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Albtraum Bettwanzen: Diese «Feriensouvenirs» gehen ins Geld
Aus Kassensturz vom 17.08.2021.
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Böse Überraschung im Gepäck Albtraum Bettwanzen: Diese «Feriensouvenirs» gehen ins Geld

Die Bekämpfung des Ungeziefers kostet schnell Tausende von Franken. Der Hotelbetreiber ist aber schadenersatzpflichtig.

Es begann mit juckenden Stichen am Bauch und an den Beinen. Die Familie hatte drei Nächte im Unterwallis in einem guten Hotel übernachtet. «Am Abreisetag kratzte sich die Tochter heftig und wir dachten an Mückenstiche», sagt die Mutter. Tags darauf hatte auch sie grossflächig Stiche, dann ihr Mann.

In der Apotheke empfahl man ihnen ein Antiallergikum und meinte, es wären womöglich Flohbisse. Angesichts der arg zerstochenen Arme und Beine fuhr die Familie schliesslich nicht wie geplant ins Tessin, sondern blieb für den Rest der Ferien zuhause.

Wir sind schon viel gereist. Nie hätten wir erwartet, dass uns das in der Schweiz passiert.
Autor: Betroffene Familie

Die Stiche liessen der Mutter keine Ruhe, und sie informierte das Hotel über die «Flohbisse». Nach zwei Tagen antwortete das Hotel, man gehe der Sache nach. Erst eine Woche später kam die Bestätigung, dass eine Schädlingsbekämpfungs-Firma im besagten Zimmer Bettwanzen gefunden hatte. «Unglaublich», sagt die Mutter. Sie und ihr Mann seien viel gereist. Nie hätten sie erwartet, dass ihnen das in der Schweiz passiert.

Ein anderes Hotel weist sie darauf hin, dass Bettwanzen ins Gepäck steigen und so die Gefahr bestehe, die Tiere bei sich zu Hause einzuschleppen.

Tipps von Gabi Müller, Leiterin Schädlingsprävention und -beratung, Stadt Zürich

Kosten für Bekämpfung: Rund 4000 Franken

Zwei Tage später kam ein Kammerjäger zusammen mit einer Hundeführerin zur betroffenen Familie. Die Suchhunde sind spezialisiert, Bettwanzen zu riechen. Bettwanzen sind sehr klein, ausgewachsen so gross wie ein Apfelkern. Tagsüber verkriechen sie sich in Spalten oder hinter Abdeckungen. Die beiden Hunde zeigten im Schlafzimmer der Eltern und der Tochter an. Und auch bei den Koffern, die im Wallis mit dabei waren.

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Bettwanzen zu Hause: Das geht ins Geld
02:49 min, aus Espresso vom 17.08.2021.
abspielen. Laufzeit 02:49 Minuten.

Kammerjäger Ralph Stadler führte eine Hitzebehandlung durch. Das sei die wirksamste Art, die Bettwanzen loszuwerden, sagt der Fachmann. Während 48 Stunden werden die beiden Zimmer auf nahezu 60 Grad erhitzt. Die Vorbereitungen sind aufwändig: In den Zimmern muss alles auseinandergenommen werden, die Kleider bei 60 Grad gewaschen oder im Tumbler heiss getrocknet werden. Ralph Stadler schätzt die Kosten für die Behandlung auf rund 4000 Franken.

Bekämpfung durch Fachleute

Die Bekämpfung von Bettwanzen zuhause gehört in die Hände von Fachleuten, sagt Gabi Müller, Leiterin Schädlingsprävention und -beratung bei der Stadt Zürich. Seit 2006 nehmen Anfragen zu Bettwanzen bei ihrer Abteilung stark zu. Bei undefinierbaren Stichen empfiehlt sie, die Insekten zu suchen und von einer Fachperson bestimmen zu lassen. Sie rät, wer zerstochen aus den Ferien zurückkehrt, soll das Gepäck erst gar nicht in die Wohnung nehmen, sondern auf dem Balkon auspacken und die Kleider bei 60 Grad waschen.

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Franco Muff, Reiseombudsman: «Der Hotel-Betreiber ist schadenersatzpflichtig.»
Aus Kassensturz vom 17.08.2021.
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Das Hotel hat der Familie versichert, die Kosten für die Umtriebe zu begleichen. Und das muss es auch, erklärt Franco Muff, Ombudsman der Reisebranche: «Wenn der Verdacht bestätigt ist, dass man sich die Bettwanzen in der letzten Unterkunft geholt hat und die Tiere jetzt in der eigenen Wohnung sind, ist der Betreiber der Unterkunft schadenersatzpflichtig, zu welchem Prozentsatz muss man prüfen. Aus meiner Sicht kann das bis zu 100 Prozent sein.»

Trotzdem ist die Familie von der Reaktion des Hotels enttäuscht: Es hätte sehr lange gedauert bis das Hotel den Bettwanzen-Befall bestätigte. In dieser Zeit habe man nichtsahnend die Koffer ausgepackt und sei ins Ferienhaus der Grossmutter gereist. Diese Woche muss auch dieses Haus mit Spürhunden gecheckt werden.

Espresso, 17,08.21, 08:13 Uhr / Kassensturz 17.08.21, 21:05 Uhr

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Lily Mathys  (Alle vergeben)
    Ich muss gerade lachen wegen der Kostenuebernahme. Ist nur in Schweiz bzw. Über Reisebüros so. Ich nahm ein paar aus einem Park Hyatt mit. Ich fand sie in der Dusche. Seit dem sind alle Freunde ruhig, wenn ich auf 1 Woche Dusche des Gepäcks bestehe. Keller/Garage passt auch. Zumindest mir wurde das eingebläut. Warum dies nicht mehr umgesetzt wird ist mir schleierhaft. Verantwortung trägt eigentlich der Reisende f. SEIN Gepäck. Immer!
  • Kommentar von Carlo Quirici  (CQ)
    Bettwanzenstiche sind lästig aber nicht gefährlich, ist also nur halb so wild. Und ja, sie koennen sich auch im 5-Sterne Hotel verbreiten, trotz guter Versicherungen und Anwälte. Was vor 100 Jahren normal war gilt jetzt als Katastrophe.
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Die meisten Menschen bringen sie als Urlaubs-Mitbringsel oder durch den Kauf alter Möbel mit nach Hause. Sie verbreiten sich vor allem deswegen so rasant, da Reisende die kleinen Parasiten unbemerkt in ihrem Gepäck von Ort zu Ort transportieren und so für eine Ausbreitung der blutsaugenden Wanzen sorgen. Nicht lange darauf stellen sich erste Bisse ein. Bettwanzen sind immer eine besondere Herausforderung und sollten daher grundsätzlich von professionellen Schädlingsbekämpfern beseitigt werden.