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Schluss mit Stereotypen weiblicher Sexualität in Afrika
Aus Echo der Zeit vom 30.07.2021.
abspielen. Laufzeit 04:59 Minuten.
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Blog über Tabuthemen «Die Sexualität afrikanischer Frauen ist nicht so einseitig»

Nana Darkoa Sekyiamah schreibt über Liebe und Sex in Afrika – und tritt negativen Stereotypen und Tabus entgegen.

Als die Ghanaerin Nana Darkoa Sekyiamah vor zwölf Jahren ihren Blog «Adventures from the Bedrooms of African Women» startete, hatte das seinen Grund: «Es ist ein politischer Akt über Sex zu reden, vor allem für Frauen in Afrika. Weil weibliche Sexualität derart tabuisiert ist.» Die Feministin traf mit dem Blog einen Nerv. Bis heute besuchen im Schnitt mehrere Hundert Personen pro Tag den Blog, an Rekordtagen fast 80'000.

Der Blog hatte zum Ziel, Afrikanerinnen eine Plattform zu geben, um über Sexualität und verschiedene Lebens- und Liebesentwürfe zu lesen und zu schreiben. Denn in den Medien sei auf dem afrikanischen Kontinent dazu kaum etwas zu finden: «Wir lesen keine Geschichten über Frauen, die beschnitten sind und trotzdem ein lustvolles Sexleben haben oder über Frauen, die eine polygame Beziehung vorziehen, weil das Modell ihnen mehr Freiheit gibt.» Schliesslich hätten Frauen, die sich einen Ehemann teilen, mehr Zeit und Raum für sich selbst.

Einseitige Opferrolle

Afrikanische Frauen würden oft in Schubladen gesteckt und als Opfer dargestellt. Als Krankheitsträgerinnen, Unterdrückte, die nicht einmal Zugang zu Tampons und Binden hätten. Sie selbst habe sich von Stereotypen in ihrem Kopf befreien müssen, sagt Feministin Sekyiamah: «Ich bin selbst das Produkt einer polygamen Ehe. Doch auch ich musste mich von Vorstellung lösen, dass nur weil eine Frau in einer polygamen Ehe lebt, das noch lange nicht heisst, dass sie ihrem Mann gegenüber unterwürfig ist.»

Nana Darkoa Sekyiamah schreibt seit über einem Jahrzehnt über weibliche Sexualität in Afrika. Nun hat sie ein Buch geschrieben zum Thema. Für «The Sex Lives of African Women» hat die Ghanaerin während fünf Jahren mit Frauen in über dreissig afrikanischen Ländern gesprochen. Dabei sei ihr vor allem eine Gemeinsamkeit aufgefallen: der Einfluss von Religion und einer konservativen Erziehung.

Wenig Raum zum Ausprobieren

«Die meisten Frauen, mit denen ich gesprochen habe, wurden so erzogen, dass Sex etwas Negatives sei und nur in einem bestimmten Rahmen praktiziert werden darf: nämlich innerhalb der Ehe und zwar einer hetero Ehe», erklärt Sekyiamah. Zudem werde vielen jungen Afrikanerinnen eingebläut, dass brave Mädchen nicht mit Sex experimentierten.

Dazu kämen strukturelle Hindernisse. In Afrika sei es für viele Frauen praktisch unmöglich in Ruhe ihre Sexualität zu entdecken, weil sie es sich aus wirtschaftlichen Gründen nicht leisten könnten auszuziehen, bevor sie heirateten, erläutert Nana Darkoa Sekyiamah. Und Hotelzimmer könnten sich gerade junge Frauen oft nicht leisten.

Doch das Internetzeitalter helfe glücklicherweise, zumindest was Informationen anbelangt. «Viele afrikanische Feministinnen haben dort Räume geschaffen, wo junge Frauen und Mädchen ihre Sexualkunde selbst abholen können.» Um selbstbestimmt ihre Form von Liebesleben gestalten zu können.

Echo der Zeit, 30.07.2021, 18:00 Uhr

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Rochus Schmid  (Tell me yoõng)
    „Früher“ waren gesellschaftlich genormte Lebensformen stabilisierend. Heute sind individuelle Lebensentwürfe stabilisierend. Wir sind im Übergang. Bei der Vielfalt an Möglichkeiten ist es unumgänglich, dass jeder einzelne Mensch durch gut entwickelte Wahrnehmungsfähigkeit und Urteilsfähigkeit sein passendes Weltbild schafft. Dabei kann man sich durchaus an Traditionen orientieren, aber alles sollte frei gewählt sein.
  • Kommentar von Christian Kaiser  (Chriska)
    Toll, ein Blog für vielleicht etliche millionen Frauen ohne Internet zugang. Deshalb wohl representativ?
    1. Antwort von Christian Kunz  (CK124)
      ALLE Blogs der Welt sind nur erreichbar mit der nötigen Technik.
      Also was soll hier anders sein?
      Der Zugang ändert nichts daran, ob der Blog repräsentativ ist, oder dies überhaupt sein soll.
      Ist ein Briefkastenonkel repräsentativ?
      Der Blog soll Vielfalt zeigen, keine statistische Erhebung zum Thema weibliche Sexualität in Afrika machen.
      Und er zeigt eben nicht das Schwarz Weiss Bild des Westens, da gibt s mehr!
  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Lehrreich danke. Das Polygamie auch eine passende Form sein kann finde ich cool. Werde wohl weiter an meinen Liebesaffären schreiben, scheint bitternötig. Noch haben wir zu wenig schöne Wahlmöglichkeit wenn um Sex mit Liebe geht.