Zum Inhalt springen

Douglasien in der Schweiz Plädoyer für einen Riesen

Hitzebeständig und nicht invasiv: Die fremdländische Douglas-Tanne könnte für die heimischen Wälder bedeutsam werden.

Legende: Audio «Baum der Hoffnung» vermehrt auch in der Schweiz abspielen. Laufzeit 4:32 Minuten.
4:32 min, aus Rendez-vous vom 30.07.2018.

Der Sturm «Burglind» richtete am 3. Januar grosse Schäden an. Im Kanton Solothurn beispielsweise legte er so viele Bäume um, wie normalerweise in einem Jahr abgeholzt werden. Nebst altbekannten Baumarten wird auf den leergefegten Flächen auch die hitzebeständige «Douglasie» gepflanzt.

Der fremdländische Baum, der zu den Neophyten zählt, hat in Deutschland schon zu hitzigen Debatten geführt. Im Solothurnischen wächst ein Douglasien-Wald seit 200 Jahren problemlos und hat sich auch nicht masslos ausgebreitet.

«Mutter des Waldes»

Oberhalb von Selzach am Jurahang mitten im Wald thront sie, 40 Meter hoch. Von einem besonderen Nadelbaum spricht Förster Thomas Studer: «Das ist die Mutter des Waldes, ein mächtiger Baum, der die heimischen Bäume bis um zehn Meter überragt, und das fasziniert eigentlich auch vom Nutzen her.»

In diesem Mischwald stehen noch 20 weitere, etwas kleinere Douglasien, doch auch sie sind grösser als alle anderen Bäume. Als Revierförster des Forstkreises Leberberg ist Studer Mitglied einer Arbeitsgruppe, die über neue Baumarten in den Solothurner Wäldern diskutiert. Es sei eine Chance, solche Gastbaumarten einzubringen, die auch einer Klimaerwärmung langfristig standhielten.

Kein «Fichtenstress»

Die Douglasie scheint hier ideal zu sein. Sie bringt nicht nur deutlich mehr Holz als die altbekannten Baumarten, sondern erträgt auch wärmere Temperaturen besser als beispielsweise Fichten. Denn die Douglasien haben Pfahlwurzeln, die tief in den Boden gehen. Für die Fichten mit flachen Wurzeln dagegen werden längere Trockenperioden rasch zum Problem: «Bei den Fichten ist eigentlich bereits Alarmstufe Rot. Denn wenn das Wasser fehlt, wird die Borkenkäfergefahr rasch gross», sagt Studer.

Douglasie.
Legende: Die Douglasien mit ihren Pfahlwurzeln trotzen Trockenperioden deutlich besser als andere Bäume. Imago/Archiv

Die Förster sehen deshalb Douglasie als Ersatz für die Fichten in den Schweizer Wäldern. Dabei gibt es jedoch ein Problem, denn die Douglasie ist kein einheimischer Baum. Vor knapp 200 Jahren wurde sie vom natürlichen Verbreitungsgebiet im Westen Nordamerikas nach Europa importiert.

Bedenken weitgehend verschwunden

Naturschutzkreise zeigten sich in den letzten Jahren skeptisch, dass diese Art vermehrt gepflanzt werden soll. Es gab Bedenken, dass der Baum andere Arten verdrängt. In Deutschland wurde die Douglasie vor einigen Jahren gar auf die schwarze Liste der invasiven Arten gesetzt.

Douglasie.
Legende: Imago/Archiv

Zu Unrecht, sagt Thomas Wohlgemuth vom Institut für Wald, Schnee und Landschaft (WSL): «Die Douglasie ist nicht invasiv. Die Rubinie oder der Götterbaum haben Samen, die sich rasch verbreiten. Bei der Douglasie muss der Samen mit dem Wind verbreitet werden, doch der fällt nicht weiter als 100 Meter vom Baum entfernt, was eine rasche Ausbreitung verhindert.»

Douglasien-Anteil in der Schweiz noch sehr gering

In Deutschland hat der Naturschutz seinen Widerstand schliesslich aufgeben. Seither setzt sich die Baumart durch. Zwei Prozent der Bäume in Deutschland sind bereits Douglasien. In der Schweiz sind es heute 0,4 Prozent. Doch der Douglasien-Bestand dürfte auch in der Schweiz zunehmen, sagt Wohlgemuth: «Sie wird im Moment weiter gepflanzt und sehr häufig in Waldöffnungen beigemischt. Quasi als «Versicherungsbaum» für eine wärmere und trockenere Zukunft. Deren Bedeutung wird deutlich zunehmen.»

Das sieht auch Förster Studer so. Selbst wenn die Douglasie noch als fremder Baum gelte, sei er nach über 100 Jahren in den Schweizer Wäldern durchaus angekommen: «Die Douglasie ist sehr gut integriert. Es ist eine standortgerechte und passende Baumart. Unsere Erfahrungen sind durchwegs positiv.»

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

9 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Aber bei der ganzen Diekutiererei um die Bäume vergessen wir völlig die Erde, den Fruchtbaren Boden. Und das CO2 Summe die in den Wurzeln und Bäumen gespeichert ist. Ich denke in den letzten hundert Jahren wurde unendlich viel CO2 durch umnutzung freigesetzt und die CO2 Binder die Bäume vernichtet. Schweden ist genau somein Beispiel. Altwald wurde in reinen flachwurzligen Monowald umgestaltet. Ich kenne bis jetzt nur 1 Frau die die Bodenersosion umgestaltete, siehe „Das Salz der Erde‘.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Dann gibt es Bäume die musst du nur in den nackten Bodennstecken und gut freut halten und erwächst sehr schnell. Die Weide. Also auch das Wachstumstempo und die Holznutzung ist sehr unterschiedlich. Aber diese Wissen wird immer nützlicher.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Auf der Welt gibt es unzählige Baumarten über 80 Meter. Die grössten Bäume sind zur Zeit bis 115 Meter und mehr. Doch wir verstehen viel zu wenig von der Artenvielfalt und Naturkreisläufen. Da fehlt es uns eigentlich an Allgemeinbildung. Wielviele Nadelbäume gibt e s die sich einfärben und die Nadeln falllen lassen. Ich kenne nur drei. Die Lärche, der Chinesische Mamutbaum und die echte Zypresse.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen