Heftige Gewitternacht Ein verhagelter Nationalfeiertag

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«Das wäre neuer Niederschlagsrekord!»

Das Wichtigste in Kürze

  • Auf die Hitze am 1. August folgten teils starke Gewitter.
  • Betroffen war fast die ganze Schweiz.
  • Die Unwetter richteten mancherorts Schäden an, eine Frau musste ins Spital gebracht werden.
  • Auch heute und in den nächsten Tagen bleibt es heiss; Gewitter – wenn auch weniger heftige – sind lokal möglich.

Am Abend des Nationalfeiertags zog ein Gewitterzug über weite Teile der Schweiz, der mancherorts Hagel und Sturmböen mit sich brachte. Bei Derborence im Kanton Wallis verschüttete eine Gerölllawine drei Autos auf einer Bergstrasse. Ein Sprecher der Kantonspolizei Wallis bestätigte eine entsprechende Meldung des Online-Portals von «20 Minuten». Verletzt wurde beim Vorfall niemand.

Im Kanton Bern legte ein Blitzschlag am Abend die Zugstrecke zwischen Belp und Seftigen lahm. Die Linie Luzern - Interlaken Ost war wegen eines umgestürzten Baumes zeitweise unterbrochen.

Frau aus Kellerwohnung gerettet

Ein heftiges Gewitter hat am frühen Mittwochmorgen auch in der Region Steckborn für zahlreiche Schadensmeldungen gesorgt. Zwischen 2.30 Uhr und 5 Uhr gingen bei der kantonalen Notrufzentrale der Kantonspolizei Thurgau rund achtzig Schadensmeldungen ein

Gegen 3.15 Uhr musste die Feuerwehr Eschenz eine 87-jährige Frau aus ihrer unter Wasser stehenden Kellerwohnung retten. Sie wurde vom Rettungsdienst ins Spital gebracht.

Heftiger Regen in Obwalden

In Obwalden gingen bei der Polizei am Dienstagabend Dutzende Anrufe wegen Schäden ein, wie ein Sprecher der Kantonspolizei erklärte. Betroffen von Starkniederschlägen waren hauptsächlich die Gemeinden Giswil, Sarnen und Lungern. In mehrere Gebäude drang Wasser ein. Zudem stürzten mehrere Bäume um. Verletzt wurde offenbar niemand. Mehrere Feuerwehren und Werkdienste standen im Einsatz.

In Wienacht-Tobel (AR) setzte ein Blitz ein Einfamilienhaus in Vollbrand. Die Einsatzkräfte rückten mit 75 Feuerwehrleuten an und brachten das Feuer rasch unter Kontrolle. Verletzt wurde laut Polizeimitteilung niemand. Die Bewohner waren nicht daheim. Das Haus ist vorerst nicht mehr bewohnbar.

Glück im Unglück hatten die Bewohner eines Hauses in Uzwil (SG), als ein Baum auf das Dach stürzte. Gemäss Angaben der Kantonspolizei St. Gallen wurde dabei niemand verletzt. Insgesamt mussten die Feuerwehren im Kanton St. Gallen zu rund 25 Unwettereinsätzen ausrücken. Hauptsächlich mussten entwurzelte Bäume von den Strassen entfernt werden.

Aussergewöhnlich heftige Gewitterzelle

Besonders heftig war die Gewitterfront, welche in der Nacht auf Mittwoch über den Jura hinweg in Richtung Basel, dem Rhein entlang und über den Bodensee zog, wie Gaudenz Flury von SRF Meteo sagt. «Diese Gewitterzelle war speziell kräftig», so der Meteorologe.

In Leibstadt (AG) etwa seien Böenspitzen von 134 km/h gemessen worden. Zudem wurde in Eschenz (TG) eine Regenmenge von 34 mm innert zehn Minuten registriert. «Stimmt die Messung, wäre das Schweizer Rekord», so Flury.

Karte der Schweiz mit Radarbild des Gewitters am Nordrand der Schweiz. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Gewitterzug um 01:30 Uhr auf dem Radarbild: Er zog dann dem Rhein entlang in Richtung Bodensee. srf

Umstürzender Baum tötet Jugendlichen

Der Gewitterzug, welcher in der Nacht vom Jura her, dem Rhein entlang und über den Bodensee hinweg zog (siehe Radaraufnahme oben), forderte mindestens ein Todesopfer in Süddeutschland: In Rickenbach, nahe der Schweizer Grenze, wurde ein 15-Jähriger getötet, als ein Baum auf ein Zelt fiel. Drei weitere Jugendliche wurden laut Polizeiangaben verletzt, einer von ihnen schwer. Die Jugendlichen gehörten zu einer 21-köpfigen Gruppe mit vier Betreuern, welche in einem Zeltlager übernachteten. Den Angaben zufolge wurde der Baum wohl von einer Windbö umgeweht, Anzeichen für einen Blitzeinschlag gebe es keine.