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Eine Alternative zum umstrittenen Asthmaspray?
Aus Rendez-vous vom 06.01.2020.
abspielen. Laufzeit 04:19 Minuten.
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Doping mit Asthmamittel? Hoffnung für hustengeplagte Langläufer

Auch Dario Cologna leidet unter Leistungsasthma. Linderung liefert ein Spray, das hoch dosiert aber missbraucht werden kann.

Die grosse Wintersportnation Norwegen hat während der letzten Olympischen Spiele 2018 in Südkorea grosse Diskussionen wegen des Asthmamittels Salbutamol ausgelöst. Die Delegation hatte die ungeheure Menge von 6000 Asthma-Sprays mit im Gepäck – bei lediglich 121 Athletinnen und Athleten.

Schon zuvor war bekannt geworden, dass die norwegische Langlauf-Teamleitung allen Weltcup-Athleten den Gebrauch von Salbutamol in der erlaubten Menge empfohlen hatte. Auch gesunde Langläufer sollten es prophylaktisch einnehmen.

Die Kontroverse wird häufig nicht nur naturwissenschaftlich, sondern auch emotional ausgefochten.
Autor: Walter KistlerTeamarzt der Schweizer Langläufer

Das Mittel erweitert die Atemwege, erleichtert die Sauerstoffaufnahme und kann leistungsfördernd wirken. Damit bewegen sich die Athletinnen und Athleten im Graubereich zum Doping. Das habe zu einer grossen Kontroverse im Langlauf-Zirkus geführt, sagt der Teamarzt der Schweizer Langläufer, Walter Kistler: «Die Kontroverse wird häufig nicht nur naturwissenschaftlich, sondern auch emotional ausgefochten.»

Kistler plädiert für eine objektive Betrachtungsweise: «Die Athleten, die ein Leiden haben, sollen richtig behandelt werden. Gleichzeitig soll das Mittel aber nicht als Doping missbraucht werden.» Denn es gebe Wintersportler, die tatsächlich unter Leistungsasthma leiden würden.

Spitzensportler entdecken Asthma-Spray

Ein prominenter Name ist der Schweizer Spitzenlangläufer Dario Cologna, der wegen seines Reizhustens im letzten Jahr sogar die Tour de Ski aufgeben musste. Kistler, der auch Cologna betreut, will nun neue Wege gehen, um vom Asthmaspray als einzigem probatem Mittel wegzukommen: «Es wurde damals vor allem für allergisches Asthma entwickelt, auch wenn wir es auch für Sportler-Asthma benutzen.» Dies allerdings mit mässigem Erfolg, so der Teamarzt der Schweizer Langläufer.

Video
Cologna zum Thema Asthma-Sprays
Aus Sport-Clip vom 20.11.2016.
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Landläufig erkenne man Asthma am Pfeifen beim Schnaufen. Beim Sportler-Asthma liege der Fall aber anders: «Hier steht vor allem das Husten im Vordergrund. Es stecken andere Entzündungszellen dahinter.»

Das sagt Dario Cologna zur Diskussion

Dass der ganze Langlaufsport in Verruf gerät, macht natürlich auch Cologna betroffen. Auch er wendet Asthmasprays an. «Bis 2012 brauchte man dazu eine Ausnahmebewilligung. Bei einer gesunden Lunge bringen die Mittel aber nichts, deshalb hat man sie freigegeben», klärt er auf. Zwischen Leistungsasthma und der Krankheit bestehe ein grosser Unterschied. Cologna: «Eigentlich ist die richtige Dosierung kein Problem, wenn man es richtig anwendet.» Weil Langlauf ein harter Ausdauer-Sport und die Kälte ein belastender Faktor sei, käme man zum Wohle der Lunge nicht darum herum. («Sportpanorama», 20.11.2016)

Als Chefarzt der inneren Medizin am Spital Davos arbeitet Kistler unter anderem mit dem Schweizerischen Institut für Immunologie und Allergologie der Universität Zürich zusammen, um den Ursachen von Leistungsasthma auf den Grund zu gehen. Mit diesem Davoser Projekt wollen sie eine neue Therapie finden, mit der die Krankheit besser behandelt und die nicht als Doping missbraucht werden kann.

Zurzeit werden Athletinnen und Athleten aus diversen Wintersportarten für Tests engagiert. «Es geht vor allem um genetische Tests und Blutuntersuchungen.» Auch klinische Untersuchungen hinsichtlich der Lungenfunktion und dergleichen würden vorgenommen, schildert Kistler. «Nach spätestens einem Jahr werden wir einen Marschhalt machen und schauen, was die erfolgversprechendsten Wege sind.»

Geht es bald auch ohne Spray?

Möglicherweise könnten dann Therapien entwickelt werden, die ohne Medikamente auskommen, wie Kistler weiter sagt. Etwa Nahrungsergänzungsmittel oder Wärmetherapien. Das Forschungsteam ist diesbezüglich völlig offen. Es könne auch sein, dass jeder Athlet eine eigene Lösung benötigt.

Das Davoser Projekt reiht sich ein in mehrere andere Projekte. Unter anderem sucht auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) eine Alternative zum Asthmaspray. Wird eine solche gefunden, könnte der Spray definitiv verboten werden und damit wären auch die Doping-Diskussionen beendet.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Hauser  (Nyota)
    Ich bin der Meinung, dass der Athlet Gewinnt, der von der Konstitution und vom Training und Material die Beste Kombination hat. Wenn nun ein Athlet eine Lungenschwäche hat, darf er es auch nicht mit Medikamenten verbessern, weil das zum Athleten gehört. Sonst könnte man auch mit der gleichen Begründung an der Durchblutung rumfummeln, am Herz noch tunen und so weiter... Also, Asthmaspray im Spitzensport ist für mich nicht zulässig.
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    1. Antwort von Liva Bevivino  (Liva)
      Das würde also bedeuten, dass ein Athlet, der eine Sehschwäche hat, auch keine Korrekturbrille oder Kontaktlinsen tragen darf,
      dass eine Athletin mit Eisenmangel keine Eisentabletten einnehmen darf (was übrigens sehr häufig ist bei Frauen, die Sport treiben),
      dass ein Athlet mit sehr heller Haut vielleicht sogar keine Sonnencrème auftragen darf?
      Ich finde, so vereinfacht kann man das nicht sagen.
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    2. Antwort von Marcel Hauser  (Nyota)
      @Bivivino
      An den 6000 Dosen Asthmaspray sieht man ja wozu das führt. Zu Ihrem Beispiel, wenn es ein Wettkampf um Sehschärfe ginge, dann würde ich die Brille verbieten, ja. Bei einem Langläufer nicht, weil dies seine Leistung nicht beeinflusst. Eisentabletten müssten im Sport auch verboten sein. Aber in der Medizin finde ich sie sinnvoll. Der Athlet darf ja auch kein Eigenblut spritzen.. mit Hormonen darf man sich auch nicht stärken usw. Ins Wachstum soll man auch nicht eingreifen. Meine Meinung
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  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Ein Kollege hat mich überredet an einem Hobbyradrennen teilzunehmen. Was da am Start mit 120 Fahrern anzutreffen war? Massagezelte, jede Menge Verkäufer mit leistungssteigernden Pillen, Massagecremen und Getränken. Rennräder der Extraklasse, der Kollege und ich waren die Einzigen mit Schutzblechen und Gepäckträger an den Rädern. Und das war vor mehr als 40 Jahren bei Hobbysportlern. Leistungssteigerung ist also nichts Neues.
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  • Kommentar von Konrad Pfister  (Konrad Pfister)
    „...mit der die Krankheit besser behandelt und nicht als Doping missbraucht werden kann.“
    Krankheit als Doping? Etwas ungeschickt ausgedrückt, sollte wohl heißen „und die nicht...“
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    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Konrad Pfister Da haben Sie natürlich recht. Besten Dank für den Hinweis.
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