Blumer

Meteorologe, SRF

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Blumer ist seit 1994 Meteorologe und arbeitet seit 2004 bei SRF Meteo.

SRF News: Der Bund warnt mit Gefahrenstufe 3 vor einer Hitzewelle. Ist das ein normaler Vorgang?

Felix Blumer: Ich habe ein grundsätzliches Problem mit diesen Hitzewarnungen. Es ist ja nicht so, dass man wirklich etwas dagegen tun kann, ausser vielleicht mehr Wasser trinken. Man muss trotzdem zur Arbeit, egal, ob dort überhaupt eine Klimaanlage steht oder nicht. Die Wetterdienste und auch der Bund haben angefangen immer mehr solcher Warnungen auszusprechen – es ist eine regelrechte Warnitis ausgebrochen. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Bei einer Gewitterwarnung erkenne ich den konkreten Nutzen. Dann weiss man, dass man beispielsweise die Sachen vom Balkon reinnehmen muss. Eine Hitzewarnung bringt dagegen nicht viel.

Was sollte bei solchen Temperaturen besonders beachtet werden?

Da sollte man sich an die Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit halten. Wichtige Punkte sind etwa: viel trinken, sich luftig anziehen, während der heissen Tageszeit körperliche Anstrengung vermeiden. Um das Zuhause möglichst kühl zu halten, wird intelligentes Lüften empfohlen. In den frühen Morgenstunden Fenster öffnen, dann Rolladen runter oder Fensterläden schliessen und nicht tagsüber lüften.

Was ist der Grund für die anhaltende Hitze?

Der Grund für die Hitze ist ein Hoch das über Dänemark liegt. Zusätzlich befindet sich ein Tiefdrucksystem stationär vor Portugal. Über Tage wird so ungehindert Hitze aus Afrika zu uns geführt. Die Nullgradgrenze steigt dabei bis auf 5000 Meter.

Kann man der Hitze überhaupt noch irgendwohin entfliehen?

Für Hitzegeplagte könnte es am ehesten im Oberengadin auszuhalten sein, vor allem wenn noch ein Lüftchen weht. Durch das Ansteigen des Ozons ist auch der Waldspaziergang nicht zu empfehlen. Am besten bei geschlossenen Fensterläden zuhause bleiben.

Wann gibt es Entwarnung?

Das lässt sich im Moment noch nicht sagen. Einzelne Gewitter sind am Freitag möglich. In aller Regel ist es aber so, dass sobald sich eine Hitzewelle eingestellt hat, sie auch länger dauert. Man muss entsprechend davon ausgehen, dass es die ganze Woche sonnig und heiss wird. Allerdings sind Prognosen von einer Woche oder mehr immer mit grosser Vorsicht zu geniessen.

Was ist der persönliche Abkühl-Tipp von Felix Blumer?

Baden gehen! Und wenn ich nicht arbeiten würde, dann würde ich wohl nach Skandinavien gehen. Denn, obwohl es auch dort warm sein kann, ist die Sonne nie so stechend wie hier.

Das Gespräch führte Sabina Hübner.

Wann spricht man von Hitzewellen?

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  • Der Begriff einer Hitzewelle ist reine Definitionssache und kein physikalisches Mass.
  • Kommt dazu, dass Hitze unterschiedlich wahrgenommen wird und auch stark von der Luftfeuchtigkeit abhängt.
  • Nimmt man die 30 Gradmarke als Hitzewert, findet man in der Schweiz aber einige ausgeprägte Hitzewellen.
  • Definiert man fünf Tage in Folge mit 30 Grad oder mehr, als Hitzewelle, so ist es seit der letzten Hitzewelle noch kein Jahr her.
  • Vom 29. Juli bis am 7. August 2018 gab es in Basel 11 Tage in Folge mit 30 Grad oder mehr.
  • So eindrücklich sich diese Hitzewelle ausnimmt, so unspektakulär war der absolute Höchstwert in Basel. Am 4. August wurden 34,8 Grad als Spitzenwert gemessen. Das sind fast 4 Grad weniger als beim absoluten Basler Hitzerekord am 13. August 2003 mit 38,6 Grad.
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38 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip  (W. Pip)
    Stimme mit Blumer total überein. Der Alarmismus kann eigentlich nur noch den Zweck haben, die Bevölkerung einzuschüchstern.
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  • Kommentar von Tom Duran  (Tom Duran)
    Alle Jahre wieder, dass Wetter.
    Heute in unserer Sensationsgesellschaft nenne wir es Extremwetter, früher nahm man es einfach Gottgegeben hin.
    Das Wetter war, ist und wird ein Europa immer wechselhaft sein, wie unsere Hyperpresse das auch immer nennen mag. Na ja, irgend was müssen die ja schreiben.
    Ich freue mich das es endlich Sommer wird.
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  • Kommentar von Florentin Bucher  (Bucher)
    Stimmt. Doch wie viel hat es in den Monaten Mai und Juni geregnet?

    In den mit glazialen Sedimenten gefüllten Haupttälern der Schweiz mag das zutreffen.
    Da war selbst im trockenen Hitzesommer 2003 aussergewöhnlich viel Wasser, z.B. im Rhonetal - und zwar aufgrund der Gletscherschmelze. Diese Schmelzwassermenge wird ihren Peak ca. 2040 erreichen.

    Meine Message ist klar: Mit zwei, drei Tagen Gewitterregen (!) kann sich ein markant niedriger Grundwasserspiegel nicht erholen.
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