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Panorama Der «grünen Lunge» der Erde geht's dreckiger denn je

Die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes in Brasilien nimmt weiter zu. Allein im August und September sind mehr als 1600 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt worden – über 120 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum im Jahr zuvor.

Allein in Brasilien wurde in den vergangenen 40 Jahren eine Fläche Urwald abgeholzt, die mit 763'000 Quadratkilometern über 18 Mal so gross ist wie die Schweiz. Plastischer ausgedrückt: Pro Stunde wurden Flächen so gross wie 526 Fussballfelder abholzt. Oder noch anders: Über 2000 Bäume gingen vier Jahrzehnte lang jede Minute zu Boden. Bereits heute würde eine Reduzierung der Abholzung auf Null nicht mehr reichen, um die essenzielle Klima-Rolle des Ökosystems zu garantieren, warnen Forscher.

Die Zahlen stammen aus der Studie «Klimatische Zukunft des Amazonas», die der Wissenschaftler Antonio Donato Nobre vorstellte. Die Studie in Auftrag gegeben hat das Netzwerk ARA.

Die Baumriesen und die üppige Vegetation im Amazonas befeuchten die Luftströme hoch über dem Regenwalddach. Sie helfen bei der Regenbildung, speichern Kohlenstoff und produzieren Sauerstoff. Zudem ziehen die Bäume im Amazonasbecken Wasser aus der Erde und «schwitzen» es wie Dampf-«Geysire aus Holz» wieder aus.

Tempo der Abholzung gebremst

«20 Milliarden Tonnen Wasser werden so pro Tag transpiriert. Um eine Vorstellung zu bekommen: Das Wasservolumen, das aus dem Amazonas-Fluss täglich in den Atlantik fliesst, liegt bei etwas mehr als 17 Milliarden Tonnen», so die Autoren der Studie.

Rolle und Bedeutung des Amazonas-Beckens als «grüne Lunge der Erde» sind hinlänglich bekannt. Trotz der anerkannten Erfolge der brasilianischen Regierung beim Waldschutz schrumpft der Regenwald aber weiter, wenn auch mit verminderter Geschwindigkeit.

Waren es 2004 noch 27'772 Quadratkilometer, die in Brasilien zerstört wurden, lag diese Quote 2011/2012 «nur» noch bei 4571 Quadratkilometern. «Brasilien verdient Anerkennung dafür, dass es diese Reduzierung erreicht hat», loben die Wissenschaftler. Doch sie machen klar, dass «egal zu welchen Kosten» ein absoluter Stopp notwendig ist. Mehr noch. Es muss wieder aufgeforstet werden.

Länder müssen zusammenarbeiten

Das ist auch eine multilaterale Aufgabe, denn die verbliebenen rund 6,9 Millionen Quadratkilometer Amazonas-Regenwald erstrecken sich über neun Länder: Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Peru, Ecuador, Surinam, Venezuela, Guyana und Französisch-Guyana.

«Es gibt eine grenzüberschreitende Waldzerstörung», sagt Cláudio Maretti, der für die Umweltstiftung WWF die «Iniciativa Amazônia Viva» leitet. Oft werde die Abholzung durch unkoordinierte Aktionen der einzelnen Länder begünstigt. «Was wir brauchen, ist eine integrierte Politik und abgestimmte Aktionen», so Maretti.

Legende: Video Wildes Brasilien - Der Amazonas abspielen. Laufzeit 48:11 Minuten.
Aus DOK vom 08.06.2014.

Greenpeace platziert heimlich Sender

Auch wenn die Bestimmungen für den Umweltschutz in Brasilien hart sind: Es gibt zu viele Schlupflöcher, die das illegale Abholzen und das Verschiffen wertvoller Tropenhölzer nach Übersee ermöglichen. Die Abholzungsrate stieg 2012/2013 wieder um 29 Prozent auf 5981 Quadratkilometer an. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace dokumentierte die Machenschaften der Holzmafia im Bundesstaat Pará, traditionell einer der Regionen mit der höchsten Waldzerstörungsrate.

Greenpeace-Aktivisten statteten die schweren Transportlastwagen heimlich mit GPS-Sendern aus und verfolgten deren illegale Fahrten zu den Sägewerken. Zur «Legalisierung» der Transporte in die USA oder in EU-Staaten dienen gefälschte Papiere, die in Brasilien nicht schwer zu bekommen sind. Oft werden laut Greenpeace auch Genehmigungen für legalen Holzeinschlag nicht genutzt und stattdessen für illegale Holzlieferungen zweckentfremdet.

