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Dicke Luft – Wie Smog und Rauch die Lunge belasten
Aus Puls vom 20.01.2020.
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Dreckige Luft Smog und Rauch belasten die Lunge

Der Rauch der Waldbrände in Australien hat Notfallabteilungen gefüllt. Auch hierzulande ist Luftverschmutzung ein Thema.

In den letzten Wochen waren die australischen Städte Melbourne und Sidney in dicken Rauch gehüllt. Der Wind hat den Rauch der Buschfeuer in die Städte getragen. Die Luftqualität galt tagelang als «unhealthy», also ungesund. Für ein paar Stunden lag Melbourne sogar auf Platz drei der schlechtesten Luft weltweit. Die australischen Behörden rieten den Menschen zuhause zu bleiben.

Nur bestimmte Atemmasken schützen

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Die schädlichen Partikel, die aus Rauch entstehen, sind weniger als ein Mikrometer klein und damit nur schlecht filterbar. Atemmasken helfen nur, wenn sie spezielle Filter besitzen. Einzig Staubschutzmasken der Norm EN149, die Partikel unter 0,15 Mikrometern filtern, schützen tatsächlich vor Feinstaub. (Quelle: 3M)

Die Zusammenhänge zwischen Luftverschmutzung und gesundheitlichen Auswirkungen untersucht Bin Jalaludin, Professor an der Universität New South Wales. Die aktuellen Zahlen lassen ihn aufhorchen. «Die Notfallabteilungen hatten es mit auffällig viel Asthmabeschwerden zu tun», sagt Bin Jalaludin. «Es wurden etwa 30 bis 50 Prozent mehr Menschen als normalerweise im Spital behandelt.»

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Umweltepidemiologe Bin Jalaludin: «Die Notfallabteilungen hatten es mit auffällig viel Asthmabeschwerden zu tun.»
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Schuld sind die schädlichen Partikel in der Luft: Je kleiner die Partikel, desto tiefer gelangen sie in die Lunge. «Die kleinsten Partikel können sogar ins Blut und damit auch ins Gehirn gelangen», sagt Bin Jalaludin. «Dort verursachen sie eine Entzündung. Und das, so denken wir heute, ist die Ursache für die vielen gesundheitlichen Folgen.»

Für Martin Röösli, Umweltepidemiologe am Schweizerischen Tropen- und Public Health Institut, steht ausser Frage, dass als Folge der Luftverschmutzung Menschen auch sterben werden: «Wenn wir danach die Statistik anschauen werden, wird die zeigen, dass deutlich mehr Leute wegen der Luftschadstoffe von den Feuern gestorben sind. Ich schätze, dass es während dieser Tage eine 5 bis 20 Prozent höhere Sterblichkeitsrate gibt.» Und das, obwohl Australien nur kurzfristig betroffen ist.

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Umweltepidemiologe Martin Röösli: «Ich schätze, dass es während dieser Tage eine 5 bis 20 Prozent höhere Sterblichkeitsrate gibt.»
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Weltweite Haupttodesursache

Welche Auswirkungen das langfristig haben kann, weiss man von Studien aus Weltregionen, die dauerbelastet sind – und zwar von Smog. Die Städte mit der schlechtesten Luft liegen vor allem in Indien, etwa in Dehli oder Agra. Gefolgt werden diese von einer langen Liste mit chinesischen Städten.

«Luftschadstoff-bedingte Sterblichkeit ist eine der Haupttodesursachen auf der ganzen Welt», sagt Martin Röösli. «Dazu gehören nicht nur Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Man weiss auch, dass diese Partikel Krebs oder Diabetes erzeugen. Es gibt auch immer mehr Studien, die zeigen, dass Feinstaub einen Einfluss auf kognitive Fähigkeiten hat, zum Beispiel Demenz.»

Genau wegen solcher gesundheitlichen Gefahren hat Barbara Lüthi Peking verlassen. Sie war jahrelang Korrespondentin in China. «Wenn man raus ist, haben relativ schnell die Augen gebrannt, man hat Kopfweh bekommen und im Mund hatte man einen richtigen Kohle-Geschmack», sagt Barbara Lüthi. Weil sie ihren Kindern keine bleibenden Schäden zumuten wollte, ist sie schliesslich nach Hongkong gezogen.

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Barbara Lüthi, ehemalige China-Korrespondentin: «Im Mund hatte man einen richtigen Kohle Geschmack.»
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Auch hierzulande ein Gesundheitsrisiko

Auch in Europa gibt es immer wieder mal Smogalarm, zurzeit in Norditalien. Und auch in der Schweiz war die Luft schon tagelang so schlecht, dass Tempolimits ausgesprochen wurden.

Bei uns trägt laut Meteorologe Christoph Siegrist vor allem die Wetterlage zur schlechten Luft bei. Vor allem bei einer sogenannten Inversionslage, also wenn ein Hochdruckgebiet nördlich oder gerade über der Schweiz liegt, das tagelang an Ort und Stelle bleibt. «Im Winter passiert es, dass unten kalte Luft ist, oben warme Luft. Und diese kann sich nicht austauschen», sagt Christoph Siegrist. «Die Luft bewegt sich nicht und wird schlecht.» Egal, ob ungünstige Wetterlagen, verheerende Waldbrände oder unkontrollierte Schadstoffemissionen: Schlechte Luft macht Menschen krank.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Muller  (syd)
    Jeden Tag bad News aus Australien auf dieser Plattform. Ich habe hier in Sydney seit 10 Tagen keinen Rauch mehr gesehen. Ansonsten ist mir auch lieber ein paar Tage mit etwas Rauch, dafür keinen kalten dreckignen Nebel ohne Sonne für Wochen wie im Mittelland in der Schweiz.
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  • Kommentar von Enrico Dandolo  (Doge)
    Wer wie ich teilweise mit primitiver Holzfeuerung aufgewachsen ist kann den Alarmismus, denke ich, nicht nachvollziehen. Meine Mutter hat die Winterabende gar mit der Familie vor dem offenen Feuer verbracht. Sie wurde 86! Natürlich kann und soll man es stets besser machen, aber Panik ist, besonders bei uns, nicht angebracht.
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    1. Antwort von Arno Zingg  (Arno Zingg)
      Lieber Herr Dandolo, Einzelfälle stehen uns verständlicherweise oft am nächsten, haben aber mit tatsächlichen und statistischen Daten nichts zu tun. Nur weil ein Kettenraucher 90 Jahre alt wird, heisst das noch lange nicht, dass Rauchen nicht schädlich ist.
      Die Daten bezüglich Gesundheitsschädlichkeit von Feinstaub sind eindeutig und klar. Das hat nichts mit Panik zu tun, sondern ist lediglich eine logische Folge der wissenschaftlichen Daten.
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  • Kommentar von Peter Meier  (pmeier)
    Na dann wählen wir weiter brav die Bürgerliche. Die haben eine Antwort für all die Probleme mit Luftverschmutzung, Pestiziden im Wasser, CO2, Plastikmüll, usw. Es ist FREIHEIT. Was sollen wir mit der Verbot-Kultur der Rot-Grün Oekodiktatur. Diese wollen nur den Bürger mit Steuer belasten und ihn dem Spass berauben. Wir sind auf dem guten Weg. Weiter so Freunden.
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