Neuer Besitzer will Geld sehen Blinq: Schluss mit Liebe – jetzt wird Geld gemacht

Die Dating-App Blinq wollte mit spontanen physischen Begegnungen das Flirten auf eine neue Stufe heben. Statt Liebe könnten es nun bald Plakate, Info-Displays und Schaufenster geben, die uns anmachen. Der Plakatwerber APG hat Blinq gekauft, um mit deren Beacon-Technologie Geld zu verdienen.

Ein Plakat mit einem Kuss-Mund, eine Passantin mit Kuss-Mund. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Werden wir in Zukunft von Plakaten angeflirtet – nicht nur am Valentinstag? Flickr (Razza Mathadsa/Hydroxy)/SRF (Montage)

  • APG hat in der Schweiz rund 150'000 Plakatstellen. Einige davon könnten schon bald mit unseren Smartphones kommunizieren .
  • Die Technologie dazu sind Beacons, kleine Bluetooth-Sender.
  • Beacons gelten in der Branche derzeit als die Lösung, klassischen Offline-Geschäften die Wettbewerbsvorteile des Online-Handels zu ermöglichen.

Plakatwerbung ist komplex. Begriffe wie «Auszugbürste», «Belegungsraster», «City Format», «Durchgangswinkel» oder «SPR+» sind Eingeweihten geläufig, nicht aber jenen, die an den Aussenwerbeflächen vorbeigehen. Wobei die nicht so genannt werden wollen, sondern «Out of Home Media» heissen. Dies, weil es heute nicht mehr nur um Plakate geht, sondern auch um digitale Displays – und vor allem Smartphones, quasi die Plakate in unseren Hosentaschen.

Sie werden immer mehr mit klassischen Plakaten Kontakt aufnehmen. Die Technologie dazu heisst Beacon. Das sind kleine Bluetooth-Sender, die in ihre nähere Umgebung «ich bin da!» rufen resp. funken. Wenn ein Passant an einem Plakat vorbeikommt und sein Handy eine Kontaktaufnahme zulässt, also zurück ruft «Ich bin auch da! (lass' uns flirten)», kann der Beacon eine zusätzliche Information aufs Handy schicken oder so auch Kundenbindungs-Massnahmen durchführen, zum Beispiel einen Gutschein aufs Handy übertragen, der die nächsten 30 Minuten in einem Geschäft in der Nähe gültig ist.

Offline-Läden wollen sich auf unsere Smartphones ausdehnen

Beacons sind die Lieblingskinder jener, die im öffentlichen Raum Werbung verkaufen und diese in Zukunft vermehrt auch auf unsere Handys bringen möchten. Diese mobile Werbung gilt als Wachstumsmarkt – im Gegensatz zu Print und Fernsehen.

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Wenn Start-Ups fremd gehen

Oft kaufen Firmen Startups, um deren Technologie anders zu verwenden. Die Mobiliar etwa ist an Amphiro beteiligt, einem Wasserdurchlaufsmesser fürs Energiesparen beim Duschen. Der Fokus der Versicherung liegt woanders, sie möchte mit derselben Technologie bei Kunden rechtzeitig sich anbahnende Wasserschäden erkennen – und so Kosten sparen.

In der Schweiz verdient in erster Linie die APG mit Aussenwerbung Geld. Geld ausgegeben hat sie vor kurzem für den Kauf der Dating-Plattform Blinq. Die App setzt die Beacon-Technologie ein, um einem Benutzer zu ermöglichen, einen anderen Benutzer im Raum oder in unmittelbarer Nähe zu «sehen», auch wenn dieser die App gerade nicht geöffnet hat. Dies ermöglicht eine genaue Standortbestimmung von Smartphones, viel genauer als es ein GPS-Signal ermöglicht. Ideal, nicht nur, um Flirts zu starten, sondern eben auch, um Plakate mit Passanten in Kontakt zu bringen. Oder auch alle anderen Orte, die uns etwas verkaufen wollen, Schaufenster etwa.

So können physische Geschäfte mit den Sendern ihren stationären Handel mit der Online-Welt verbinden, zum Beispiel Kundenströme messen, den Kunden den Weg weisen wie die SBB im Zürcher HB, ihren Weg verfolgen so wie dies Valora vor kurzem am selben Ort gemacht hat (nicht mit Beacons, sondern mit Wlan), Produktplatzierungen optimieren und Kunden gezielt ansprechen mit Informationen in Echtzeit.

Bei Blinq gilt die wahre Liebe nun den Plakaten

Das alles können die reinen Online-Händler bereits heute – und sind damit erfolgreich, mit Beacons wollen die vom Online-Handel gebeutelten Offline-Läden nachziehen, in dem sie Beacons einsetzen als Pendant für die Cookies der Online-Welt.

Platz für diese hat APG mit rund 150'000 Plakatstellen in der Schweiz genug. Jene, die so ausgerüstet sein werden, können dann Passanten beim Vorbeigehen nette Botschaften auf das Handy senden – nicht nur am Valentinstag.

Wer hingegen via Blinq seine wahre Liebe finden möchte, muss sich beeilen. In etwa zwei Wochen wird der Verkupplungs-Dienst abgeschaltet.