Das Biotop

Der Amazonas ist der grösste zusammenhängende tropische Regenwald der Welt. Er zeichnet sich durch eine grosse Biodiversität aus. Erst ein Bruchteil der dort vorkommenden Spezies ist entdeckt und beschrieben. Forscher gehen davon aus, dass es zwischen fünf und zehn Millionen Arten gibt.

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33 Kommentare

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  • Kommentar von S. Sugano, Therwil
    Unglaublich diese Gleichgueldigkeit... Hauptsache der Wirtschaft geht es gut, doch wie lange noch? Wir sind Abhaenig von der Natur, ohne sind wir Tod.
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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    G.Schweizer"Die grössten Umweltsünden sind in der CH lange vor der PFZ passiert"Die Menschheit im Allgemeinen,die CH im Speziellen hat,seit man zurückdenken kann,Natur,Umwelt,Tieren immer wieder Schreckliches angetan mit Gift,Krieg,Jagd,Verschmutzung aller Elemente,aber bes.durch seine krankhafte Expansion,die alles andere Leben auf Erden verdrängt,von Wildbiene bis Tiger,Tagfalter bis Braunbär.Solange wir unsern Bestand nicht stabilisieren od.besser reduzieren,sind Ökomassnahmen Leerlauf pur.
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    1. Antwort von Gerhard Schweizer, Bern
      B.Hermann, sie möchten "unseren Bestand" reduzieren? Sind sie nicht auch derjenige, der umzäunte, bewachte Asylanten-Lager fordert? Wenn ich jetzt schreibe, was ich denke, wird es wieder zensiert, aber es dürfte klar sein, aus welcher Ecke sie kommen. Mal eine Frage, angenommen kein CH`ler würde mehr auswandern, kein Ausländer käme herein und die Schweizer würden plötzlich ihre Freude an Grossfamilien entdecken. Müssten wir dann gemäss Ecoflop unsere Kinder dezimieren? Ganz in ihrem Sinne, oder?
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    2. Antwort von Rainer Fauser, Augsburg
      @Schweizer:Jedes Mal wenn man auf den kausalen logischen Zusammenhang zwischen Menschenzahl und Umweltvernichtung hinweist und von daher folglich die Menschenmassenreduktion fordert,werden wir ausgegrenzt u. in die braune Ecke gestellt!Was ist Ihnen denn lieber,präventive Selbstbeschränkung oder der gewaltsame Exodus von Flora/Fauna+Mensch durch Naturzerstörung oder Kriege um Rohstoffe,Nahrung,usw.,die es heute schon wg. der Überbevölkerung und der Geldgier gibt?->Naturschutz ist für die Katz!
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    3. Antwort von Jens Brügger, Schaffhausen
      G. Schweizer hat eben noch nicht begriffen, das man mit Beleidigungen niemandes Meinung ändern kann. Es hat eher die gegenteilige Wirkung.
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  • Kommentar von Röbi Schnyder, Kloten
    1990 haben wir zus. mit u/indigenen Verwandten gegen den Kahlschlag protestiert. Heute: Die selben Konzerne, aus Neuseeland, Europa und den USA, nur mit viel rationelleren Erntemaschinen. Wir warnen nicht mehr, es hat keinen Sinn, denn die "zivilisierte und "Konsum-Junkie-orientierte " Menschheit in den Molochen der Städte wird sich weiterhin verdichten, zubetonieren und vernichten und im Erdöl ersäufen. Viele Kulturen sind ob ihrer eigenen Gier verschwunden, wieso soll man noch warnen?
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Frage mich vermehrt auch,wieso ich mich seit nunmehr fast 60J noch immer fast tägl.rund ums Jahr für den Artenschutz aktiv+finanziell engagiere,es ist wirklich resignierend,auch hier.Es werden jährl.weniger.Lebensgrundlagen unsrer Fauna+Flora werden zerstört,zerstückelt od.von"Naturfreunden"überflutet,Agrarland wird wegen wuchernder Menschmasse Bauern in Entw'ländern enteignet,damit wir uns im Sumpf unsres Wohlstands weiter vollfressen können.EI zwingte Wirtschaft+Regierung zu diesbez.Massnahmen
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